Weniger Bürger, weniger Geld

Heusweiler · Nach dem Zensus, einer stichprobenartigen Volkszählung, zählt Völklingen, wie wir berichtet haben, nun 700 Einwohner weniger und droht dadurch, 447 000 Euro an Zuweisungen zu verlieren. Das gleiche Schicksal ereilt auch Heusweiler, und das sogar doppelt so hart.

 Unmut im Heusweiler Rathaus: Die Kommune hat Widerspruch gegen den Zensus eingelegt. Archivfoto: Andreas Engel

Unmut im Heusweiler Rathaus: Die Kommune hat Widerspruch gegen den Zensus eingelegt. Archivfoto: Andreas Engel

Die Gemeinde Heusweiler gehört zu den 23 saarländischen Kommunen, die Widerspruch gegen die Zensus-Ergebnisse eingelegt hat. Denn laut Zensus hat Heusweiler deutlich weniger Einwohner, als im eigenen Melderegister verzeichnet sind. Und niedrigere Einwohnerzahlen bedeuten sinkende Zuschüsse vom Land. Das teilte Bürgermeister Thomas Redelberger (CDU) in der jüngsten Sitzung des Personal- und Finanzausschusses mit.

Der Zensus 2011 war die erste (Teil-)Volkszählung nach 1987. Doch im Gegensatz zu 1987, als Zähler von Haus zu Haus gingen und alle Bundesbürger befragten, wurden beim Zensus nur zehn Prozent der Bürger befragt, das Ergebnis anschließend auf 100 Prozent hochgerechnet. Diese Vorgehensweise zweifeln die Kommunen an.

Von allen saarländischen ist Heusweiler am stärksten betroffen: "Auf der Fortschreibung der Volkszählung von 1987 hätten wir Stand 31. Dezember 2011 genau 19 262 Einwohner haben sollen. Laut Zensus waren es aber nur 18 084", sagte Redelberger. Das hat für Heusweiler gravierende Folgen: Weil sich Landeszuschüsse an Städten und Gemeinden, die so genannten Nettoschlüsselzuweisungen, in einem komplizierten Berechnungsverfahren mittelbar auch an der Einwohnerzahl orientieren, erhält Heusweiler nicht die erwarteten 8,033 Millionen Euro, sondern nur 7,187 Millionen Euro. Ein Minus von 846 000 Euro. "Einen herben Schlag" nennt das Redelberger.

Sicher gebe es Defizite im Vergleich zur Volkszählung von 1987, auf der die Zahlen des Heusweiler Meldeamtes basieren, so der Bürgermeister, "Doch diese Defizite bewegen sich zwischen 100 und 300 und nicht, wie im Zensus, bei 1208", so Redelberger. Er betonte allerdings auch: "Ich will nicht sagen, dass die Zensusmethodik falsch ist, aber sie ist zumindest schwer nachvollziehbar. Wenn landesweit alle verloren hätten, wäre es eher nachvollziehbar gewesen. Aber es gibt Kommunen, wie Eppelborn, die deutliche Einwohnerzuwächse verzeichnen."

Wie Redelberger ankündigte, wird das statistische Landesamt zu einer Info-Veranstaltung laden, bei der es Erläuterungen zur Zensusmethodik gibt. Und am 23. September gibt es auf Initiative des saarländischen Städte- und Gemeindetages in Berlin einen Erfahrungsaustausch aller Bundesländer zum Umgang mit dem Zensus. "Auf Basis dieser beiden Punkte werden wir im Oktober mit dem saarländischen Städte- und Gemeindetag die weitere Vorgehensweise besprechen. Bis dahin wird das laufende Widerspruchsverfahren nicht aktiv", so Redelberger.

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