1. Saarland

Wenige Sünder beim Blitzer-Marathon

Wenige Sünder beim Blitzer-Marathon

In zehn Bundesländern hat die Polizei gestern verstärkt Raser ins Visier genommen. Im Saarland standen die Beamten an 26 Kontrollpunkten.

Den Begriff "Blitzer-Marathon" mag der Chef der saarländischen Verkehrspolizei, Polizeidirektor Ralf Geisert, nicht so sehr, und er hat ihn auch nicht erfunden. Denn Verkehrskontrolle ist für ihn weder Sport noch Wettbewerb. Doch die Idee, die dahinterstecke, habe man inzwischen europaweit übernommen und sie bringe messbare Ergebnisse: "Es ist wissenschaftlich belegt, dass wir mit der Aktion, bei der wir alle verfügbaren Messgeräte auf einmal einsetzen, eine breite Öffentlichkeit erreichen und sogar in den Folgetagen langsamer gefahren wird", sagte Geisert.

Die Polizei kündigte die Aktion an, Messgeräte wurden nicht besonders versteckt und sogar so eingestellt, dass nicht jede Bagatelle gleich den Blitz auslöste. "Wir erfassen auf der Autobahn nur Überschreitungen über 14 Kilometer pro Stunde", sagte der Polizeibeamte Harald Stein, dessen Kollegin Petra Teuber die Messpunkte ausgewählt hatte. Und dabei richtete sich die Polizei nach den schweren Unfällen der letzten Zeit.

Beispiele: die Umgehung Diefflen-Nalbach, die Straße am Stausee Losheim oder die Saarbrücker Stadtautobahn. Letztere bezeichnet Geisert als "Spar-Autobahn aus den 60ern". Sie sei deutlich schmaler als neuere Autobahnen, teils fehle der Standstreifen, Unfälle gebe es jede Woche. Das Tempolimit sei hier angemessen und für einen optimalen Verkehrsfluss berechnet - wenn sich alle daran halten.

Zehn Bundesländer beteiligen sich an der europaweiten Aktion. Im Saarland stand die Verkehrspolizei bis zum Donnerstagmorgen 6 Uhr an 26 Kontrollstellen.

Das Messgerät auf der Gersweiler Brücke löste gestern relativ selten aus. Die Autofahrer waren vorgewarnt. Trotzdem hält Geisert den Aktionstag für sinnvoll: "Wir schärfen das Bewusstsein der Autofahrer", sagte er, genau das sei das Ziel. Geld einzunehmen, sei kein Ziel, es gebe keinerlei Umsatzvorgabe, weder beim Blitzer-Marathon noch in der Tagesarbeit. Deswegen könne auch tief in der Nacht kontrolliert werden, wenn kaum jemand unterwegs sei, aber Raser auf dem Weg von der Disko ihr höchstes Unfallrisiko hätten.

Und gemessen werde immer mit Blitz - obwohl es auch ohne funktioniere. "Der Autofahrer soll erkennen, dass er geblitzt wurde, und sich erinnern, wenn die Post kommt", sagte Petra Teuber. Nur so könne der Autofahrer sein Handeln hinterfragen. Genau das sei auch das Anliegen des Marathons. Die Einsatzbilanz der Polizei und der sechs Teilnehmerkommunen wird heute veröffentlicht.

Auch nach dem Blitzer-Marathon kontrolliert die Polizei. Für heute hat sie Tempokontrollen auf der B 268 in Michelbach sowie auf der A 8 zwischen Luxemburg und Merzig angekündigt.

Zum Thema:Die Zwischenbilanz des Blitzer-Marathons Die saarländische Polizei meldete bis 15 Uhr 10 000 gemessene Fahrzeuge an elf Kontrollstellen mit 230 Verwarnungen, 87 Anzeigen und zwei Fahrverboten. Insgesamt entspricht dies einer Überschreitungsquote von drei Prozent.