Weltrekordversuch im Dauerfußballspielen im saarländischen Winterbach

Weltrekordversuch : Eine Woche nonstop Fußball in Winterbach

Es soll das längste Fußballspiel der Welt werden und im Guinessbuch der Rekorde landen: 168 Stunden am Stück wollen zwei Mannschaften noch bis 5. Juni in St. Wendel-Winterbach dauerkicken.

Der Ball rollt seit Mittwochabend beim total verrückten Dauerfußball-Weltrekordversuch im St. Wendeler Stadtteil Winterbach. 168 Stunden wollen die Sportfreunde (SF) Winterbach und der „Thank God it’s Friday Event Club“ aus dem rheinland-pfälzischen Wallhalben gegeneinander spielen, um sich im Guinness-Buch der Rekorde einschreiben zu können.

Eine Stunde vor dem Anpfiff sind die saarländischen Kicker auf der Sportanlage eingetrudelt. Manuel Hahn und Carsten Rauber schlüpfen noch in neue schmucke Treter und ab geht’s zu dem  stark reduzierten Aufwärmprogramm. „Die ganze Zeit war es entspannt, umso aufgeregter wird man, weil es gleich losgeht“, sagt Ronny Hassel, Spieler und stellvertretender Vorsitzender der SF. Langsam ziehen sich dann die Akteure in ein Camp hinter dem Tor zurück. Es erinnert etwas an Big Brother. Jeder Schritt wird zur Beweisführung von einer Videoanlage aufgezeichnet. Dann Einlaufen und Anpfiff.

Eine Woche nonstop Fußball. Trennung von Familie, Frau oder Lebensgefährtin, quasi Liebesentzug für 36 Spieler. Das Gelände darf laut Reglement niemand verlassen, nur der Aufenthalt beim Arzt ist gestattet. Pro Team gibt es zwei Trikotsätze, die zwischendrin von einer Spielerfrau in die Waschmaschine gesteckt werden. 84 Schiedsrichter sind für das eine Spiel eingeteilt worden.

„Im Moment stehen die Wetten, dass mehr als 2000 Tore fallen werden“, sagt Niklas Hanke. Vor neun Jahren hat der 29-Jährige wegen einer Verletzung beim damaligen Oberligisten SV Hasborn Schluss mit dem Leistungsfußball machen müssen. Und ausgerechnet Hanke bringt Winterbach jetzt mit 1:0 in Führung. Der Torjubel auf dem Kunstrasenplatz fällt überaus kraftsparend aus – und keiner der rund 500 Zuschauer und Vereinsmitglieder rastet vor Freude aus.

„Wir haben einige freiwillige Helfer, die uns durchkneten, und das Deutsche Rote Kreuz hat ein Auge drauf“, erklärt Ronny Hassel mit Blick auf die Strapazen, die bis Mittwoch auf ihn und seine Mitspieler zukommen. Eine erste Etappe wäre am Montag um 7.03 Uhr gepackt – und der bestehende Weltrekord von 108 Stunden, der 2016 im britischen Worthing aufgestellt wurde, dann geknackt. „Wir machen aber weiter. Unser Weltrekord ist mit 168 Stunden extra hoch angesetzt, damit er noch lange bestehen bleibt“, erklärt der Winterbacher Pressesprecher Thomas Handle.

Nach einer Stunde schießt Max Hoffmann (17), der jüngste Spieler auf dem Platz, die SF mit 4:2 in Führung. In Baku wird gerade parallel das Endspiel der Europa League Chelsea gegen Arsenal angepfiffen. Doch das Londoner Derby interessiert kaum jemand. Kein Fernseher läuft, denn hier spielt ja die Musik. Und zwar in Form von Partymusik. Von den Mallorca- und Schlagerhits haben die Spieler auf der künstlichen Wiese allerdings wenig, dafür aber die Vereinsmitglieder. „Der Zuschauerzuspruch am ersten Tag ist schon gut. Neben dem Platz ist eine Stimmung wie auf einem Volksfest“, sagt Handle sichtlich erfreut.

Handle ist als Organisator eigentlich dafür verantwortlich, dass Winterbach mit dem Dauerkick nun im Fokus der Öffentlichkeit steht. „Das Medieninteresse ist enorm“, sagt der 35-Jährige. Und er fügt hinzu: „Wenn die Spieler Tag und Nacht durchhalten, schaffe ich das auch.“

Nach den ersten gespielten 90 Minuten verlieren die Sportfreunde mit 4:5 gegen die Freizeitmannschaft aus Wallhalben. An Niederlagen haben sich die Kicker während der Saison gewöhnt: Als Vorletzter sind sie sportlich aus der Bezirksliga St. Wendel abgestiegen. Handle klammert sich aber noch an einen Strohhalm und hofft in der Relegation auf die Schützenhilfe von anderen Vereinen.

Fast zeitgleich mit dem Abpfiff der Partie auf dem Winterbacher Sportplatz werden auch die Aufstiegs-Playoffs enden, am kommenden Mittwoch, 5. Juni, soll eine große Party steigen. „Wenn wir dann doch noch die Klasse halten würden, wäre das einfach geil. Dann würde ich nach der Weltrekord-Woche weitere sieben Tage freimachen, und es würde viel Bier fließen“, erklärt er. Bis dahin hofft er auf eine Zuschauerzahl von etwa 5000. Neben dem sportlichen Ereignis wollen die Veranstalter auch abseits des Rasens für einen Erfolg sorgen. Die Erlöse aus den zu der Veranstaltung gehörenden Konzerten und ein Teil der Sponsorengelder werden für soziale Zwecke gespendet.

www. fußballfieber2019.de

Die Einwechselspieler aus Winterbach (rotes Trikot) und Wallhalben beobachten gespannt, was sich auf dem Spielfeld tut. Foto: Frank Faber

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