1. Saarland

Welche Eigenschaften braucht ein guter Chef?

Welche Eigenschaften braucht ein guter Chef?

St. Wendel. Bereits zum 22. Mal hat die Kreissparkasse St. Wendel in Zusammenarbeit mit dem Landkreis St. Wendel und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft einen Wirtschaftstag ausgerichtet. Jedes Jahr präsentieren die Veranstalter einen Gastredner aus Wirtschaft, Medien oder Forschung. In diesem Jahr kam ein Vertreter der Kirche nach St. Wendel

St. Wendel. Bereits zum 22. Mal hat die Kreissparkasse St. Wendel in Zusammenarbeit mit dem Landkreis St. Wendel und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft einen Wirtschaftstag ausgerichtet. Jedes Jahr präsentieren die Veranstalter einen Gastredner aus Wirtschaft, Medien oder Forschung. In diesem Jahr kam ein Vertreter der Kirche nach St. Wendel. Notker Wolf, seit 2000 Abtprimas und somit oberster Repräsentant der Benediktiner, beschäftigte sich am Montagabend vor 600 Zuhörern im Saalbau mit der Frage: "Ist humanes Management im Zeitalter der Globalisierung noch möglich?"Viele Jahrzehnte lang habe man die Wirtschaft als Selbstläufer empfunden, der sich selbst reguliere. Dann kam die Wirtschafts- und Bankenkrise und mit ihr der Verlust des Vertrauens. Letzteres gelte es jetzt wieder aufzubauen. Aber wie gelingt das? "Durch Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit", sagt Wolf. Außerdem gelte als oberstes Gebot: Wer Vertrauen schenkt, bekommt es auch zurück. "Wann immer eine wichtige Frage im Kloster ansteht, rufe der Abt sämtliche Mitbrüder zusammen", so laute eine Regel Benedikts. Auch die Jüngeren seien wichtig in dieser Runde, da der Herr - laut Benedikt - ihnen offenbare, "was das Bessere ist". Die Kunst des Zuhörens bedeute auch, den anderen ernst zu nehmen. Für Wolf ist es ganz wichtig, die Menschen mit einzubeziehen. "Ein guter Chef kreiert eine Atmosphäre, in der jeder sagen kann, was er denkt", so der Abtprimas. Außerdem sollte eine Führungspersönlichkeit Transparenz schaffen und die Mitarbeiter fördern. "Er braucht ein Gespür für das rechte Maß, um zu wissen, was er dem Mitarbeiter zumuten kann", sagt Wolf. Das sei in kleineren Unternehmen sicher leichter zu realisieren.

Vertrauen und das rechte Maß sind Schlüsselbegriffe in Notker Wolfs Vortrag. "Wir brauchen Sicherheit und Gesetze als Rahmen. Aber die Wirtschaft braucht außerdem Freiheit." Freiheit - auch zum Risiko. Doch müsse derjenige, der dieses Risiko eingeht, dann auch für die Folgen gerade stehen.

Im St. Wendeler Land gibt es viele kleine und mittelständische Unternehmen, die als Familienbetrieb geführt werden. "Unternehmen in Familienhand können nicht nur flexibel auf die Anforderungen des Marktes reagieren, sondern handeln auch durch ihre Verbundenheit und Verwurzelung im St. Wendeler Land verantwortungsvoll und vorausschauend", sagte Landrat Udo Recktenwald. Er sei sich sicher, humanes Management sei in vielen dieser Betrieben zu finden.

Für Josef Alles, auf dessen Initiative hin der Wirtschaftstag 1992 ins Leben gerufen wurde, ist es eine besondere Veranstaltung. Zum letzten Mal ist er als Direktor und Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse St. Wendel dabei. Landrat Recktenwald nutzte den Abend im Saalbau, um den künftigen Ruheständler mit einem Gemälde von Mia Münster zu verabschieden.