1. Saarland

Weinerts Jazz-Universum

Weinerts Jazz-Universum

Neunkirchen. "Global Players" haben Susan und Martin Weinert ihr aktuelles Trio-Projekt mit dem Percussionisten David Kuckhermann genannt. Und weit gereist in der Welt sind die Weinerts tatsächlich. Von Neunkirchen aus haben sie sich in über 2500 Konzerten in die oberste Jazz-Liga gespielt

Neunkirchen. "Global Players" haben Susan und Martin Weinert ihr aktuelles Trio-Projekt mit dem Percussionisten David Kuckhermann genannt. Und weit gereist in der Welt sind die Weinerts tatsächlich. Von Neunkirchen aus haben sie sich in über 2500 Konzerten in die oberste Jazz-Liga gespielt. Trotzdem - oder gerade deswegen - kehren sie immer wieder gerne in ihr "zweites Wohnzimmer", die Stummsche Reithalle, zurück, wie Martin Weinert verrät. So auch am Freitagabend, wo sie auf Einladung der Kulturgesellschaft vor ausverkauftem Haus auftraten. Schon allein das Equipment Kuckhermanns zog alle Blicke auf sich: eine Cajon, eine Udu aus Keramik, eine Rahmentrommel, Tamburin, Becken in diversen Größen, Zimbeln, Drumsticks, Besen, ums Bein gebunden hatte der aus Münster stammende Schlagwerk-Spezialist kastagnettenähnliche Fußrasseln aus Holz. Das wichtigste Instrument waren jedoch, wie das Konzert zeigte, seine Hände: Wenn er trommelt, klopft, streichelt, kratzt, die Rahmentrommel rauschen lässt, dann möchte man schwören, dass da irgendwo noch einer versteckt ist, der für die schier unglaubliche Klangfülle und den Facettenreichtum mitverantwortlich ist. Dabei fügt sich Kuckhermann perfekt in das Weinertsche Musikuniversum ein: Wenn Susan ihre filigranen Gitarrenkunststücke zelebriert, Martin mit seinem Bass einen melodiösen Klangteppich zaubert, dann hält der Percussionist, der lange in New York gelebt und gerade wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist, mühelos mit. Und man merkt den Dreien eine geradezu diebische Freude an, wenn ihre Klang-Kabinettstückchen gelingen, wenn ein Blick, ein Lachen reichen, dass im Zusammenspiel aus einem lässig in die Runde geworfenen Akkord ein verschlungenes, kompliziertes Klanggebilde wird. Neben Stücken von ihrem aktuellen Album "Tomorrow's Dream" präsentierte das Trio auch Werke der Vorgänger-Alben - ausnahmslos alle aber aus der Feder von Susan Weinert. Und fast jedes Stück hat seine ganz eigene Geschichte, die Martin Weinert in seiner unnachahmlichen Art zum Besten gab. Dass die beiden privat und musikalisch seit langen Jahren - genau genommen 27 - Weg- und Seelengefährten sind, hört und spürt man aus jeder Note und jedem Wort. Martin folgt seiner "Gitarrenprinzessin", wie er sie liebevoll nennt, vom 13/8- über den 6/8- zum 4/4-Takt und wieder zurück (zu hören bei dem verrückten "Red und Blue"), von latin-orientierten Grooves über Metal-Rock-Einsprengsel mit Reminiszenzen an die eigenen Rock'n'roll-Wurzeln bis zu Balladen. Anrührend das Stück "Innere Ruhe", das sie im Gedenken an Martins kürzlich verstorbenen Bruder Peter spielten.In Neunkirchen fand das Trio ein aufmerksames, hochkonzentriertes Publikum, das sich auf das intensive Hörerlebnis einließ - frenetischer Applaus.