„Beste Winzer der Welt“ „Wein und Speisen sind wie eine Ehe“

Saarbrücken · Teure Weine zu produzieren, sei leicht, sagt Michel Chapoutier. Doch der laut „Feinschmecker“-Wertung „beste Winzer der Welt“ setzt alles daran, dass auch billiger Wein Klasse hat. Chapoutier, dessen Schwester in Saarbrücken lebt, war jetzt bei Sternekoch Klaus Erfort zu Gast. Bei ihm soll im November auch der Auftakt für Chapoutiers deutschen Internet-Weinclub stattfinden.

Spitzenwinzer Michel Chapoutier (links) und Sternekoch Klaus Erfort. Foto: Iris Maurer

Spitzenwinzer Michel Chapoutier (links) und Sternekoch Klaus Erfort. Foto: Iris Maurer

Foto: Iris Maurer

Peer Steinbrück würde staunen. "Ein guter Wein muss nicht mehr als fünf Euro kosten", sagt Michel Chapoutier. Er muss es wissen, gilt der Franzose doch aktuell als bester Winzer Frankreichs und wurde 2012 vom "Feinschmecker" gar als bester Winzer der Welt ausgezeichnet. "Teure Weine zu machen ist einfach, mit Geld ist alles möglich. Aber ich will das Beste auch für den billigen. Ich bin sogar stolzer auf Weine für fünf Euro statt auf einen, der pro Flasche 400 oder 500 Euro kostet." Die Gründe dafür liegen in seiner Biographie: Als er mit 26 Jahren 1990 von seinem Großvater Marc die Verantwortung für das 1808 gegründete Weingut erhielt, ging es dem Unternehmen schlecht. "Damals gab es noch keine guten, billigen Weine", erzählt er.

Inzwischen blüht das Gut in Tain-l'Hermitage an der Rhône, nicht zuletzt, weil Chapoutier früh neue Wege ging und auf den biodynamischen Landbau setzte: Pestizide gibt es in den Weinbergen des Familienunternehmens nicht, auch Kulturhefen finden keine Verwendung. Zu seinen bekanntesten Prestige-Crus zählen Le Pavillon, Le Méal und L'Eremite, die in den Hügeln des Hermitage reifen. Teilweise sind ihre Reben 100 Jahre alt und die Erträge entsprechend gering. Doch Chapoutier nimmt lieber niedrigere Erträge in Kauf, für einen Wein, der den Charakter der Landschaft spiegelt. "Es gibt diese Mode von der extremen Konzentration im Wein. Bald braucht man wohl Messer und Gabel, um den Wein trinken zu können." Als erster Winzer weltweit druckt er seit 1996 seine Etiketten auch in Braille-Schrift, so dass Blinde ertasten können, um welche Sorte es sich handelt.

Die vier Flaschen Champagner pro Tag, die er zu trinken vorgibt, merkt man ihm nicht an. Dafür umso mehr die Passion für seinen Beruf und den Schalk im Nacken. "Zu viele Winzer denken nicht daran, dass der Wein das Essen begleiten muss", bedauert Chapoutier, dessen Großmutter aus Saarbrücken stammt. Um seine Philosophie zu beschreiben, bedient sich der Franzose - Jahrgang 1964 - gerne bei Vergleichen aus dem Beziehungsleben. "Wein und Speisen sind wie eine Ehe. Am Anfang verstecken die Partner ihre wahren Charakterzüge. Irgendwann entdecken sie, was im anderen an guten wie schlechten Eigenschaften steckt. Dann gibt es Turbulenzen. Passen sie zusammen, entsteht daraus etwas Neues, Komplexes, sie beeinflussen sich und keiner der beiden ist mehr wie am Anfang."

Inzwischen lebt seine Schwester Barbara mit ihrer Familie wieder in Saarbrücken. "Da lag es nahe, den besten Winzer mit dem besten Koch, Klaus Erfort, zusammenzubringen", meint diese. Sternekoch und Kultwinzer teilen die gleiche Einstellung: "Man muss es einfach halten, denn man genießt mit dem Herzen und nicht mit dem Kopf. Der Feind vom Wein ist der Snobismus", findet der Franzose. Erfort pflichtet bei: "Das ist beim Essen genauso. Dabei will ich Spaß haben und nicht nachdenken müssen."

Noch in diesem Jahr will die Winzer-Dynastie einen Online-Weinclub in Deutschland starten. Für die Mitglieder soll es Schulungen und Weinproben geben. Der Auftakt soll - voraussichtlich im November - in Erforts Gästehaus stattfinden. Denn es gibt nur einen Grund für Michel Chapoutier, ein Glas Wein stehen zu lassen: "Um zu Klaus zu gehen und bei ihm zwei zu trinken."