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Weihnachten ohne Licht und Wärme?

Weihnachten ohne Licht und Wärme?

Völklingen. Weihnachten steht vor der Tür. Auf der Straße, in Gaststätten und in Geschäften sorgen Lichter für das richtige Ambiente. Genauso wie auch in vielen Wohnungen. Bei manchen Familien in Völklingen bleibt es an den Festtagen aber dunkel. Ihnen ist von den Stadtwerken der Strom gesperrt

Völklingen. Weihnachten steht vor der Tür. Auf der Straße, in Gaststätten und in Geschäften sorgen Lichter für das richtige Ambiente. Genauso wie auch in vielen Wohnungen. Bei manchen Familien in Völklingen bleibt es an den Festtagen aber dunkel. Ihnen ist von den Stadtwerken der Strom gesperrt.Ein Umstand, den Karl-Heinz Remark als Fraktionsvorsitzenden der IG Pro Völklingen in einem Schreiben an die SZ-Lokalredaktion in Völklingen Alarm schlagen lässt. 600 Haushalte in der Hüttenstadt seien betroffen, beruft er sich auf einen Informanten von den Stadtwerken, dessen Namen er nicht nennen möchte. Hinzu käme eine Dunkelziffer von 200 bis 300, denen eine Sperre droht. Betroffen seien vor allem Hartz-IV-Empfänger, Arbeitslosengeld-Bezieher, Alleinerziehende und Witwen - viele mit Nachwuchs. Remark pocht darauf, das Thema Stromsperren auf die Tagesordnung der nächsten Stadtratssitzung zu stellen und fordert Lösungsvorschläge. Er selbst plädiert dafür, die Stromabgabe wieder direkt von Sozialbehörde an den Stromlieferanten zu leiten, statt wie derzeit die Verfügungsgewalt dem Hartz-IV-Empfänger zu überlassen. "Wir wünschen uns, dass alle Kinder ein hell erleuchtetes Weihnachtsfest feiern dürfen", so Remark, seines Zeichens auch Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Völklingen.

Auf SZ-Nachfrage bei den Stadtwerken bestätigt Thomas Nowack, Abteilungsleiter der Kundenbetreuung, die Zahl, relativiert sie aber: Die angesprochenen 600 beziffert die im Jahr in der Hüttenstadt von den Stadtwerken gesperrte Energiezufuhr, darunter beispielsweise auch Gas und Wasser. Die Stromanschlüsse machten aber den Großteil aus - bei insgesamt rund 60 000 Zählern in Völklingen. Wie viele Haushalte hier aktuell ohne Strom sind, kann Nowack nicht sagen. Dazu gibt es keine Statistik. "Es ändert sich von Tag zu Tag."

Wann es zu einer Stromsperre kommt, ist vom Gesetzgeber festgelegt: Der Kunde muss eine Rechnung von mindestens 100 Euro offen stehen haben und seit vier Wochen angemahnt sein. Die Stadtwerke aber halten sich einen Handlungsspielraum offen, so Nowack: "Der große Vorteil eines regionalen Anbieters." Die Mitarbeiter entscheiden von Fall zu Fall, dürfen sich während der Begutachtung der Situation vor Ort auch über die Weisung von Thomas Nowack, den Anschluss zu sperren, hinwegsetzen. Aber es ist ein Vabanquespiel: Wartet man zu lange mit der Sperre, wachsen die Schulden des Kunden.

Außerdem haben die Stadtwerke seit dem zweiten Quartal 2012 so genannte Prepaid-Zähler eingesetzt, bei denen der Kunde im voraus seinen Strom zahlt. Sie können in Haushalten eingebaut werden, denen eine Stromsperre droht. So kann der Kunde sich beispielsweise selbst besser kontrollieren. "Sie haben aber zwei Nachteile", so Nowack. Zum einen sind sie im Einbau teuer, und zum anderen kosten sie auch im Betrieb mehr als herkömmliche. Kosten, die nach dem Verursacherprinzip wiederum den Kunden treffen. Für ihn würde so der Strom noch zusätzlich teurer.

Weihnachten spielt bei den Abwägungen der Stadtwerke übrigens keine Rolle, so Nowack. Wie es aber der Zufall will, gingen die neuen Rechnungen zum 15. Dezember raus. Die neue Fälligkeit ist damit für den 31. Dezember anberaumt. Also wird es bis dahin keine neuen Sperren geben.

Foto: privat

"Alle Kinder sollen ein hellerleuchtetes Weihnachtsfest feiern dürfen."

Gefährlich wird es dann, wenn man versucht, beides mit Feuer zu ersetzen. Fotos: dpa

Karl-Heinz Remark