1. Saarland

Wehe, wenn's quietscht

Wehe, wenn's quietscht

Ein ansprechendes Foto ist mir vor wenigen Tagen ins Auge gefallen. Darauf zu sehen waren fünf Kinder, die sichtlich konzentriert die Blockflöte spielten. In dem dazu gehörigen Bericht ging es um Strategien von Vereinen, die den Nachwuchs auf lange Sicht an sich binden möchten.

Schmunzelnd habe ich das Foto betrachtet und bin in Erinnerungen versunken.

Die Blockflöte gehörte in meiner Kindheit gewissermaßen zum guten Ton. Sie war nicht wegzudenken aus der musikalischen Erziehung im Grundschulalter. Und eine harte Prüfung für die Eltern, wenn zu Hause das Üben anstand. Wunderliche Töne kamen aus dem filigranen Instrument, schräg und schmerzhaft nicht nur für empfindliche Ohren. Natürlich hat auch damals niemand die Kinderzimmer schallisoliert, infolgedessen haben die Erziehungsberechtigten die Folter stumm ertragen. Man kann Sohn oder Tochter ja schlecht die selbst gemachte Musik verbieten.

Mir selbst blieb die Pein des jämmerlichen Piepens erspart, der Nachwuchs wurde mit Flötenunterricht nicht konfrontiert. Allerdings meine mittlerweile erwachsene Nichte. Die kam mal nach Hause und war sehr empört, weil der Musiklehrer ihr mit folgenden Worten drohte: ,,Wenn's quietscht, gibt's

ne Sechs." Das Kind war den ganzen Tag bedient. Hat aber fleißig weiter geübt. Die Mutter fügte sich in ihr Schicksal - in der Hoffnung, dass die fragwürdige häusliche Beschallung eines Tages ein gutes Ende nehmen möge. Und das Kind nicht zum Verbrecher wird - mit der Drohung: Geld her, oder ich spiele.

Na, soweit kam's dann auch wieder nicht.