1. Saarland

Wehe, wenn das Hochlager brennt

Wehe, wenn das Hochlager brennt

Eiweiler. Das mögen alle guten Mächte verhindern, dass im Hochregallager des Eiweiler Laminatfußbodenwerks ein größerer Brand ausbricht. Die Halle, die im wesentlichen aus 1500 Tonnen Stahl besteht, ist 36 Meter hoch, ebenso breit und hundert Meter lang. Hier lagern bis zu 30 000 Tonnen Holzprodukte

Eiweiler. Das mögen alle guten Mächte verhindern, dass im Hochregallager des Eiweiler Laminatfußbodenwerks ein größerer Brand ausbricht. Die Halle, die im wesentlichen aus 1500 Tonnen Stahl besteht, ist 36 Meter hoch, ebenso breit und hundert Meter lang. Hier lagern bis zu 30 000 Tonnen Holzprodukte. Selbst wenn den 20 Werkfeuerwehrleuten im Ernstfall sämtliche Wehren der Nachbargemeinden mit all ihren Leitern und Geräten zu Hilfe kämen, hätten sie extrem hart zu kämpfen.Zur Beruhigung versichern allerdings die Experten, dass das Lager über den bestmöglichen vorbeugenden Brandschutz verfügt, der sich denken lässt. 64 Brandmelder sind nach Auskunft von Hermann Jimenez, dem Leiter der Laminate-Park-Werksfeuerwehr, installiert, für den Fall der Fälle sind sage und schreibe 4500 Sprenklerköpfe eingebaut.

Bei der jährlichen Hauptübung am Samstagnachmittag wagte sich die 20-köpfige Werkswehr, unterstützt von den Freiwilligen Wehren aus Heusweiler, Riegelsberg und Püttlingen sowie dem DRK aus Eiweiler, dennoch an die schwierige "Schadenslage", eben einen Lagerbrand mit drei verletzten Vermissten.

Die Einsatzkräfte, die sich eine gute Stunde ins Zeug legten, wirkten an und auf der riesigen Halle fast wie Ameisen. Jimenez und auch Tony Bender, Vize-Brandinspekteur des Regionalverbandes, würdigten bei der Kritik vor allem, dass die Wasserversorgung und die Kommunikation stimmten, die Menschrettung funktionierte und die Ortskenntnisse vertieft wurden. Auch im - durchaus ernst zu nehmenden - Kapitel Show-Effekt gab es gute Noten, denn die Zuseher bekamen einen mutigen und beherzten Einsatz zu sehen. Die Beobachter hatten den Eindruck, dass die Handgriffe saßen und jeder wusste, was er zu tun hatte. Da der Wind arg blies, wurden die gut gelaunten Gäste hier und dort auch von abdriftendem Löschwasser geduscht und bekamen jede Menge Regenbögen zu sehen.

Kritisiert wurde von den professionellen Beobachtern lediglich die Kleinigkeit, dass der Hilfe-Rufer vom Dach nicht von einer geschulten Kraft mit Megaphon beruhigt worden war. "Sehr in Ordnung", lobte auch Edgar Schmitt die Übung. Er war Jahrzehnte lang Betriebsratschef des Werkes und selbst Mitglied der Werkswehr, konnte sich also ein Urteil erlauben. Besucher Schmitt erinnerte daran, dass früher auch das Telefunken-Werk in die Jahresübung eingebunden war und dass im Anschluss in der Großwaldhalle sogar die Musik für die Wehrleute und deren Partner gespielt habe.

Heutzutage ist alles zwei Nummern kleiner, wiewohl immer noch ein schönes Essen (Putenröllchen mit Nudeln und Gemüse) aufgetragen wird.

Übrigens haben im Regionalverband nach Auskunft von Tony Bender nur drei Firmen eigene Werkswehren: Neben dem Laminate-Park sind das St. Gobain in Brebach sowie Saarstahl in Völklingen und Burbach.

Für eine Überraschung sorgte zum Ausklang in der Halle Laminate-Park-Werkleiter Klaus Schug. Nach acht Jahren in Führungsverantwortung kündigte er seinen Abschied vom Unternehmen zum Jahresende an. Wie zu erfahren hat, hat kürzlich auch Geschäftsführer Emmanuel Pinto, kurz nachdem er die Öffentlichkeit mit guten Unternehmenszahlen verblüfft hatte, Eiweiler verlassen. In der Führungsetage des Werkes "brennt" es im übertragenen Wortsinn traditionell häufiger als in der Fabrikation.