1. Saarland

Weg mit festgefahrenen Mustern

Weg mit festgefahrenen Mustern

Gestern fanden zeitgleich der Girls' Day, Mädchen-Zukunftstag, und der Boys' Day, Jungen-Zukunftstag, statt. Auch im Landkreis Neunkirchen konnten Schülerinnen und Schüler einen Praktikumstag absolvieren.

"Ich kann mir gut vorstellen, für immer im Gesundheits- und Pflegebereich zu arbeiten. Der Kontakt zu Menschen gibt mir viel", erklärte Patrick Duttwiler (21) und strahlte. Er befindet sich zurzeit in der Ausbildung zum Krankenpfleger und ist damit ein perfektes Beispiel dafür, was der gestrige Boys' Day - das "frische" Pendant zum etablierten Girls' Day - bewirken will: Jungen für Berufe des Erziehungs- und Pflegebereichs gewinnen.

Genau das hatte sich auch die Marienhausklinik St. Josef, Kohlhof, gestern zum Ziel gesetzt. Sie gab eingeladenen Schulen die Chance, sich im Foyer über verschiedene Berufe des Gesundheits- und Pflegebereichs zu informieren. "Die Männerrolle muss überdacht werden", sagte Frank Kiehl, Mitorganisator. Fachkundige, wie Patrick Duttwiler, freuten sich darauf, Interessierten von ihrer Arbeit zu berichten.

Leider blieb das Foyer komplett leer, was Frank Kiehl sichtlich frustrierte. "Der Boys' Day scheint leider etwas stiefmütterlich behandelt zu werden." Trotz des Misserfolgs wollen die Organisatoren nächstes Jahr einen neuen Versuch starten; aus Fehlern könne man nur lernen: "Für 2014 wünsche ich mir mehr Unterstützung von Seiten der eingeladenen Schulen."

Zumindest in der Palliativstation der Marienhausklinik St. Josef tummelte sich ein Teilnehmer des Boys' Day. Matthias (13) aus Contwig, dessen Mutter bei der Marienhausklinik St. Josef arbeitet, brachte Patienten beispielsweise das Frühstück und überprüfte den Blutdruck."Ich finde den Boys' Day toll. Ich war schon letztes Jahr hier." Vielleicht schaut der "Wiederholungstäter" nächstes Jahr wieder vorbei - das wäre Kompliment genug.

Auch Schüler der Anton-Hansen-Schule in Ottweiler wagten gestern einen Blick in Berufe, die normalerweise vom jeweils anderen Geschlecht dominiert werden. "Es ist wichtig, den Jugendlichen Möglichkeiten aufzeigen, an die sie - auf Grund festgefahrener Muster - nicht denken", erklärte Heike Neurohr-Kleer, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Neunkirchen. Sie und Ursula Jakoby, Jugendpflegerin der Stadt Ottweiler, diskutierten mit Schülern über Vorurteile und entließen diese in den Praktikumstag, um eigenen Erfahrungen zu sammeln. "Die Schüler zeigten alle großes Interesse", sagte Jakoby.

Zum Thema:

Auf einen BlickDer Girls' Day, der Mädchen-Zukunftstag für Schülerinnen der Klassen 5 bis 10, findet bereits seit 2001 bundesweit statt. Erst 2011 folgte als Pendant der bundesweite Boys' Day, der Jungen-Zukunftstag. Am Girls' Day bzw. Boys' Day erhalten Schüler einen Einblick in Berufe, die vom jeweils anderen Geschlecht dominiert werden. Mädchen erproben sich während des Praktikumstags beispielsweise in technische Berufen; Jungen können sich umfassend über Berufe im Erziehungs- und Pflegebereich informieren. rol