Weber lässt Löw stramm stehen

Weber lässt Löw stramm stehen

Tünsdorf/Stuttgart. Es war nicht nur der "echte Leckerbissen", der 70 Tünsdorfer Fußballfans gestern Abend in die Mercedes-Benz-Arena trieb. Mit Jogis Jungs und dem Rekordweltmeister Brasilien lief ein Tünsdorfer in das Station von Stuttgart ein: Stefan Weber

Tünsdorf/Stuttgart. Es war nicht nur der "echte Leckerbissen", der 70 Tünsdorfer Fußballfans gestern Abend in die Mercedes-Benz-Arena trieb. Mit Jogis Jungs und dem Rekordweltmeister Brasilien lief ein Tünsdorfer in das Station von Stuttgart ein: Stefan Weber. Auf sein Signal hin nahmen die Fußballer Haltung an, erhoben sich alle Zuschauer von den Rängen - die Nationalhymnen beider Länder erklangen. Zum Spiel auserkoren hatte der Deutsche Fußballbund das Bundespolizeiorchester München - mit seinem Dirigenten Stefan Weber aus dem Mettlacher Ortsteil.Die dritte Strophe des Deutschlandliedes von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben war schnell verklungen. Die der Gegner musste zeitlich gestutzt werden, erzählt der Musiker, der seit über zehn Jahren beim Bundespolizeiorchester München den Takt vorgibt. "Die Hymnen vieler südamerikanischer Staaten sind regelrechte Ouvertüren", verriet er wenige Stunden vor dem Länderspiel. Drei, vier Tage brauchte dies nach seiner Darstellung schon, bis Passagen gestrichen waren und das Arrangement seinem Ensemble auf den Leib geschnitten war - nach Vorgaben, der FIFA, wie er sagte. "Jetzt ist die Nationalhymne in etwa so lang wie die deutsche - ein bis eineinhalb Minuten. Genau so, wie es der Weltfußballverband wünscht."

Trotz aller Professionalität des Ensembles, trotz wiederholten Auftritten bei Länderspielen: Nichts blieb dem Zufall überlassen. So wurde der Einmarsch gleich zweimal einstudiert: Nach einem ersten Durchgang gegen 17.15 Uhr folgte die Generalprobe um 18 Uhr. Als kurz vor dem Anpfiff alle Augen auf das Orchester gerichtet waren, konnte sich Stefan Weber der Unterstützung aus der Heimat sicher sein, darunter Ehefrau Jutta. Natürlich bleibe wenig Zeit für das Familienleben, gesteht der Mann, der von 1987 bis 1992 ein Studium an der Musikhochschule in Saarbrücken im Hauptfach Trompete und Nebenfach Klavier absolviert hatte. Nach dem Abschluss hängte er ein Dirigentenstudium dran - in Luxemburg und den Niederlanden. "2001 habe ich mich auf die freie Stelle als Dirigent beworben - mit Erfolg."

Seither ist er Pendler - zwischen dem Saarland, Bayern und den vielen Orten überall in Deutschland, wo er mit seinen Musikern Erfolge feiert. "Wir sind Sympathieträger für die Bundespolizei", charakterisiert er die Aufgabe. "Man kann uns buchen. Aber meist spielen wir Benefizkonzerte. Von Steuergeldern bezahlt, helfen wir notleidenden Menschen." Gut 100 Termine stehen in seinem Kalender, überschlägt der Vorsitzende des Tünsdorfer Sportvereins. "Da leidet auch manches Mal der Verein drunter", bedauert er. Derweil dürften die Sportler mächtig stolz auf ihn sein. Wer kann von sich schon behaupten einen "Chef" zu haben, der Joachim Löw und die gesamte Nationalmannschaft "stramm stehen" lässt?