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"Was Hummels spielt, ist Weltklasse"

"Was Hummels spielt, ist Weltklasse"

Lindscheid. Drei Spiele, drei Siege. Die makellose Bilanz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft hat Jörg Alt, Trainer des VfB Theley, so nicht erwartet. "In der starken Gruppe mit den Niederlanden und Portugal habe ich nicht gedacht, dass Deutschland mit neun Punkten durchgeht", sagt er nach dem 2:1 (1:1) gegen Dänemark im letzten Gruppenspiel

Lindscheid. Drei Spiele, drei Siege. Die makellose Bilanz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft hat Jörg Alt, Trainer des VfB Theley, so nicht erwartet. "In der starken Gruppe mit den Niederlanden und Portugal habe ich nicht gedacht, dass Deutschland mit neun Punkten durchgeht", sagt er nach dem 2:1 (1:1) gegen Dänemark im letzten Gruppenspiel. Der Sieg am Sonntagabend ist für ihn ein Spiegelbild der Gruppenphase. "Was bislang immer gepasst hat, war das Ergebnis. Überzeugend war es nicht", sagt der 57-Jährige.Bei den gezeigten Leistungen hat es Alt an der Souveränität gefehlt. "Ich bin deshalb gespannt, wie die Mannschaft reagiert, wenn sie einmal in Rückstand und unter Druck gerät. Derzeit ruft sie 80 Prozent ihres Leistungspotenzials ab", erklärt der Theleyer Trainer. Ihm missfällt der zu stark auf das Ergebnis ausgerichtete Systemfußball, mit dem die deutsche Elf agiert. "Mir ist das einen Tick zu viel Rasenschach", kritisiert der Verfechter des Offensivfußballs.

Alt hebt bei seiner Einzelkritik einen Spieler besonders heraus: "Was Mats Hummels als Innenverteidiger spielt, ist Weltklasse." Der Dortmunder Abwehrspieler spiele in jeder Situation mit dem Kopf, er antizipiere dabei überragend und begehe deswegen so gut wie nie im Zweikampf ein Foulspiel. "Komplett sattelfest war die Hintermannschaft aber noch in keinem Spiel", findet Alt.

Den Auftritten von Torwart Manuel Neuer, Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger und Stürmer Mario Gomez attestiert Alt internationales Format. "Die anderen Spieler sind bis jetzt so mitgelaufen", hat er beobachtet.

Götze oder Reus statt Schürrle

Wenig angetan ist Alt von den Leistungen von Abwehrspieler Jerome Boateng und der Offensivakteure Thomas Müller, Lukas Podolski und auch Mesut Özil. "Sie haben nicht die nötige Form", meint Alt. In der Kreativabteilung hängt für ihn zu viel von Schweinsteiger ab, beim Angriffsspiel vermisst er noch die überraschenden Momente, oder ein beherztes Dribbling in den Strafraum. Die für diese Aktionen prädestinierten Kicker, Mario Götze und Marco Reus, säßen leider nur auf der Ersatzbank. "Ich hoffe nicht, dass beide nur zu EM-Touristen werden", sagt Alt. Er hätte gegen Dänemark entweder Götze oder Reus, aber nicht Andre Schürrle für Podolski gebracht.

Zufrieden ist der 57-Jährige, nicht nur wegen des Siegtores, mit der Leistung des Leverkuseners Lars Bender als Rechtsverteidiger. "Gegenüber Boateng ist er der bessere Fußballer. Ihn würde ich weiter spielen lassen", erläutert Alt. Bender beteilige sich viel stärker als Boateng, der sich nur auf seinen Defensivpart beschränke, an der Spieleröffnung.

 SZ-Mitarbeiter Frank Faber (links) schaute mit Theleys Trainer Jörg Alt das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Dänemark. Foto: frf
SZ-Mitarbeiter Frank Faber (links) schaute mit Theleys Trainer Jörg Alt das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Dänemark. Foto: frf

Der 2:1-Sieg gegen Dänemark geht für Alt in Ordnung: "In der zweiten Halbzeit waren die Dänen zu defensiv. Der Schuss ging nach hinten los." Eine ähnliche Partie erwartet er im Viertelfinale an diesem Freitag um 20.45 Uhr gegen Griechenland. "Da ist Deutschland der klare Favorit", sagt er. Griechenland werde wohl sehr tief stehen. Aus dem Grund würde der Theleyer Trainer die Startformation ändern und mit zwei Angreifer spielen lassen. Entweder Reus oder Götze bringen, dafür Podolski, der am Sonntag gegen Dänemark das 1:0 erzielte, oder Müller auf die Ersatzbank setzen.