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Was bedeutet es für Kinder, wenn die Eltern psychisch krank sind?

Was bedeutet es für Kinder, wenn die Eltern psychisch krank sind?

St. Wendel. Wenn die Psyche krank ist, leidet meist nicht nur der Betroffene selbst unter der Krankheit, sondern das gesamte Umfeld. Vor allem Kinder begreifen oft nicht, warum sich Mutter oder Vater plötzlich ihnen gegenüber anders verhalten. Aus diesem Grund wurde 2009 der "Arbeitskreis Kinder psychisch kranker Eltern" im Landkreis St. Wendel gegründet

St. Wendel. Wenn die Psyche krank ist, leidet meist nicht nur der Betroffene selbst unter der Krankheit, sondern das gesamte Umfeld. Vor allem Kinder begreifen oft nicht, warum sich Mutter oder Vater plötzlich ihnen gegenüber anders verhalten. Aus diesem Grund wurde 2009 der "Arbeitskreis Kinder psychisch kranker Eltern" im Landkreis St. Wendel gegründet."Wir wollten Betroffenen eine Anlaufstelle bieten und aufzeigen, welche Hilfsmöglichkeiten es gibt", erklärt Diplom-Sozialpädagoge Swen Sesterhenn. Er ist Leiter des allgemeinen sozialen Dienstes im Jugendamt des Landkreises und seit einem halben Jahr Mitglied im Arbeitskreis. "Es gibt keine Führung in diesem Arbeitskreis, sondern gleichberechtigte Partner." Diese Partner sind: der Landkreis St. Wendel, der Caritasverband Schaumberg-Blies, die Stiftung Hospital St. Wendel, die Lebensberatung des Bistums Trier, die SHG Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Landesverband Saarland der Angehörigen psychisch Kranker und seit 2010 auch die Klinik für Psychiatrie im Marienkrankenhaus St. Wendel.

Welche Auswirkungen haben psychische Erkrankungen der Eltern auf die Kinder? Wie erleben Kinder die Krankheit? Wie kann man ihnen kindgerecht erklären, was mit Mama und Papa los ist? Diese Fragen beschäftigen den Arbeitskreis. "Alle zwei bis drei Monate kommen alle Mitglieder zusammen, um sich auszutauschen", erklärt Sesterhenn. Bei den Treffen werden auch Fortschritte in den einzelnen Projekten vorgestellt. Eine zentrale Sprechstunde des Arbeitskreises gibt es nicht. Stattdessen ist jedes Mitglied mögliche Anlaufstelle für Betroffene. Damit Hilfesuchende den richtigen Ansprechpartner für sich finden, ist gerade ein Flyer gedruckt worden. Hier hat der "Arbeitskreis Kinder psychisch kranker Eltern" alle wichtigen Kontakte im Landkreis St. Wendel zusammengetragen. "Dieser Flyer wird jetzt großflächig verteilt", sagt Sesterhenn. Denn es gelte auch bei psychischen Erkrankungen: Je eher der Betroffene Hilfe sucht, desto besser.

Neben dem Anliegen, ein Netzwerk für Betroffene aufzubauen, möchte der Arbeitskreis auch das Thema "Psychische Erkrankung" transparent machen. Denn noch immer gebe es viele Vorurteile. Erstmals findet im Landkreis St. Wendel deshalb am Mittwoch, 6. März, eine Fachveranstaltung statt. Gastredner ist Prof. Dr. Albert Lenz, Professor für Klinische Psychologie und Sozialpsychologie an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen. Er wird über die Folgen der elterlichen Erkrankung für die Kinder referieren. Außerdem geht er auf gezielte Hilfeleistungen ein. evy