1. Saarland

"Warum tue ich mir das bloß an?"

"Warum tue ich mir das bloß an?"

St. Wendel. Langsam kommen die ersten Zweifel. Durchtrainiert und drahtig biken die Heroen des europäischen Mountainbike-Sports über die Tartanbahn des St. Wendeler Leichtathletik-Stadions. Und mittendrin ich mit meinem 21-Gang-Tourer - mittlerweile 15 Jahre alt und für schwieriges Gelände eigentlich absolut ungeeigne

Stil-Vergleich: SZ-Reporter Torsten Grim jagte als aufrechter SZ-Tester der europäischen Spitze tapfer hinterher und meisterte den gefürchteten Kniebrecher. Fotos: atb

St. Wendel. Langsam kommen die ersten Zweifel. Durchtrainiert und drahtig biken die Heroen des europäischen Mountainbike-Sports über die Tartanbahn des St. Wendeler Leichtathletik-Stadions. Und mittendrin ich mit meinem 21-Gang-Tourer - mittlerweile 15 Jahre alt und für schwieriges Gelände eigentlich absolut ungeeigne. Egal, ich soll für die Leser der Saarbrücker Zeitung die Strecke für die Mountainbike-Europameisterschaft testen. Und jetzt ist einer der letzten Trainingsläufe für die Biker. Auf geht's also.Frech trete ich in die Pedale und schließe mich einer kleinen Gruppe von Fahrern an. Das allerdings scheint die Jungs zu irritieren, sie bremsen. Ein höfliches Lächeln deutet an: Fahr Du mal lieber alleine. Also gut. Ich drehe die Runde zu Ende und schon geht es aus dem Stadion raus und über die erste kleine Gelände-Passage an den "Kniebrecher". Der Name des Anstieges ist Programm. Und aus den ersten anfänglichen Zweifeln wird eine Frage: "Warum habe ich mich bloß auf diese Schnapsidee der Redaktion eingelassen? Warum tue ich mir das bloß an?" Mit heftig pochendem Herzen schnaufe ich die steile Asphalt-Strecke hinauf. Während mir der Schweiß von der Nase tropft und Oberschenkel-Muskulatur und Lunge um die Wette brennen, rauscht die Trainingsgruppe von eben vorbei wie ein D-Zug. Das weiße Kreuz auf der Rückseite des roten Trikots kennzeichnet die immer noch munter plaudernden Kletterer als Schweizer. Der erste Anstieg ist geschafft, und es folgt ein flaches und leicht abschüssiges Teilstück. Eine Wohltat für die brennenden Oberschenkel. Die Eidgenossen sind nicht mehr zu sehen, ich lege das große Blatt auf. Nach ein paar hundert Metern geht es links ab in schwieriges Terrain, bald wartet die erste Wald-Abfahrt. Bevor ich mich zwischen den Bäumen hindurch den Berg hinabstürze, lasse ich eine große Gruppe mit Fahrern verschiedener Nationen durch. Erstens, um ihnen Platz zu machen, zweitens, um zu sehen, wo die Ideallinie liegt. Dann fahre ich hinterher. Immerhin: Ich komme heil unten an. Im weiteren Verlauf muss ich immer wieder rechts oder links ran, denn die Profis rasen über die Strecke, als gäbe es kein Morgen. Die müssen völlig schmerzfrei sein. Ich bin es nicht. Ebenso wenig wie Ludwin Kiefer aus Urexweiler. Der Hobby-Sportler, der im Jahr durchschnittlich 4000 Kilometer strampelt, testet auch die Strecke. Gemeinsam fahren wir weiter. Wo es zu gefährlich wird, lassen wir kurze Teilstücke aus, so etwa die letzte Wald-Abfahrt. Nach etwas mehr als sechs Kilometern bergauf und bergab kommen wir schließlich in offenes Gelände. Es folgt eine lange Schussfahrt über ein Feld, das vor Trockenheit nur so staubt. Dann geht es wieder ins Sportzentrum. Nach 7,34 Kilometern sind wir im Ziel und haben dabei 274 Höhenmeter überwunden. Das Fazit von Kiefer: "Eine sehr abwechslungsreiche und interessante Strecke, für Amateurfahrer aber phasenweise zu anspruchsvoll." Den Fahrkünsten der Rad-Asse zollt der 49-jährige Urexweiler Respekt: "An manchen Stellen, wo die Profis noch in richtig hohem Tempo durchgefahren sind, habe ich mich nicht mehr getraut und bin lieber abgestiegen." Vielleicht fährt er die Strecke nach der Europameisterschaft noch mal in Ruhe ab. Ich werde mir das aber zwei Mal überlegen. "Eine sehr abwechslungsreiche und interessante Strecke, für Amateurfahrer aber phasenweise zu anspruchsvoll." Ludwin Kiefer, Hobby-Fahreraus Urexweiler