1. Saarland

Warum der Dirigent fürs Orchester „sauwichtig“ ist

Warum der Dirigent fürs Orchester „sauwichtig“ ist

Mit einer Mischung aus klassischer Musik und Kabarett begeisterte Detlef Schönauer die Besucher der Neunkircher Gebläsehalle. Kongenialer Partner war dabei das Orchestre Symphonique SaarLorraine.

Gegensätzlicher hätten die Protagonisten nicht sein können, die sich am Mittwochabend in der Gebläsehalle in Neunkirchen trafen: Detlev Schönauer alias Jacques aus dem gleichnamigen Bistro und das Orchester Symphonique SaarLorraine unter der Leitung von Götz Hartmann. Aber wer Jacques kennt, ist nicht "übergerascht" vom Motto des Abends: "Allegretto Kabaretto", was heißen soll, dass Jacques an diesem Abend all jenen die klassische Musik näher bringen wollte, die nur "MP3-Player spielen" können und von Musik eigentlich keine Ahnung haben.

So erklärte er nach der Ouvertüre zur Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" von Otto Nicolai die einzelnen Instrumente des Orchesters und die "sauwichtige" Funktion des Dirigenten. Zur Demonstration übte er mit dem Publikum "Blau, blau, blau blüht die Enzian" von die Heino, dann nochmal "die Enzian" mit den Musikern, "zuerst mit die Streicher, dass die nit anfange zu schwätze und zu störe, dann mit die Bläser". Zu Mozarts Haffner-Sinfonie musste er dann allerdings "die dumme Geschwätz" einstellen, entledigte sich seiner Kappe und seines Mikrofons und reihte sich mit einer Klarinette ins Orchester ein.

Nach der Pause ging es um das große Thema Oper am Beispiel von Bizets "Carmen", hier aber in der abgespeckten, saarländischen Version "Es Carmen". Auf seine ureigene Art und Weise brachte Schönauer seinen Zuhörern die Geschichte "vom Carmen" näher mit Sätzen wie: "Sevilla, vor ewig und drei Tage, 12 Uhr, Siesta. Absolument nix los" oder "Eine Oper muss nicht logischer sein als ein saarländischer Tatort", wenn ihm Carmens Geschichte selbst nicht ganz schlüssig erschien.

Bei vielen Gästen kam diese Mischung aus klassischer Musik und Kabarett sehr gut an. Ohne Zugabe konnten die Musiker die Bühne nicht verlassen. Den Fans von Jacques' Bistro war es wohl zu viel Musik und zu wenig Kabarett, wie man verschiedenen Kommentaren am Ende des Konzertes entnehmen konnte.

Aber die Idee, zwei so unterschiedliche Genres auf die Bühne zu bringen, muss zwangsläufig auch unterschiedliche Meinungen hervorrufen.