1. Saarland

War er nur ein Attentäter oder ein Held?

War er nur ein Attentäter oder ein Held?

Georg Elser, ein Widerstandskämpfer mit Zivilcourage: Der gescheiterte Hitler-Attentäter vom Bürgerbräukeller wird zunehmend gewürdigt. Georg Elser war ein mutiger Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, aber ihm blieb lange die öffentliche Anerkennung versagt. Am 8. November 1939 verübte er ein Bombenattentat auf Hitler, ohne das Ziel des Tyrannenmords zu erreichen

Georg Elser, ein Widerstandskämpfer mit Zivilcourage: Der gescheiterte Hitler-Attentäter vom Bürgerbräukeller wird zunehmend gewürdigt. Georg Elser war ein mutiger Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, aber ihm blieb lange die öffentliche Anerkennung versagt. Am 8. November 1939 verübte er ein Bombenattentat auf Hitler, ohne das Ziel des Tyrannenmords zu erreichen.Stattdessen lagen acht Tote und über 60 Verletzte unter den Trümmern. In unserer Schule diskutierten wir mit unserem Lehrer Eberhard Jung darüber, ob so ein Mann als Held angesehen werden kann.

Unterschiedliche Meinungen waren vertreten. Georg Elser wurde am 4. Januar 1903 in Hermaringen/Württemberg geboren. 1919 begann er eine Lehre als Schreiner und arbeitete anschließend in verschiedenen Schreinereien als Möbeltischler, war zeitweise auch in einer Konstanzer Uhrenfabrik angestellt. Hier erwarb er Kenntnisse, mit denen er den Zeitzünder seiner Bombe bauen konnte. In den Jahren 1928 bis 1929 war er Mitglied im Roten Frontkämpferbund, der Kampforganisation der KPD. Von Anfang an stand Elser der nationalsozialistischen Politik äußerst kritisch gegenüber. Zunächst galt seine Empörung den verschlechterten Lebensbedingungen der Arbeiter, später waren es die massiven Aufrüstungsmaßnahmen des NS-Regimes. Seine Abneigung ging so weit, dass er sich ganz allein gegen Adolf Hitler stellte und seinen Widerstand mit Gewalt bis hin zur Tötung zum Ausdruck bringen wollte. Er plante seit Herbst 1938 ein Attentat, um einen Krieg zu verhindern und die Welt vor dem tyrannischen Herrscher zu retten. Im August 1939 begann er mit den detaillierten Vorbereitungen für seinen Mordanschlag. 30 Nächte lang präparierte er eine Säule im Münchner Bürgerbräukeller, um darin eine Bombe mit Zeitzünder zu installieren. Der Bürgerbräukeller war ein geeigneter Ort, da Hitler abends vor jedem Jahrestag seines gescheiteren Putschversuchs vom 9. November 1923 hier eine Rede hielt. Doch trotz exakter Planung scheiterte das Attentat, denn der Diktator verließ den Keller früher als ursprünglich vorgesehen. Kurz vor Mitternacht wurde Elser an der Schweizer Grenze auf deutscher Seite festgenommen, seine Grenzkarte war abgelaufen und man entdeckte Teile eines Zeitzünders in seiner Tasche. Er wurde von der Gestapo in München verhört und gestand die Tat. Am 9. April 1945 hat man ihn nach qualvollem Aufenthalt in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau auf Befehl Hitlers durch einen Genickschuss ermordet.

Elser geriet in der Folgezeit immer mehr in Vergessenheit. Es gab Gerüchte über ihn und sein Attentat, er wurde als Hochverräter diffamiert und man unterstellte ihm, er habe Auftraggeber gehabt. Kaum einer traute ihm zu, dass er als couragierter Einzelkämpfer agierte, doch nach der Entdeckung der Verhörprotokolle der Gestapo wird inzwischen nicht mehr daran gezweifelt. Georg Elser gilt immer noch als ein umstrittener Held, der aber zunehmend gewürdigt wird. Wäre sein Attentat auf Hitler erfolgreich gewesen, wäre Millionen Menschen großes Leid erspart geblieben.

In der Arbeitsgemeinschaft Geschichte des Saarpfalz-Gymnasiums steht Georg Elser als kühner Einzelkämpfer gegen die barbarische Tyrannei hoch im Kurs. In unserer Broschüre "Geschichte auf Briefmarken" aus dem Jahr 2001 beklagten wir, dass es bis zu dieser Zeit immer noch keine deutsche Briefmarke zu seiner Würdigung gab. Zu seinem 100. Geburtstag im Jahr 2003 holte die Deutsche Post dieses Versäumnis nach. Am 8. November 2011, zum 72. Jahrestag des gescheiterten Anschlags im Bürgerbräukeller, wurde Georg Elser mit einer 17 Meter hohen Stahlskulptur in der Wilhelmstraße in Berlin-Mitte geehrt. Bereits 1996 verfasste Hans Leyser, ehemaliger Deutsch- und Musiklehrer am Saarpfalz-Gymnasium, ein Theaterstück mit dem Titel "Mann Gottes Elser". Am 2. Februar 2012 findet in der renommierten Berliner Volksbühne eine Lesung dieses Dramas statt, die der Schauspieler Hans Walter Klein gestaltet. Ziel der Herausgeber des Textes, Karin und Peter Spiegel aus Wolfersheim, ist die Aufführung des Stückes in absehbarer Zeit. Wir drücken die Daumen, dass es gelingen wird.

Philipp Jung (10d) aus der Arbeitsgemeinschaft Geschichte des Saarpfalz-Gymnasiums

Foto: Archiv