1. Saarland

Wald-Rodung erregt die Gemüter

Wald-Rodung erregt die Gemüter

Aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht müssten die Bäume auf dem Waldgrundstück gefällt werden, so die Begründung der Kirchengemeinde. Anschließend soll das Grundstück als Bauland verkauft werden. Die Grünen im Stadtrat Merzig kritisieren die Pläne massiv.

Am kommenden Montag rücken Holzfäller an. Ihre Aufgabe: Auf dem Terrain an der Straße Zum Sonnenwald Bäume roden. Die Verantwortlichen der Kirchengemeinde Besseringen, der das Grundstück in dem Bebauungsgebiet Kreimertsberg gehört, haben diese Arbeit in Auftrag gegeben. Als Eigentümer berufen sie sich auf ihre Pflicht zur Verkehrssicherung. Die Bäume seien nicht mehr standsicher und könnten zur Gefahr werden. Dazu ziehen sie das Gutachten eines Experten heran, der die Bäume untersucht hatte. In einem weiteren Schritt wollen sie auf diesem Gelände sechs Baugrundstücke schaffen und das Areal dann an die Stadt verkaufen. Dafür hatte der Merziger Stadtrat in seiner Sitzung Ende August grünes Licht gegeben. Dass der Wald den Baugrundstücken weichen soll, wie Grünen-Ratsmitglied Michael Rauch sagt, treibt seine Partei um.

Ob die Bäume, die gefällt werden soll, alt und morsch oder historisch und wertvoll sind, ist eine Frage, an der sich die Geister scheiden. Die Grünen jedenfalls sagen zu der Rodung kategorisch Nein und starteten eine Ortsbesichtigung. Der Mischwald aus Buchen und Eichen darf nach Ansicht von Grünen-Fraktionssprecher Klaus Borger nicht platt gemacht werden. "Eigentümerin der Fläche ist die katholische Kirche, die dadurch den geringeren wirtschaftlichen Wert des Waldes (Holzwert) durch den Verkauf von Bauplätzen erheblich steigern kann", begründeten sie ihre Ablehnung in der Einladung zu dem Treffen. Nach Darstellung von Grünen-Geschäftsführer Rauch haben die Besseringer teils mit großem Unverständnis auf die Pläne reagiert. Viele Anwohner nutzen nach Darstellung von Rauch den Wald um das alte Forsthaus als einen Rückzugsort, der zur Naherholung dient. Solche Orte würde es immer weniger in dem Merziger Stadtteil geben. "Diese Aussagen sind durchaus nachvollziehbar. Schließlich sind viele Besseringer durch die Ortsumgehung in Sachen Naherholung arg beeinträchtigt." Durch den bevorstehenden Kiesabbau in den Saarauen würden die Besseringer weiter in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt.

Auch Vertreter der katholischen Pfarrgemeinde haben sich nach Rauchs Mitteilung zu Wort gemeldet. Sie hätten deutlich gemacht, dass es für sie unabdingbar sei, die Baugrundstücke zu verkaufen. Damit hätten sie die finanziellen Mittel, um ihre beiden Kirchen in Besseringen und Sankt Gangolf zu unterhalten. Ein Recht dazu hätten sie allemal, weil sie dieses Waldgrundstück schon in den 60er Jahren von der Stadt Merzig erhalten haben - als Baugrundstück, wie der Grünen-Geschäftsführer mitteilte. Damals sei geplant gewesen, eine Kirche und einen Kindergarten auf dem Gelände zu errichten. Dafür gäbe es in der heutigen Zeit aber keinen Bedarf mehr. "So entstand die Idee, das Waldstück in Baugrundstücke umzuwandeln und den Erlös aus dem Verkauf für die Pfarrgemeinde zu nutzen", zitiert er die Argumente der Verantwortlichen der Kirchengemeinde. Rauch nennt dies einen merkwürdigen Denkansatz. "Die Diskussion über den Reichtum der Kirchen zeigt, dass es vermutlich nicht notwendig wäre, ein wertvolles Waldstück zu opfern, um mit dem Verkaufserlös die beiden Kirchen zu unterhalten. Vermutlich war das Badezimmer des Limburger Bischofs teurer als das, was die Besseringer Pfarrgemeinde als Ergebnis erzielen wird", mutmaßt er. Die Kirchengemeinde hatte auf SZ-Anfrage vor Tagen eine Stellungnahme in Aussicht gestellt, die bis Redaktionsschluss allerdings nicht vorlag.

Besseringens Ortsvorsteher Nikolaus Lorenz vermag die Aufregung um die Rodung der Bäume nicht zu verstehen. "Wir haben uns in einer Ortsratssitzung mit dem Gutachten befasst und einstimmig dafür grünes Licht gegeben, damit Verkehrssicherheit gewährleistet werden kann." Die Änderung des Bebauungsplanes steht nach Ansicht des Ortsvorstehers auf einem anderen Blatt "Geplant waren bislang der Bau einer Kirche und eines Kindergartens. Damit die sechs Baugrundstücke für Häuser ausgewiesen werden können, musste der Bebauungsplan geändert werden." Auf Nachfrage im Rathaus hieß es: "Bislang hat die Pfarrgemeinde Besseringen das Grundstück auf dem Kreimertsberg der Kreisstadt Merzig nicht zum Verkauf angeboten." Die Ansicht der Grünen, den Mischwald mit den 100 bis 200 Jahre alten Buchen und Eichen zu erhalten, teilt Roman Riegler-Nilles, der in der Straße Zum Sonnenwald wohnt. "Die Verkehrssicherheitsmaßnahme ist durch ein Gutachten eines amtlichen vereidigten Gutachters hinterlegt, der die zur Fällung vorgesehener Bäume als potentiell gefährlich eingestuft hat", schreibt Riegler-Nilles in einem Brief an den Merziger Stadtrat. Dies deutet seiner Meinung nach "auf Handlungsbedarf hin, impliziert aber noch nicht, dass die 65 Bäume gefällt werden müssen". Seine Kritik: Eine Pflege des Waldes sei bis auf eine Durchforstung in 2006/2007 weitgehend ausgeblieben, etwa ein Rückschnitt abbruchgefährdeter Äste.

Baugelände am Hang

Dies hätte zum gleichen Resultat im Hinblick auf Verkehrssicherung geführt, da es sich seiner Ansicht nach um "gesunden und standsicheren Laubbaumbestand aus Eichen und Buchen handelt." Die Fällarbeiten, bereits im Frühjahr geplant, waren nach Darstellung des Besseringers auf seinen Einspruch beim Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz gestoppt worden. Als Grund nennt er die Brutzeit der Vögel. Nach Ansicht von Riegler-Nilles ist die Kirchengemeinde nicht interessiert, die Restwaldfläche zu bewirtschaften. Sie wolle die sechs Bauplätze verkaufen - in einem schwierigen Baugelände, wie er schreibt. Als Grund nennt er die stark ansteigende Hanglage, bei der viel Masse bewegt werden müsse und Sicherungsmaßnahmen erforderlich seinen. Zudem liege dieses Gebiet im Bereich eines Wasserschutzgebietes. Ein weiteres Argument für seine Ablehnung: die demografische Entwicklung, die mittelfristig zu vielen Leerständen führen wird. Es gebe bereits jetzt genügend Häuser, die zum Verkauf angeboten und für die sich keine Interessenten finden würden, zum Beispiel in der Bezirksstraße.