1. Saarland

Wahlkampf überall

Wahlkampf überall

Ich werde verfolgt. Überall sehe ich die gleichen Gesichter, die mir mit ernsten Minen entgegenstarren. Ich sehe sie am Supermarkt, bei der Fahrt zur Arbeit, auf dem Weg zum Bäcker, sogar beim Joggen am Wendelinuspark verfolgen sie mich. Ich kenne auch ihre Namen. Annegret, Heiko und Oskar. Simone und Oliver. Dazu ein namenloser kleiner Junge, der mich Furcht einflößend böse ansieht

Ich werde verfolgt. Überall sehe ich die gleichen Gesichter, die mir mit ernsten Minen entgegenstarren. Ich sehe sie am Supermarkt, bei der Fahrt zur Arbeit, auf dem Weg zum Bäcker, sogar beim Joggen am Wendelinuspark verfolgen sie mich. Ich kenne auch ihre Namen. Annegret, Heiko und Oskar. Simone und Oliver. Dazu ein namenloser kleiner Junge, der mich Furcht einflößend böse ansieht.Kaum zuhause, schalte ich den Fernseher an. Doch auch da kann ich ihnen nicht entkommen. Entspannt sitzen sie in großer Runde im kleinen Kasten und diskutieren miteinander. Am nächsten Morgen beim Frühstück schalte ich das Radio ein, doch statt Musik quasselt Heiko ins Mikrofon, auf einem anderen Sender ist es Annegret. Auch aus der Zeitung blicken sie mir entgegen. Dann muss ich wieder nach draußen, wo ihr Bildnis an Laternenmasten, Zäunen und Plakatwänden prangt, mich von meinem Zuhause bis zu meinem Arbeitsplatz verfolgt. Wo ihre Stimmen die Sender meines Autoradios bevölkern, wo ihre Helfer in den Innenstädten und Ortsmitten stehen.

Sie wollen nur das Beste, für mich, meine Zukunft, das (Saar)Land. Sie sagen, sie haben Mut und die beste Lösung für alle Probleme. Sie sagen, sie wissen, wie das geht, sie können das. Doch dafür wollen sie auch etwas von mir. Sie wollen meine Stimme.

Noch eine Woche, sage ich mir. Noch eine Woche muss ich mich tapfer der Verfolgung aussetzen, dann ist alles vorbei. Dann hat einer von ihnen meine Stimme bekommen, und der Spuk ist genauso schnell vorbei, wie er gekommen ist. Der Landtagswahlkampf mag kurz sein. Doch die Intensität ist manchmal wirklich erschlagend.