Vorwürfe von Bürgermeister Armin König an Trierer Bischof Stephan Ackermann

Kostenpflichtiger Inhalt: Streit um Großpfarreien : Illinger Brandbrief an Bischof Ackermann

CDU-Bürgermeister König wirft Trierer Oberhirten vor, dass er Illingen kirchenrechtlich in seine Einzelteile zerlege.

Der katholische Illinger Bürgermeister Armin König (CDU) hat einen Brandbrief an den Trierer Bischof Stephan Ackermann abgesandt. In diesem Brief, der der SZ vorliegt, wirft König dem Trierer Oberhirten vor, mit der Schaffung der XXL-Pfarreien - Ackermann nennt sie „Pfarreien der Zukunft“ - Illingen kirchenrechtlich in Einzelteile zu zerlegen. „Das ist anachronistisch und höchst unklug, da die Kirche ja nicht im luftleeren Raum agiert“, schreibt König.

Der Grund für Königs scharfe Kritik ist die Entscheidung des Bistums, die Pfarreiengemeinschaft Uchtelfangen der neuen XXL-Pfarrei Lebach zuzuschlagen. Uchtelfangen ist mit 4500 Einwohnern der zweitgrößte Gemeindeteil der Kommune Illingen, die gut 16 000 Einwohner beherbergt. Im ersten Reformentwurf des Bistums sei die Pfarreiengemeinschaft Uchtelfangen noch der XXL-Pfarrei Neunkirchen angegliedert gewesen. Illingen gehöre dem Landkreis Neunkirchen an. „Wir wickeln unsere sozialpolitischen Aktivitäten über den Landkreis Neunkirchen ab, die Trägeraktivitäten der katholischen Kirche in Illingen werden fast komplett budgetmäßig und im Hinblick auf die Einzugsbereiche vom Kreissozialamt und vom Kreishaushalt sowie dem Illinger Gemeindehaushalt widergespiegelt und zu einem hohen Prozentsatz auch finanziert“, betont König. Nach dessen Ansicht läge nichts näher als eine Großpfarrei der Zukunft im Illtal, mit der Pfarreiengemeinschaft Eppelborn zusammen, die ebenfalls politisch zum Landkreis Neunkirchen zählt. „Illingen/Eppelborn wäre die vernünftigste Lösung gewesen, aber Sie wollen ja offensichtlich Größe um jeden Preis“, so König an Bischof Ackermann gerichtet. Zur zweitbesten Lösung, die Pfarreiengemeinschaft Uchtelfangen in die XXL-Pfarrei Neunkirchen zu integrieren, komme es jedoch auch nicht, da Uchtelfangen jetzt in der XXL-Pfarrei Lebach aufgehen werde. Er müsse als Bürgermeister dagegen „in aller Schärfe protestieren“.

König sagt, dass er vor dem Hintergrund der Vernetzungen auf weltlicher und kirchlicher Ebene die Entscheidung Ackermanns nicht verstehen könne. „Was da geplant ist, ist absurd“, kritisiert der Christdemokrat, welcher der am längsten amtierende Bürgermeister im Saarland ist. Er verstehe nicht, warum Ackermann die Zivilgemeinde nicht mit ins Boot nehme bei seinen Entscheidungen. Zumal sehr viel intensiver über althergebrachte Kirchenrechte wie die Kirchensteuererhebung durch den Staat oder staatliche Zuschüsse an die Bistümer diskutiert werde als ehedem.

„Waren da Einflüsterer am Werk?“, fragt sich König. Denn der Gipfel der Unvernunft sei die nun kommende „Dreiteilung“ des zivilgemeindlichen Illinger Ortsteils Wustweiler. Die Zivilgemeinde gehöre dann einheitlich zu Illingen, kirchengemeindlich teilweise zu den XXL-Pfarreien Lebach und Neunkirchen. „Derartige Strukturen sind nicht vermittelbar und auch nicht Zukunft weisend“, lautet Königs Einschätzung dazu. Bald seien zwei Caritasverbände zuständig, es werde Probleme bei der katholischen Kita gGmbH und bei den Anträgen für Jugendarbeitszuschüsse geben.

König sieht immer noch Chancen, eine eigene Großpfarrei Illtal zu gründen, Ackermann könne dies nach der bereits erfolgten Auflösung der Alt-Pfarreien selbst bestimmen. Die bisherigen Zuordnungspläne Ackermanns bezeichnete er jedoch als „Treppenwitz“. König vermisst in der Reform, dass charismatische Laien zum Mitmachen im kirchlichen Gemeindeleben ermuntert und die Anliegen des Kirchenvolks berücksichtigt werden. Den Klerikern, die sich vom Ort der Geschehens verabschiedet hätten und die Gläubigen vor Ort zurückließen, gehe es um „Machterhaltung“.

König sagt, er habe sich bisher mit Kritik zurückgehalten, sich auch nicht bei der „Kirchengemeinde vor Ort“­-Bewegung des Quierschieder Anwalts und Ex-Saar-FDP-Chefs Harald Cronauer engagiert, der ein Drittel der etwa 900 Alt-Pfarreien im Bistum hinter sich weiß. „Wo ist die neue Freiheit der Laien in der Liturgie, wo ist die Frauen-Beteiligung, wo sind die inhaltlichen Reformen, die Glaubensvermittlung durch charismatische Laien möglich machen?“, fragt der Bürgermeister.

Der Illinger Bürgermeister Armin König (CDU) Foto: Andreas Engel. Foto: Engel

Auch der katholische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), der im Landkreis Neunkirchen wohnt, hatte bereits Kritik an der Bistumsreform gegenüber Ackermann geäußert. Eine Antwort auf eine SZ-Anfrage an Ackermann mit der Bitte um eine Stellungnahme zu der Kritik Königs lag bis Redaktionsschluss nicht vor.

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