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Vorwürfe helfen bei Alkoholmissbrauch wenig

Vorwürfe helfen bei Alkoholmissbrauch wenig

Fast zehn Millionen Menschen in Deutschland trinken so viel Alkohol, dass sie Gefahr laufen, ihrer Gesundheit ernsthaft zu schaden. Entsprechend groß war der Beratungsbedarf während der SZ-Telefonaktion. Die Suchtberater der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beantworteten die Leserfragen.

Ich trinke fünf Mal pro Woche ein Glas Rotwein am Abend. Ist das schädlich?

Experte: Nein. Laut Weltgesundheitsorganisation liegt die gesundheitlich unbedenkliche Menge bei erwachsenen Frauen bei zehn Gramm reinem Alkohol am Tag, bei Männern bei etwa 20 Gramm. Zehn Gramm reiner Alkohol stecken zum Beispiel in einem Achtel-Liter-Glas Wein. Gut ist, dass Sie nicht jeden Tag trinken. Zwei Tage in der Woche sollten alkoholfrei sein, damit ein Gewöhnungseffekt vermieden wird.

Ich sehe meine Schwester nicht oft und habe jetzt entsetzt festgestellt, wie viel sie trinkt. Wie soll ich mich verhalten?

Experte: Sie können Ihrer Schwester offen und sachlich sagen, was Sie beobachtet haben. Verzichten Sie möglichst auf Vorwürfe, die führen eher zu Abwehr. Besser ist es, zu betonen, dass Sie sich Sorgen um sie machen und dass sie die Hilfe einer Suchtberatungsstelle in Anspruch nehmen kann.

Wo findet man Suchtberatungsstellen?

Experte: Adressen von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen finden Sie im Telefonbuch oder im Internet, zum Beispiel unter www.bzga.de in der Rubrik Service.

Ich befürchte, dass ich zu viel trinke. Könnte ich das irgendwo anonym testen?

Experte: Ja, zum Beispiel mit dem Selbsttest auf der BZgA-Seite www.kenn-dein-limit.de. Oder Sie bestellen sich unter order@bzga.de das Trinker-Tagebuch und füllen es aus. Auch so erhalten Sie einen Überblick über Ihr Trinkverhalten.

Ich will versuchen, sechs Wochen keinen Alkohol zu trinken. Geht das mit alkoholfreiem Bier?

Experte: Das würde ich Ihnen nicht raten. Zum einen ist in alkoholfreiem Bier immer noch ein wenig Restalkohol. Zum anderen würden Sie damit ja beim Biertrinken bleiben. Es ist wahrscheinlich, dass Sie bald wieder beim Bier mit Alkohol landen. Besser wäre es, wenn Sie die Geschäfte durchstreifen und sich alkoholfreie Getränke suchen, die Ihnen schmecken und die Sie nicht an Bier erinnern.

Sucht-Beratungstelefon, Tel. (02 21) 89 20 31. Alkoholprävention im Internet für Jugendliche unter 16 Jahren: www.null-alkohol-voll-power.de, für Jugendliche von 16 bis 20 Jahren: www.kenn-dein-limit.info, für Erwachsene: www.kenn-dein-limit.de.