1. Saarland

Vorm Zapfhahn trifft man sich seit vielen Jahrzehnten

Vorm Zapfhahn trifft man sich seit vielen Jahrzehnten

Jägersfreude. Vor über hundert Jahren, am 9. September 1911, bat Heinrich Mathieu die zuständigen Behörden, das Erdgeschoss seines Gasthauses sofort benutzen zu dürfen. Damals wollte Mathieu seinen Wirtschaftsbetrieb unbedingt "am nächsten Sonnabend beginnen." Und zwar im Gasthaus "Zum Hubertus" an der Hauptstraße in Jägersfreude. Aber daraus wurde nichts

Jägersfreude. Vor über hundert Jahren, am 9. September 1911, bat Heinrich Mathieu die zuständigen Behörden, das Erdgeschoss seines Gasthauses sofort benutzen zu dürfen. Damals wollte Mathieu seinen Wirtschaftsbetrieb unbedingt "am nächsten Sonnabend beginnen." Und zwar im Gasthaus "Zum Hubertus" an der Hauptstraße in Jägersfreude. Aber daraus wurde nichts. Die Genehmigung ließ über einen Monat auf sich warten, weshalb das Gasthaus nicht am erhofften Sonnabend, sondern erst am 11. Oktober öffnen konnte. Dass sich das Warten gelohnt hat, zeigte die Feier zum 100-jährigen Jubiläum des "Hubertus" im September dieses Jahres."Also das Fest war ganz toll", schwärmte Katja Niski noch Tage nach den Feierlichkeiten in Jägersfreude, "sogar unsere Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ist vorbeigekommen."

Niski und ihr Partner Stefan Braga sind das neue Wirtepaar, das vor einem Jahr Vorgängerin Walburga Klee (von Juni 1996 bis August 2010) - besser bekannt als "Wally" - ablöste. "Wir haben viele Stammgäste, die wir gleich schon lieb gewonnen haben. Ich hoffe, die sehen das genauso", sagt Stefan Braga stolz und lacht. Worauf er sich mit seiner Katja eingelassen hatte, wurde ihm erst mit der Zeit langsam bewusst: "Der Name Hubertus war uns beiden schon geläufig. Ich komme aus Dudweiler und Katja ist gebürtig aus Jägersfreude. Dass die Tradition hier aber so weitreichend ist, wussten wir an sich nicht."

Heute gehört das Hubertus-Haus Werner Schwinn. Er ist ein Ur-Enkel von Bauherr Heinrich Mathieu und übernahm das Haus von seiner 2001 im Alter von knapp 97 Jahren verstorbenen Großmutter Maria Schwinn. Die Familie bewohnt das Haus mit der Kneipe im Erdgeschoss nun schon in der sechsten Generation. "Wir sind sehr froh, dass es im Moment so gut läuft und hoffen, dass es so weitergeht", sagte Schwinns Ehefrau Zita in Vertretung für ihren verreisten Mann, "Wir sind mit diesem Haus schon durch alle Höhen und Tiefen gegangen. So ist das halt, wenn man ein Haus übernimmt."

Im Laufe der Jahrzehnte haben neben vielen Stammgästen - vor allem aus der Zeit der "Blechhammer Grub"- immer wieder ortsansässige Vereine den "Hubertus" zu ihrem Vereinslokal erklärt. Die Grubenwehrkameradschaft sowie der TuS Jägersfreude, der Ortsinteressenverband, die Reservistenkameradschaft Sulzbachtal, die Arbeiterwohlfahrt Jägersfreude und zahlreiche Kegelvereine.

 Das Wirtepaar Katja Niski und Stefan Braga. Foto: zen
Das Wirtepaar Katja Niski und Stefan Braga. Foto: zen

Der Dartverein "The Devil's Reject" ist neu im Haus. "Auf unseren Dartverein sind wir stolz, den haben wir aus dem Gasthaus Deutsch in Dudweiler mitgebracht", erklärte Braga, dessen unzählige Vorgänger sich über regelmäßige Sitzungen der Saar-Parteien ebenso freuen durften wie über Versammlungen und Proben des MGV Jägersfreude. "Jeder Verein hat hier seine eigene Ecke, in der er etwas aufhängen darf", sagte Katja Niski, als sie beim Termin mit der SZ vor der imposanten Wand der Grubenwehrkameradschaft saß. Zwischen 1930 und 1935 gastierte sogar die evangelische 3. Klasse der Volksschule Jägersfreude aus Platzgründen im Saal des damaligen "Lokal Mathieu" und hielt dort ihren Unterricht. Nicht nur aufgrund des demografischen Wandels scheint es aber eher unwahrscheinlich, dass jemals wieder eine komplette Klasse in den bis zu 70 Gäste fassenden Nebensaal im Gasthaus "Zum Hubertus" ausweichen muss. Aber in den kommenden 100 Jahren kann dennoch viel passieren...