Vorbilder sind wichtiger als Erklärungen

Vorbilder sind wichtiger als Erklärungen

Fürstenhausen. "Es geht nicht um Begrenzung, sondern um Orientierung", betonte Bernhard Thull am vergangenen Dienstagabend im katholischen Pfarrheim Fürstenhausen

Fürstenhausen. "Es geht nicht um Begrenzung, sondern um Orientierung", betonte Bernhard Thull am vergangenen Dienstagabend im katholischen Pfarrheim Fürstenhausen. Im Rahmen der Elternschule der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Trier, Fachstelle Saarbrücken, und der KiTa gGmbH Saarland referierte der ehemalige Studiendirektor über das Thema "Kinder brauchen Grenzen". Rund 40 Eltern folgten der Einladung der Kita St. Paulus Heidstock, des Marienkinderhauses Luisenthal und des Kinderhauses Myriam Fürstenhausen.Neugier als Lern-MotorStatt Barrieren aufzubauen, sollten die Eltern Orientierungshilfen geben, zeigen, wo und wie es weitergeht. Durch Bestrafungen, so der Experte, werde die Neugier als Motor des Lernens blockiert. Die Kinder trauen sich nicht mehr zu experimentieren und zu fragen. Und sie werden in Zukunft auch nicht mehr von ihren Problemen berichten.Bei einem kleineren Missgeschick sollten die Jungs und Mädchen ermutigt werden, es noch einmal zu versuchen. Und bei einem größeren Problem sollte man das Kind für den Mut loben, das Thema anzusprechen. Gemeinsam kann man dann überlegen, wie die Sache aus der Welt geschafft wird. Aber viel wichtiger als Erklärungen sind dabei nach Ansicht des Fachmanns Vorbilder. Und die findet das Kind in der Familie. Hier lernt es, wie man sich streitet und wieder versöhnt.Respekt vor dem Kind"Ein Kind braucht für seine gesunde Entwicklung wenigstens eine Person, die es vorbehaltlos annimmt", betonte Thull. Wichtig für eine stabile emotionale Beziehung ist auch der Respekt vor der kindlichen Würde. Ein Junge, der den Kuss der Oma nicht ablehnen darf, wehrt sich auch nicht gegen Missbrauchsversuche.Droht dem Nachwuchs körperliche oder seelische Not, müssen die Eltern natürlich eingreifen. Die bewährte Ampellösung hilft, auf die Anliegen der Kinder konsequent und damit auch berechenbar zu reagieren: "Rot" bedeutet "Nein". Das heißt aber auch: Es gibt keine Diskussion! Bei "Gelb" hingegen werden Argumente ausgetauscht, das Ergebnis ist offen. Und wenn die Eltern grünes Licht geben, wissen die Kinder, dass sie innerhalb ihrer Freiräume unbehelligt schalten und walten können. So lernen sie nach und nach, Verantwortung zu übernehmen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung