1. Saarland

Vor jedem Spiel wird gesaugt

Vor jedem Spiel wird gesaugt

St. Wendel. Kommt man dieser Tage am Saalbau in St. Wendel vorbei, kann es sein, dass man eine Traube aus gut angezogenen Männern trifft. Das einheitliche Auftreten der Herren hat einen Grund: Sie sind Teilnehmer der Dreiband-Europameisterschaft. Und dort gibt es eine strenge Kleiderordnung: weißes Hemd, schwarze Hose, schwarze Schuhe und eine Weste

St. Wendel. Kommt man dieser Tage am Saalbau in St. Wendel vorbei, kann es sein, dass man eine Traube aus gut angezogenen Männern trifft. Das einheitliche Auftreten der Herren hat einen Grund: Sie sind Teilnehmer der Dreiband-Europameisterschaft. Und dort gibt es eine strenge Kleiderordnung: weißes Hemd, schwarze Hose, schwarze Schuhe und eine Weste. Eine Fliege rundet das optische Erscheinungsbild ab.Ähnlich stilvoll wie die Spieler ist der Innenraum des umgebauten Saalbaus ausgestattet: Auf einem dem Tischbelag nachempfundenen Teppich stehen vier edle Turniertische, die extra für diese Veranstaltung gebaut wurden und danach einzeln an Interessenten verkauft werden sollen. Gerahmt wird die Billard-Bühne von Werbebanden und einem seitlichen langen Tisch der Turnierleitung. Ein großes Gerüst hält acht Scheinwerfer, die den Spielbetrieb der acht Spieler, die zeitgleich an den vier Tischen spielen, ins rechte Licht rücken. Rundherum wurden etwa 400 Sitzplätze geschaffen - wie in einer echten Arena. Allerdings waren die Plätze in den ersten Tagen noch nicht ausgelastet. "Das liegt ganz bestimmt auch an dem guten Wetter. Da sind die Leute lieber draußen als hier drinnen", glaubt Turnierleiter Rainer Selgrath eine Ursache für den eher zähen Zuschauerzuspruch gefunden zu haben. "Außerdem ist da ja noch die Fußball-WM. Trotzdem haben sich Gäste aus ganz Deutschland angekündigt. Ich denke spätestens zu den Halbfinalspielen sind alle Billardverrückten da." (Am Samstag und Sonntag beginnen die Spiele um 10 Uhr)Zwar verirre sich auch immer wieder "der ein oder andere Zuschauer aus Neugierde" in den Saalbau (der Eintritt ist frei), doch besteht das Publikum nach Selgrath hauptsächlich aus Fachmännern und -frauen. Und diese haben eine ganz eigene Art, ihre Favoriten zu unterstützen. Und zwar nicht mit Vuvuzelas. Denn außer einer seichten Hintergrundmusik, dem Klacken der Bälle nach einer "Carambolage" und hin und wieder laut mitzählenden Schiedsrichter hört man bei einer Partie fast keine Nebengeräusche. Es sei denn, ein Spieler erzielt einen Punkt auf besondere Weise. Dann wird mit den Fingern geschnippt, was die Gelenke hergeben. Manchmal klatschen die Zuschauer auch kurz, stellen dies aber gleich wieder ein, um die Akteure nicht in ihrer Konzentration zu stören. Auch wenn die Kugel ihr Ziel nach einem anspruchsvollen Stoß doch nicht erreicht, macht ein kurzes, aber mitfühlendes "Ooh" die Runde. Damit das so selten wie möglich vorkommt, kümmern sich Peter Pazen, Vorsitzender des BC St. Wendel, und die Schiedsrichter um die Reinheit des Billardtuchs. Pazen beseitigt vor jedem Spiel mit einem Staubsauger auch die mit bloßem Auge nicht sichtbaren Unreinheiten, die die Laufbahn der Kugeln beeinflussen könnten. Ebenso soll das Bürsten der Spielbanden und das regelmäßige Abwischen der Bälle mit einem Tuch durch die Schiedsrichter dazu beitragen, dass die Bälle einen möglichst reibungslosen Lauf nehmen können. Im Idealfall so reibungslos wie der Ablauf der Veranstaltung bisher: "Wir sind zufrieden und haben nach wie vor alles im Griff", freut sich Turnierleiter Selgrath und hebt stolz hervor: "wir haben von den Teilnehmern bisher nur gute Resonanzen bekommen."