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Vor 25 Jahren kam der Poetry-Slam nach Deutschland. Eine BIlanz

25 Jahre Poetry-Slam : Der Club der lauten Dichter

Vor 25 Jahren kam der Poetry-Slam nach Deutschland. Heute ist der Wettkampf der Bühnendichter ein Kulturphänomen, das die Massen begeistert. Im Oktober treten die 150 besten Wortartisten, Reimakrobaten und Geschichtenerzähler zu den Poetry-Slam-Meisterschaften in Berlin an.

Große Emotionen und grandiose Performances, die das Publikum zum Lachen, Toben, Nachdenken und manchmal auch zum Weinen bringen: Was vor 25 Jahren auf einer kleinen, verrauchten Kiez-Bühne in Berlin begann, ist längst zu einer Massenbewegung geworden, die Konzerthallen und Arenen füllt. Beim Poetry-Slam, dem Wettstreit der Bühnenpoeten, wird gerappt, gereimt oder einfach nur geredet. Mal wütend und wild, witzig und derb, dann wieder zart und berührend.

Poetry-Pionier der ersten Stunde ist Wolf Hogekamp, der vor einem Vierteljahrhundert den ersten Slam Deutschlands organisierte – und damit ein Stück Wort-Geschichte geschrieben hat. „Die ersten Texte haben sich die Leute auf dem Weg in der S-Bahn ausgedacht“, erinnert Hogekamp sich. „Es hat sogar jemand aus Otto-Katalogen vorgelesen.“ Auch die Rückseite einer Chipstüte, die ein Mitstreiter zufällig in der Hand hielt, wurde spontan rezitiert.

Vieles hat sich seither getan: Die Beiträge der Standup-Poeten sind heute pointierter und professioneller, die Events und das Publikum größer – doch die Vielfalt und der Charme des Echten, Unverfälschten und Lebensnahen sind geblieben.

Seit 1997 veranstaltet Hogekamp jedes Jahr die deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften, die auch dieses Jahr im Oktober wieder stattfinden. In Berlin, wo alles begann. Heute ist es das größte Bühnenliteraturfestival der Welt.

Die Kellerpoesie von einst ist zu einem Kulturphänomen avanciert, das die Massen anzieht. 2015 kamen 5000 Zuschauer zum Best of Poetry-Slam Open Air auf die Trabrennbahn in Hamburg – Weltrekord. Die deutschsprachigen Wettbewerbe gehören seit 2016 zum immateriellen Kulturerbe der Unesco. Und 2018 strömten insgesamt fast 6400 Poetry-Fans zum Best of Poetry-Slam in die Hamburger Elbphilharmonie.

Die Dimensionen haben sich im Laufe der Zeit drastisch verändert – die guten alten Traditionen werden nach wie vor gehütet und gewahrt. Eine davon ist die Flasche irischer Whiskey, die jeder Poetry-Slam-Gewinner als Preis in die Hand gedrückt bekommt.

Wenn die Dichterschlacht vorbei ist, wird sie auf der Bühne geöffnet und später, hinter den Kulissen, mit allen Mitstreitern freundschaftlich geteilt. Bei den größten und wichtigsten Slams der Szene wird die Siegerflasche Whiskey jedoch nicht beliebig gewählt, sondern steht symbolisch für die innige und tiefgründige Partnerschaft zwischen der Poetry-Slam-Szene und der irischen Whiskey-Marke Tullamore D.E.W. – und das jetzt schon seit mehr als sieben Jahren. Mittlerweile finden jährlich zirka 400 gemeinsame Veranstaltungen deutschlandweit statt – und Tullamore D.E.W. ist der Hauptsponsor der Poetry-Slam-Meisterschaften.

Nicht nur die Flasche Whiskey für den Sieger ist Pflicht, auch die vier goldenen Regeln des Poetry-Slams sind seit den Anfängen verbindlich. 1. Die Texte müssen selbst geschrieben sein. 2. Der Beitrag sollte nicht länger als fünf bis sechs Minuten dauern. 3. Es dürfen keine Requisiten oder Verkleidungen verwendet werden. Und zuguterletzt: „Respect the poets!“, wie es heißt. Bedeutet: Buh-Rufe und Zwischen-Kommentare sind verpönt. Denn so respektlos und rüde es auch manchmal auf der Bühne zugeht – Poeten und Publikum müssen sich gleichermaßen an diesen Ehrenkodex halten. Denn nur so sorgen sie dafür, dass Poetry-Slam auch nach 25 Jahren authentisch, echt und ehrlich bleibt.

Die 13. Poetry-Slam-Meisterschaften finden vom 19. bis 26. Oktober 2019 in Berlin statt. Erstmalig verleiht der irische Whiskey-Hersteller hier auch den sogenannten Tully-Award an die Poetin des Jahres 2019. Die Gewinnerin wird im Rahmen der Anmeldung zu den Meisterschaften von der Poetry-Slam-Szene gewählt und der Preis wird bei der großen Eröffnungsgala der Meisterschaften am 19. Oktober verliehen.