Von untergegangenen Industrien

Nohfelden. Das Buch "Untergegangene Industrien im Hochwald- und Hunsrückraum" war Thema des Nohfelder Geschichtsabends am Donnerstag im Rathaussaal

 Das Titelbild des Buches von Helmut Weiler. Fotos: Weiler

Das Titelbild des Buches von Helmut Weiler. Fotos: Weiler

Nohfelden. Das Buch "Untergegangene Industrien im Hochwald- und Hunsrückraum" war Thema des Nohfelder Geschichtsabends am Donnerstag im Rathaussaal. Der Autor Helmut Weiler hat dafür gründlich recherchiert, eine Reihe Beiträge geschrieben, Bilder dazugestellt und die Heimatforscher Fritz Baumann, Reimund Benoist, Klaus Eiden, Viktor Heck, Herbert Jäckel, Josef Paul und Helmut Petto mit ins Boot geholt. Der Jurist und Politologe Manfred Peter aus Luxemburg bezeichnete Helmut Weiler in seiner Laudatio als einen gründlichen, fleißigen und gewissenhaft arbeitenden Mann, was in seinem Buch deutlich zum Ausdruck komme.Das Buch über die untergegangenen Industrien in der Region sei ein Geschichtsbuch im besten Sinne. Es beschreibe die Entwicklungen der vergangenen 500 Jahre, gehe aber auch auf die Bevölkerung ein, die durch ihr tüchtiges Arbeiten in den vielen Industriezweigen ihren Lebensunterhalt verdient hätten. Dabei hätten die Menschen auch ihre unternehmerischen Qualitäten gezeigt. Der Band sei aber auch, so Manfred Peter, ein interessantes und wertvolles Lexikon. Wer sich für die Volkswirtschaft interessiere, könne es ebenso zur Hand nehmen wie Historiker, Geologen, Techniker und Ingenieure, weil es die vielen Bereiche und Vorgänge in der Industrie von damals genau beschreibe.

Letztendlich sei es auch ein Handbuch über all die Rohstoffe, die derzeit in der Region nicht mehr abgebaut werden. Weltweit würden diese Rohstoffe knapp und immer teurer. Manfred Peter hielt es nicht für abwegig, dass in der Erde unserer Heimat lagernden Rohstoffe eines Tages wieder dringend benötigt würden.

Der Redner griff aus dem Buch die Textbeispiele Natur- und Bodenschätze heraus. Bedeutende Naturschätze seien das Wasser zum Betreiben der Mühlen gewesen, der Wald für die Holz- und Lohegewinnung und die Wiesen. "Der Boden ist für den Ackerbau weniger gut geeignet", sagte Manfred Peter. "Deshalb hat die Viehzucht in der Region immer die größere Rolle gespielt." Bei den Bodenschätzen ging der Laudator auf die Steine ein (Hartsteine, Kalksteine und Schiefer), auf die verschiedenen Erden (Ton für Ziegel, Feld- und Schwerspat, Rötel) und auf die acht Arten von Erzen mit dem Schwerpunkt Eisen und Kupfer. Bedeutend sei auch der Kohleabbau im Raum Dörrenbach gewesen. Die Menschen der Region hätten ihre Qualifikationen auch im Tabak- und Braugewerbe gezeigt.

Autor Helmut Weiler sagte, dass das Buch in die Vergangenheit zurückgreife, für die es noch viele Zeitzeugen gebe. Es würdige ebenso das Wirken der Vorfahren. Untergegangene Industrien hätten auch für den Tourismus eine große Bedeutung. Nohfeldens Bürgermeister Andreas Veit (CDU) sieht in dem Buch eine Möglichkeit, aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen.

Seit zwei Jahren arbeite die Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land daran, den Menschen in der Region die Geschichte besser verständlich zu machen, hob ihr Vorsitzender Werner Feldkamp hervor. Dazu hätten in der Europäischen Akademie Otzenhausen bereits fünf Seminare stattgefunden. Eingeteilt sei die Geschichte mit ihren vielen Unterthemen in fünf Epochen zu je 500 Jahren.

"Untergegangene Industrie im Hochwald- und Hunsrückraum", 170 Seiten, 17,50 Euro, erhältlich im Buchhandel und im Verlag Burr in Otzenhausen.

Auf einen Blick

Der Verein Novallis bietet am Freitag, 23. November, um 18 Uhr einen Geschichtsabend in der "Alten Schule" in Türkismühle an. Der Autor Helmut Weiler berichtet über die Molkerei Türkismühle. Die Molkerei Türkismühle war bis zur Schließung 1974 auch Arbeitgeber in unserer Region. Berühmt wurde sie aber durch den "Türkismühler Camembert". Weiler hat von der Gründung bis zum Ende 1974 den genauen Werdegang der Molkerei recherchiert. red