1. Saarland

Von Motorsägenkunst bis zur handgemachten Musik

Von Motorsägenkunst bis zur handgemachten Musik

Der Weihnachtsmarkt in Furpach ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes: Nicht nur das Ambiente ist in der grün-roten Zeltstadt anders als anderswo. Auch das selbst gemachte Angebot ist bemerkenswert.

. "Oh du Fröhliche" kann jeder. Aber dieser herrlich satte Motorsägensound ist schon ziemlich einmalig. Furpach eben. Dort findet man auch nicht die obligatorischen Holzhütten vorm Martin-Luther-Haus, sondern eine grün-rote Zeltstadt - die man trockenen Fußes passieren kann, dank der überdachten Gänge. Ziemlich luxuriös und schon ein bisschen genial das Ganze.

Im fünften Jahr gibt es jetzt diesen besonderen Weihnachtsmarkt der evangelischen Kirchengemeinde. Die 26 Aussteller sind bis auf wenige Ausnahmen noch die selben wie zu Beginn - und außer der Kohlhofer AG allesamt keine Vereine. Auch nicht die "Schnibbler" mit ihrer Motorsägenkunst: Wer das nötige Kleingeld hatte, konnte sich einen ihrer Zwerge, Geier oder sonstigen Holz-Skulpturen mit nach Hause nehmen, darunter ein Bär in Bank-Form, der im ersten Leben eine respektable Eiche gewesen sein muss. "Das Tolle hier in Furpach ist, da kommen Leute, die sagen: Wir haben schon ein Bäumchen und einen Pilz, jetzt hätten wir gern noch eine Eule dazu", freute sich Daniel Böhm, während Kollege Marcus Fahrenhold auf der Wiese lautstark Freestyle-Sägen demonstrierte.

Für die filigraneren Dinge war Ralf Meisel im "Zelt" gegenüber zuständig. Wegen des nasskalten Wetters hat er nur "das kleine Programm" mit gedrechselten Döschen und Bäumchen dabei. "Für mich ist das hier ein sehr schöner Weihnachtsmarkt", meinte Meisel. Stimmig sei auch das Grundkonzept: weg vom "nur Essen und Trinken" hin zum ausschließlich selbst Hergestellten - statt gewerbsmäßigem Handel.

Auffällig oft begegnete man diesmal Eulen aller Art an den Ständen. Sogar ein "Eulen-Stübchen" bot seine Produkte an, darunter entzückende Kissen-Eulen "mit geschlossenen, offenen und halb geschlossenen Augen", wie Sabine Gerber aufzählte. "Wir, drei befreundete Familien, haben die Eulen im Sommer für uns entdeckt und angefangen zu nähen." Das Resultat fand großen Anklang. Was, nach dem ersten Schock, auch für die "Arschengel" von Sabine Pfiffi zutraf: kleine Anhänger aus Po-ähnlichen Perlen und Flügelchen. "Der Begriff stammt nicht von mir, sondern von dem Psychologen Robert Betz." Gemeint sind unsägliche Mitmenschen, die einen im Handumdrehen auf die Palme bringen. Im Umgang mit ihnen lerne man aber, sich zu beherrschen oder sich zu wehren, erläuterte die Schmuckgestalterin. Ihr Tipp: "Wenn wieder mal jemand alles besser weiß, leg deine Hand um den Anhänger, denk dir ‚Arschengel' und lächle freundlich."

Nicht nötig war dies an den beiden gut besuchten Markttagen. Die Bewirtung übernahm in den Räumen des Gemeindecafés ein rühriges Team von Ehrenamtlichen, tatkräftig unterstützt von den Konfirmanden. "Richtige" Live-Musik gab es übrigens doch noch dank Karl-Heinz Disson und seiner Klarinette. "Herr Disson singt im Kirchenchor und war letztes Jahr mit seiner Tochter spontan beim Markt aufgetreten", erinnerte sich Pfarrer Uwe Schmidt noch gut an diese positive Überraschung. "Und dieses Jahr ist er wieder da." Noch so ein Glücksfall halt.