1. Saarland

Von Kaisern, Rittern und Kirchenmännern

Von Kaisern, Rittern und Kirchenmännern

Es begann mit den Kelten, dann kamen die Römer, dann die Germanen. Jetzt folgte mit einer Veranstaltung zur "Epoche des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" in der Otzenhauser Europäischen Akademie das vierte Seminar einer Reihe, die sich mit 2500 Jahren Geschichte im St. Wendeler Land und ihren Auswirkungen auf unser heutiges Leben befasst

Es begann mit den Kelten, dann kamen die Römer, dann die Germanen. Jetzt folgte mit einer Veranstaltung zur "Epoche des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" in der Otzenhauser Europäischen Akademie das vierte Seminar einer Reihe, die sich mit 2500 Jahren Geschichte im St. Wendeler Land und ihren Auswirkungen auf unser heutiges Leben befasst.Die beiden Referenten Manfred Peter und Johannes Naumann standen vor der schwierigen Wahl, aus der Fülle der Themen der 500-jährigen Epoche die bedeutendsten und für unsere Region wichtigsten vorzustellen. Der folgende Text fasst beide Vorträge zusammen. Finsteres Mittelalter? So finster, wie oft behauptet, war das Mittelalter gar nicht - so Peters und Naumanns übereinstimmendes Fazit. Zwar gab es Kriege, Kämpfe und Kreuzzüge. Epidemien wie der Schwarze Tod (die Pest) rafften im 14. Jahrhundert schätzungsweise ein Drittel der europäischen Bevölkerung hinweg. Und trotzdem: Im Vergleich zu den Epochen vor und nach dem Mittelalter herrschte relativer Frieden. So wuchs der Wohlstand der Menschen.

Die Gesellschaft erlebte ab dem 13. Jahrhundert fundamentale Umbrüche: Die in der fränkischen Zeit ländlich geprägte Bevölkerung drängte es einerseits in neue, andererseist in wieder erblühende Städte. Wirtschaftlicher Aufschwung war die Folge. Es gab wohlhabende Patrizier, aber auch eine städtische Unterschicht. Bauern wirtschafteten effektiver (Dreifelderwirtschaft).

Kirchen und Burgen wurden gebaut. Die meisten Dörfer, wie wir sie heute kennen, entstanden. Die Baukunst der Gotik, die nach Licht aufwärts gen Himmel strebt, versinnbildlichte das Lebensgefühl der Menschen. Die mit den Kirchenbauten verbundenen Arbeiten schufen Aufträge für die in Zünften organisierten Handwerker. Berühmte Philosophen wie Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Roger Bacon oder Nikolaus Cusanus bereicherten das geistige Leben ebenso wie Minnesänger wie Wolfram von Eschenbach (Parzival), Walther von der Vogelweide, Literaten wie Dante Alighieri (Divina Commedia/Göttliche Komödie), r Geoffrey Chaucer (Canterbury Tales). Gesellschaftlich war die Epoche des Weiteren durch Rittertum und Pilger wie in St. Wendel.

Das Reich und das Kaisertum: Was war das Heilige Römische Reich Deutscher Nation überhaupt? Kein einheitlicher Staat, sondern bestand aus vielen Gebieten unterschiedlicher Größe, die beispielsweise von einem König, Fürsten oder kirchlichem Würdenträger regiert wurden. Diese standen ihrerseits unter der Herrschaft eines deutschen Königs oder Kaisers. Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich die Reichsgrenzen beträchtlich; in seiner größten Ausdehnung umfasste es eine Fläche, die von den heutigen Niederlanden bis Kroatien, von Burgund bis an die Grenzen des polnischen Königreichs.

An der Spitze stand der deutsche König oder Kaiser. Der Kaiser war der Schutzherr des Papstes und brauchte ihn seinerseits für seine Krönung, so dass beide voneinander abhängig waren. Sobald sich dieses Gleichgewicht änderte und einer von beiden neue Verbündete fand, waren Konflikte programmiert.

Fünf große Herrscherhäuser lenkten die Geschicke des Reiches: Dieses wurde von dem sächsischen Adelsgeschlecht der Ottonen (919-1024) begründet, Kaiserkrönung Ottos I. des Großen 962. Er ist der bekannteste Ottone, dessen Ritterheer 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld Ungarn besiegte.

Auf die Ottonen folgten die Salier, ein fränkisches Geschlecht (1024-1125). Unter dem Salier Heinrich IV. kam es zum Investiturstreit mit dem Papst: Es ging darum, ob der Kaiser oder der Papst Bischöfe in ihre Ämter einsetzen durfte (Investitur). Letztlich unterlag Heinrich IV. und musste 1076 den Büßergang nach Canossa antreten.

Nach den Saliern kamen die in Schwaben beheimateten Staufer (1136-1254) an die Macht. Die bekanntesten Kaiser sind Friederich I. Barbarossa und sein Enkel Friedrich II..

Auf die Staufer folgten die Luxemburger (1312-1437), deren Kaiser Karl IV. (1316-1378) als der wohl herausragendste Kaiser des Spätmittelalters gilt. Er erließ die Goldene Bulle, eines der Grundgesetze des mittelalterlichen Deutschen Reiches.

Nach den Luxemburgern regierten ab 1438 die Habsburger, unter denen das vorher auf Europa ausgerichtete Reich Weltpolitik zu betreiben begann: Amerika war entdeckt worden. Im Reich Kaiser Karls V. "ging die Sonne niemals unter", denn er herrschte auch über die spanischen Besitztümer in der Neuen Welt.

Das kirchliche Leben: Das kirchliche Leben im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation dominierten Päpste und Orden. Zudem beeinflussten verschiedene Persönlichkeiten das geistige Leben, darunter Hildegard von Bingen und Meister Eckhart.

Das Wirken einiger Päpste ist bis in unsere Zeit zu spüren. Papst Gregor VII. (etwa 1020 bis1085) verbot die vorher durchaus akzeptierte Priesterehe. Papst Urban II. rief 1095 zum ersten Kreuzzug ins Heilige Land. Das Pontifikat Sixtus' IV. (1471-1484) wiederum steht beispielhaft für ein negatives Bild des Papsttums, das den Boden für die Reformation bereitete. Es war durch zügelloses Postengeschacher zugunsten seiner Verwandten und schwungvollen Ablasshandel gekennzeichnet. Ein Gutes hatte seine Herrschaft: Seiner Prunksucht verdankt Rom heute zahlreiche prachtvolle Bauten, so die Sixtinische Kapelle im Vatikan.

Im Mittelalter entstanden zahlreiche Orden, einer ist der der Benediktiner. Die Tholeyer Abtei ist bis heute ein Benediktinerkloster.Die seit dem siebten Jahrhundert dort ansässigen iro-schottischen Mönche des Ordens des Heiligen Columban wurden einfach umgewidmet.

Wie alten Chroniken zu entnehmen, nahmen die Benediktiner im Mittelalter hauptsächlich Adelige auf. Dass diese ihre Lebenskultur mitbrachten und sich nicht immer dem Ordensleben mit seinem Motto "Bete und arbeite" unterordneten, brachte Probleme mit sich. Diese Adelswirtschaft wiederum führte zu Reformen im 15. Jahrhundert.

In Tholey gibt es mit dem erst in den 1960ern entdeckten Grab von Kuno von Pfullingen (1016-1066) einen Hinweis auf Machtkämpfe. Kuno sollte auf Betreiben seines Onkels, des Kölner Erzbischofs, den Trierer Bischofsstuhl einnehmen. Das Volk und der Klerus in Trier fühlten sich indes übergangen. So hinderten sie Kuno daran, in die Stadt zu kommen. Sie ließen ihn gefangen nehmen und ermordete ihn. Seine Peiniger stürzten ihn den Quellen nach drei Mal von einem Felsvorsprung. Weil er auch das überlebte, enthaupteten sie ihn zudem.

Der Seminarvormittag wurde mit Vorträgen zu Balduin von Luxemburg, St. Wendelin und eine kurze Einführung zum für St. Wendel bedeutenden Universalgelehrten Nikolaus von Kues (Referent hier: Werner Martin), abgerundet.

Im Verlauf führte die Veranstaltung auf eine Exkursion zu zwei Burgen des St. Wendeler Landes: nach Nohfelden und die Liebenburg in Eisweiler. Durch die St. Wendeler Basilika führte Gerd Schmitt die Exkursions-Teilnehmer. Er verdeutlichte, wie sehr der Heilige Wendelin den Charakter dieses Gotteshauses geprägt und Nikolaus Cusanus die Gestaltung der Kirche beeinflusst haben. Die Basilika, von Erzbischof Balduin geplant, gilt als eine der schönsten Kirchen des Saarlandes. Kerstin Adams

Produktion dieser Seite:

Volker Fuchs

Matthias ZimmermannDie Ritter im St. Wendeler Land Das St. Wendeler Land ist steinreich, sagen Vertreter der Kulturlandschaftsinitaitive. Auch reich an Geschichte. Diese will die Initiative den Menschen näher bringen. Ein Baustein sind Epochenseminare. Das vierte führte ins Mittelalter. Seine Peiniger stürzten ihn den Quellen nach drei Mal von einem Felsvor- sprung. Weil er das überlebte, enthaupteten sie ihn.

Über den in Tholey begrabenen

Kuno von Pfullingen (1016-1066), der gegen den Trierer Willen Bischof werden sollte

Hintergrund

In dem Projekt "St. Wendeler Land steinreich: Beispiel einer 2500-jährigen europäischen Kulturentwicklung" geht es darum, die kulturhistorischen Besonderheiten des St. Wendeler Landes zu benennen und näher zu erforschen. Träger dieses Projektes ist die Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land. Partner sind die Europäische Akademie in Otzenhausen und das Forum Europa.

Epochenseminare sind Teil dieses Projektes. Das nächste behandelt die Europäische Epoche (Neuzeit) und findet am 3. März statt.

Die Goldschale von Schwarzenbach stammt aus einem Fürstengrab. Foto: VA
Keltisch-römische Renaissance: die Grabanlage bei Oberlöstern.
Der Archäologe Michael Koch, links, ging mit den Teilnehmern auf Spurensuche in der Region. Fotos: Adams
In der fränkischen Epoche breitete sich das Christentum immer mehr aus. In dieser Zeit entstand auch die Abtei Tholey. Fotos: Eva Henn, Kulani
Petra Schröder in der Tracht einer Fränkin aus der Merowingerzeit.
Johannes Naumann informiert in der Abteikirche ausfühlich über die Geschichte des ältesten Klosters in Deutschland.
Auf geht's zum Turm der Liebenburg.
Die Exkursionsteilnehmer des Epochenseminars bekamen Einblicke in die Geschichte der Kirche des Wendelin.
Blick nach oben auf die Deckengemälde der Wendelinus-Basilika in der Kreisstadt. Fotos: Kulani
Auf geht's zum Turm der Liebenburg.
Die Exkursionsteilnehmer des Epochenseminars bekamen Einblicke in die Geschichte der Kirche des Wendelin.
Blick nach oben auf die Deckengemälde der Wendelinus-Basilika in der Kreisstadt. Fotos: Kulani
Auf geht's zum Turm der Liebenburg.
Die Exkursionsteilnehmer des Epochenseminars bekamen Einblicke in die Geschichte der Kirche des Wendelin.
Blick nach oben auf die Deckengemälde der Wendelinus-Basilika in der Kreisstadt. Fotos: Kulani
Auf geht's zum Turm der Liebenburg.
Die Exkursionsteilnehmer des Epochenseminars bekamen Einblicke in die Geschichte der Kirche des Wendelin.
Blick nach oben auf die Deckengemälde der Wendelinus-Basilika in der Kreisstadt. Fotos: Kulani

Informationen gibt es bei der Europäischen Akademie, Telefon (06873) 66 24 47 red