Von Dudweiler bis New York

Von Dudweiler bis New York

Dudweiler. Wo trifft man Künstler, die auf großformatige Leinwände farbkräftig abstrakte Kunst bannen, aber von dem Kaliber, wie man es von den großen Könnern kennt

Dudweiler. Wo trifft man Künstler, die auf großformatige Leinwände farbkräftig abstrakte Kunst bannen, aber von dem Kaliber, wie man es von den großen Könnern kennt. Und wo trifft man eine Künstlerin, die in der Saarbrücker Galerie Neuheisel, in der Agora-Galerie in New York und in Rathäusern und Banken des Saarlandes ausstellt? In Dudweiler in der Liesbet-Dill-Straße, denn dort hat Christiane Lohrig ihr Atelier. Die in Saarbrücken geborene Vollblutmalerin ist studierte Architektin und arbeitet auch in ihrem Beruf."Der Job erdet mich, denn ich habe viele Ideen, die künstlerisch umgesetzt werden müssen, sonst explodiert mein Kopf. Und Kunst machen kostet Zeit, bedeutet Handwerklichkeit, und vor allem - die Idee braucht Raum", sprudelt es aus der 58-Jährigen heraus. Die SZ hat sie in ihrem Atelier besucht.

"An erster Stelle steht die Farbe", sagt sie und erläutert, wie sie ihre Themen findet: " Kunst findet nicht nur statt, wenn ich im Atelier bin, ich mache eher im Kopf Kunst. Da fahre ich zum Beispiel an einer Werbetafel vorbei und kriege mit, wie die Farben darauf einen speziellen Eindruck einblenden", sagt sie. Es folge eine Skizze und im Atelier entstehe in Anknüpfung an den Eindruck etwas ganz Neues, so Lohrig weiter. Einmal habe sie den Abriss eines Gebäudes beobachtet: "Bizarr gebrochene Wände mit Tapete; das habe ich bildnerisch umgesetzt", erzählt sie. Und tatsächlich findet man echte Tapetenabrisse auf den Bildern, die frech mit gemalten Farbformen flirten und den Betrachter neugierig machen. Lohrigs Kunst wirkt gut gelaunt und ist künstlerisch raffiniert ausgeklügelt. Das liegt daran, dass sie immer Neues ausprobiert. "Im Baumarkt gibt's die dollsten Dinger, mit denen ich was machen kann", meint Lohrig. Doch um Beruf, Mann und Sohn unter einen Hut zu kriegen, brauche man Disziplin. "Das alles ist zeitintensiv, braucht gutes Zeitmanagement. Manchmal möchte ich auch auf der Couch liegen bleiben, aber wenn ich länger nicht male, ergreift mich Schwermut", sagt sie lächelnd. Deswegen habe sie auch ihre festen Abende. "Da schleppe ich mich konsequent ins Atelier. Und samstags male ich mit meinem Sohn Timo", sagt sie. Der Achtjährige male auch sehr gern - von ihm lerne sie neue Techniken. "Er arbeitet auch nicht gegenständlich. Und ich kopiere sehr gern sein Krickelkrackel", sagt die Künstlerin lachend. Und immer alleine Kunst machen sei sowieso nicht ihr Ding, deswegen bietet Lohrig Malkurse für Erwachsene und Kinder an. "Ich brauche Austausch. Ich bin ein Mensch, ich muss immer quatschen", sagt sie. Ihre Offenheit brachte sie jüngst auf eine ganz andere Kunstidee.

"In einem Blumengeschäft hab ich einen Hirschkopf an der Wand gesehen. Und dann wieder Hirsch beim Spazieren mit Timo im Wildpark. Gott, ist das ein schönes Tier, dachte ich", sagt sie und bannte die Chiffre Hirschkopf auf Leinwand und T-Shirts. "Ich mag gern coole Shirts und bin immer auf der Suche danach. Ich weiß, wie man mit Siebdruck arbeitet, und hab gleich Shirts gemacht für meinen Mann, Sohn, Freundinnen. Daraus wurde ein kleines Label und meine Nachbarin näht die Etiketten rein", sagt die Designerin. Doch das mit den Shirts will sie nicht groß vermarkten. "Meine Idee soll klein laufen, sonst ist das zu viel, lieber privat und über Mundpropaganda", bekräftigt sie.

Fragen zu Malkursterminen unter Tel. 01 77/2 13 27 71.

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