1. Saarland

Vom Kinderheim ins Bordell

Vom Kinderheim ins Bordell

Im Kampf gegen Menschenhändler, die Frauen zur Prostitution zwingen, zieht die Kripo alle Register. Eine junge Rumänin berichtete den Ermittlern, sie sei aus einem Kinderheim in ein Bordell gebracht worden.

. "Gewerbliche Zimmervermietung" hat eine GmbH mit Sitz in Riegelsberg im Handelsregister als ihren Geschäftszweck angegeben. Vor dem Verwaltungsgericht in Saarlouis gewann die Firma am Mittwoch noch einen Rechtsstreit gegen die Landeshauptstadt Saarbrücken. Sie hatte - wie bereits gestern berichtet - offiziell die Einrichtung eines Bordellbetriebes in einem mehrgeschossigen Haus in der Gersweiler Straße beantragt. Die Stadtverwaltung konnte den Richtern trotz mehrfacher Mahnung keine Gründe gegen das Rotlicht-Etablissement vortragen. Gestern kündigte die Stadt Berufung gegen die Entscheidung an. Die Richter hatten im Vorfeld des Termins sogar einen Ortstermin anberaumt. Zwischenzeitlich hat aber die Kriminalpolizei den offensichtlich bereits florierenden Rotlichtbetrieb an dieser Adresse sowie vier weitere Saarbrücker Etablissements, die angeblich ebenfalls zu der Riegelsberger GmbH gehören, geschlossen. Das Besondere an diesen Bordellen: Dort boten vorwiegend junge Frauen, meist unter 21 Jahren, aus Rumänien und Ungarn ihre Liebesdienste an.

Die Geschäftsführerin der GmbH, eine 43-Jährige aus Riegelsberg, und deren Ehemann (45) sitzen seit einer Woche in Untersuchungshaft. Die Vorwürfe: Verdacht auf Menschenhandel und Zuhälterei. Ebenfalls inhaftiert sind ein Rumäne (41) mit Wohnsitz in Saarbrücken und ein 53-jähriger aus Saarbrücken.

Auf die Spur der mutmaßlichen Menschenhändler kam die Kripo offenbar durch die Aussagen und Hinweise von vier jungen Rumäninnen, die sich in ihrer Verzweiflung an die Ermittler gewandt hatten. Mindestens eine der Frauen hat wohl berichtet, sie habe in einem rumänischen Kinderheim gelebt und sei dann von einem Landsmann nach Deutschland gebracht worden. Ewald Dörr, Chef des Dezernates Menschenhandel, berichtet: "Den Frauen wurde Gewalt angedroht. Sie wurden zu perversen Sexualpraktiken gezwungen und ausgebeutet." Die Hälfte ihres Lohnes kassierten die Betreiber, ein Viertel der Zuhälter. Vom eigenen Anteil mussten sie Miete und Schulden bezahlen.

Kripochef Harald Schnur und Vizeabteilungsleiter Alois Buchheit, erklärten gestern vor Journalisten, Ziel der intensiven Ermittlungen sei es, die Strukturen in diesem organisierten Milieu zu erkennen und zu zerschlagen. Im Klartext: Die Hinterleute, die viel Geld kassieren, dingfest zu machen. Zudem sollen mögliche Verbindungen zu anderen Deliktsfeldern, etwa Einbrüchen oder Diebstählen überprüft werden.

Im aktuellen Verfahren zog die Kripo alle Register: Finanzermittlungen, Observationen, Telefonüberwachungen. Etwa 300 000 Euro aus angeblich illegal erzielten Vermögen der Inhaftierten wurden beschlagnahmt. Kripochef Schnur bezeichnete die Ermittlungen wegen Menschenhandels als einen Schwerpunkt der Kriminalisten. 2012 führte die Polizei im Saarland 138 Kontrollen in 74 Etablissements durch, überprüfte 579 Prostituierte. 381 Frauen stammten aus Rumänien, 58 aus Bulgarien, 41 aus Ungarn.