1. Saarland

Vom Kinderchor zur großen Orgel

Vom Kinderchor zur großen Orgel

Saarbrücken. Die Frage, wann denn der Beschluss fiel, einen musikalischen Berufsweg einzuschlagen, ist der Klassiker in Interviews mit Künstlern. Dabei zeichnen sich zwei Tendenzen ab

Saarbrücken. Die Frage, wann denn der Beschluss fiel, einen musikalischen Berufsweg einzuschlagen, ist der Klassiker in Interviews mit Künstlern. Dabei zeichnen sich zwei Tendenzen ab. Während die einen ein ganz bestimmtes Konzert als Initialzündung erlebten, sind die anderen Schritt für Schritt in ein Leben mit Musik hineingewachsen, so dass sich irgendwann die Frage nach Alternativen gar nicht mehr stellte. Letzteres war es bei Christian Barthen (Foto: privat) aus Dudweiler der Fall. Der gerade erst einmal 26-jährige Student der Hochschule für Musik Saar (HfM) hat sich in letzter Zeit auf internationalem Parkett so ziemlich bei allen Wettbewerben, die in der Szene Rang und Namen haben, einen Platz auf dem Siegertreppchen erspielt. Zuletzt war das der zweite Preis beim legendären Orgelwettbewerb im französischen Chartres.

Begonnen hat er jedoch zunächst mit dem Klavierunterricht bei Uwe Brandt. Während seiner Zeit im Kinderchor entdeckte er in der Kirche die Liebe zur Orgel und nahm zusätzliche Stunden bei Basilikakantor Bernhard Leonardy. Schon als 13-Jähriger trat Barthen seine erste, kleine Organistenstelle an, begleitete den Gemeindegesang in der evangelischen Gemeinde Quierschied.

Nachdem er sich einen Platz als Jungstudent in der Klasse von Professor Wolfgang Rübsam gesichert hatte, startete er nach dem Abitur 2003 das Kirchenmusikstudium bei Professor Andreas Rothkopf.

Doch damit waren es dem jungen Mann immer noch nicht genügend Tasten. "Ich studiere Orgel, Klavier und Cembalo gleichberechtigt", sagt Christian Barthen. Mit allen Instrumenten ist er auch als Kammermusiker aktiv, seine Partner sind die Pianistin Maria Haupenthal sowie die Cellistin Isabel Gehweiler.

Parallel zum Studium ist es dem Talent gelungen, bereits eine beachtliche Konzertkarriere aufzubauen. Barthen gastiert in Deutschland, Frankreich, Luxemburg, der Schweiz, Tschechien und Ungarn. Einen Fuß in die internationale Orgelszene zu bekommen, ist kein Kinderspiel. Zwar gibt es in vielen Kirchen Konzerte, doch die Veranstalter vernetzen sich nur selten untereinander. "Hier helfen die Wettbewerbspreise als Türöffner", weiß Barthen, der sein Repertoire größtenteils auswendig vorträgt. Neben dem Studium arbeitet er als Organist an der Kreuzkirche Herrensohr und wirkt als Assistent von Professor Theo Brandmüller an der Ludwigskirche.

Als Kirchenmusiker, vielleicht in Kombination mit einem Lehrauftrag, sieht er auch seine Zukunft.

"Obwohl ich mich auch dafür stark mache, dass die Orgel in Konzertsälen präsenter wird, denn viele Häuser verfügen über hervorragende Instrumente", meint Barthen.

Für die Zeit nach seinem Studium an der HfM peilt er ein Aufbaustudium an, gern auch im Ausland. "Für einen Künstler ist es immer wichtig, über den heimischen Tellerrand zu schauen."