1. Saarland

Vom Flügelschlag der Energiewende

Vom Flügelschlag der Energiewende

Freisen. Im Brockhaus-Lexikon wird als Park "ein weiträumiger Garten" bezeichnet, wobei damit insbesondere "der frei angelegte Landschaftsgarten" gemeint ist. Die Militärs definieren einen Park auch als "Sammelplatz". Wer den Windpark Freisen besucht, der empfindet diese Begriffe gar nicht mal als unpassend

Freisen. Im Brockhaus-Lexikon wird als Park "ein weiträumiger Garten" bezeichnet, wobei damit insbesondere "der frei angelegte Landschaftsgarten" gemeint ist. Die Militärs definieren einen Park auch als "Sammelplatz". Wer den Windpark Freisen besucht, der empfindet diese Begriffe gar nicht mal als unpassend. Dort wird bereits seit 1994 fleißig Energie "gesammelt". Und die hohen Masten für die Windräder erinnern zumindest entfernt an sehr schlanke und hohe Bäume. Wobei man nicht umhin kommt festzuhalten, dass es sich auf den Hügeln um so etwas wie eine Monokultur handelt, was den Parkbewuchs betrifft.16 Windräder drehen sich in besagtem Park - dem ältesten im Saarland - entlang des Höhenzugs links und rechts der Straße von Freisen nach Baumholder, wenn das Wetter mitspielt. Was häufig so sein sollte, denn der Standort wurde bewusst wegen der Aussicht auf ergiebige "Windbeute" gewählt. Inzwischen zeugen mehr als 30 Windräder rund um das Dorf auf saarländischer wie auf rheinland-pfälzischer Seite davon, dass sich die Wind-Ernte zur Stromgewinnung offensichtlich lohnt.

An diesem grauen Herbsttag weht es nicht nur in der Höhe, es bläst sogar ziemlich kräftig. Die Rotoren der Windkraftanlagen, wie sie offiziell heißen, drehen sich entsprechend munter und regelmäßig. "Man hört schon ein bisschen was", meint eine Frau, die sich ebenfalls aufgemacht hat, um den seit 2005 bestehenden Lehrpfad zu erkunden. Dem ist nur beizupflichten. Irgendwie erinnert das Geräusch an Hubschrauber: Es macht nicht überaus laut, doch vernehmlich "wutt, wutt, wutt, wutt" (oder so ähnlich), wenn die beeindruckend langen Rotorblätter die Luft durchschneiden.

Besagter Lehrpfad ist gut einen Kilometer lang und wurde angelegt, damit sich jeder Interessierte vor Ort ein Bild davon machen kann, wie die Gewinnung regenerativer Energien im Detail abläuft. An verschiedenen Stellen erfährt der Wissbegierige eigentlich alles, was er wissen muss. Auf einer sich ständig aktualisierenden Anzeigetafel ist abzulesen, wie viel Strom gerade erzeugt wird und was im Windpark bislang insgesamt an Energie erzeugt wurde.

Die Limousinrinder auf den Weiden an den Windradmasten haben sich mit den "Nachbarn" und deren Geräuschen anscheinend arrangiert. Sie machen auf den Vorbeigehenden keinen gestressten Eindruck, sondern grasen friedlich vor sich hin, wie das ihre Art ist. Dies ist allerdings nur ein persönlicher Eindruck, denn hineinschauen und -hören in die Tiere kann man ja nicht.

Eins der Hinweis- und Erklärschilder am Lehrpfad beschäftigt sich mit den Menschen, die die Windkraft skeptisch beurteilen: Dabei kommen die "Schallemissionen", also die Geräusche, die die Windräder verursachen, ebenso zur Sprache wie die Themen Vogelschutz und Schattenwurf. Dem Vorwurf von Kritikern, dass die Landschaft "verspargelt" wird, stehen als Gegenargumente das "elegante Erscheinungsbild" der Anlagen und "die beruhigende Wirkung der sich drehenden Rotoren" gegenüber.

Wer den Flügelschlag der Energiewende erleben will, der sollte sich mal auf den Freisener Höhen umsehen. Danach weiß er in jedem Fall, wie das Ganze funktioniert und wie es aussieht, wenn die Natur auf diese Weise "angezapft" wird. Angesichts der zahlreichen Windräder in der Umgebung kann der Betreffende außerdem sofort selbst beurteilen, wie die Landschaft dadurch verändert wird.

Auf einen Blick

Eine Umfrage im Jahr 2001 ergab, dass die Bevölkerung von Freisen mehrheitlich nichts gegen die Stromerzeugung durch Windräder in ihrer Gemeinde hat: Damals bewerteten 47 Prozent der Befragten dies positiv, knapp 42 Prozent war es egal, rund sieben Prozent sahen das negativ. An anderen Orten im Saarland haben geplante Windkraft-Projekte Kritiker auf den Plan gerufen. Sie meinen, die Natur dürfe "nicht weiter belastet" werden und fürchten, dass Windräder künftig auch in Waldgebieten oder in der Nähe von Wohnhäusern errichtet werden dürfen. in