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Vom deutlichen CDU-Vorsprung überrascht

Vom deutlichen CDU-Vorsprung überrascht

In Homburg arbeiten CDU und SPD seit längerem zusammen. Auf städtischer Ebene hat sich dies bewährt. Nach dem Landtagswahlergebnis gestern hofft die CDU nun auch auf eine Zusammenarbeit landesweit in Form einer großen Koalition. Noch mischt sich Skepsis in die Freude über das Ergebnis.

Homburg/Bexbach/Kirkel. So hatten es wohl nur die Allerwenigsten erwartet. Als um 18 Uhr die erste Wahlprognose zur Landtagswahl bekannt wurde, gab es auch im Homburger Rathaus auf der einen Seite Jubel, auf der anderen Seite lange Gesichter. Der Jubel bei der CDU-Gefolgschaft war dabei noch dezent zurückhaltend, man wollte den doch deutlichen Vorsprung von Annegret Kramp-Karrenbauers CDU zu Heiko Maas' SPD erst gar nicht so recht wahrhaben.Im Büro von Oberbürgermeister Karlheinz Schöner liefen die Ergebnisse aus dem Homburger Stadtgebiet zusammen. Dementsprechend waren auch die Vertreter der Stadtratsfraktionen und die Verwaltungsspitze vor Ort.

Nach der ersten Enttäuschung fand SPD-Fraktionschef Hans Felden schnell deutliche Worte: "Das ist mehr als enttäuschend. Offensichtlich hat die frühzeitige Festlegung auf die große Koalition der SPD mehr geschadet als der CDU." Die SPD habe es nicht geschafft, ihre Wähler an die Urne zu bringen. "Positiv überrascht" hingegen Oberbürgermeister Karlheinz Schöner (CDU) über das Ergebnis, "ich hätte ein engeres erwartet. In Homburg haben wir quasi den Landestrend". Die CDU mit 35,2 Prozent verlor hier 0,4 Prozentpunkte, die SPD mit 30,0 Prozent legte 6,8 Prozent zu. Überraschung auch hier die Piraten mit 8,8 Prozent aus dem Stand (siehe Info).

Ähnliches Bild in Bexbach. Auch dort legte die SPD um 7,5 Prozent auf jetzt 35,7 Prozent zu, die CDU verlor nur leicht und landete bei 30,0 Prozent. Die Linke büßten 5,8 Prozent ein und stehen nun bei 15,9. Die FDP - traditionell stark am Höcherberg - ist auch hier komplett abgestürzt - auf 1,5 Prozent. Zugewinne bei der SPD auch in Kirkel: 36,1 Prozent (plus 5,6). Die CDU blieb etwa gleich, steht bei 30,6 Prozent. Die Linken verloren 4,4 Prozent und stehen bei 12,3 Prozent. Die Grünen liegen hier mit 6,2 Prozent über Landestrend, haben aber auch zwei Prozent gegenüber 2009 verloren.

Trotz der Festlegung von CDU und SPD auf eine große Koalition war man doch vorsichtig, wie es nun weitergeht.

Im Hotel Stadt Homburg, wo sich die Homburger CDU getroffen hatte, klatschten sich angesichts der ersten Prognose Landtagskandidat Christian Gläser, der Vorsitzende der CDU Erbach-Reiskirchen, Michael Forster, und Bruchhof-Sanddorfs Ortsvertrauensmann Thomas Morsch spontan ab: "Das ist wirklich ein Erfolg für Annegret Kramp-Karrenbauer." Später freuten sie sich allerdings deutlich verhaltener - dies auch der Tatsache geschuldet, dass es eben doch knapp reichen könnte für ein rot-rotes Bündnis. "Wir sind sehr zufrieden, noch ein Prozent mehr für uns, eines weniger für die SPD, damit die große Koalition sein muss", wünschte sich Morsch am noch frühen Wahlabend. Und auch Gläser blieb vorsichtig: "Ich glaube dann an eine große Koalition, wenn die Ministerpräsidentin gewählt ist."

Vor "Mandys Lounge" schritten die Sozialdemokraten zwar über einen kleinen roten Teppich zur Wahlfeier, doch frohe Gesichter gab's hier nicht. Der Tenor: "Wir haben zwar hinzu gewonnen, doch natürlich unser Ziel nicht erreicht", so Landrat Clemens Lindemann. Und Beigeordneter Rüdiger Schneidewind verwies darauf, dass er schon im Januar empfohlen habe, eine große Koalition einzugehen: "Das gilt auch jetzt." Heidrun Möller, langjährige Landtagsabgeordnete, hätte sich zwar auch gewünscht, dass "Heiko Maas Ministerpräsident werden kann", doch immerhin sei man nun in einer etwas besseren Ausgangslage bei den Verhandlungen.

Ober-Piratin vom Super-Ergebnis umgehauen

Wie viele Kandidaten aus dem Saarpfalz-Kreis werden in den neuen saarländischen Landtag einziehen? Auch diese Frage sorgte gestern Abend noch für Spannung. Aus Homburger Sicht sind Elke Eder-Hippler (SPD) und Barbara Spaniol (Linke) dabei. Insgesamt kommen sechs Landtagsabgeordnete aus dem Saarpfalz-Kreis.Homburg. In die gedämpfte Stimmung vor "Mandys Lounge" in Homburg, in der die SPD die Geschehnisse des Wahlabends verfolgte, brachte Elke Eder-Hippler ein bisschen Entspannung: Die SPD-Frau wird mit einem vierten Platz auf der Kreisliste Ost wieder dem Landtag angehören und konnte sich dafür ihre Glückwünsche abholen. Angesichts des Ergebnisses ihrer Partei blieb aber auch ihr nur ein: "Tja, schade, aber wir haben uns immerhin tapfer geschlagen." Oskar Lafontaine habe sein Ziel erreicht und dafür gesorgt, "dass es im Saarland keinen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten gibt", unterstrich sie. "Wir werden nun das tun, was wir vorher gesagt haben und als Juniorpartner in eine große Koalition gehen", betonte Elke Eder-Hippler.

Ihr Landtagsmandat ebenfalls sicher hat die Homburgerin Barbara Spaniol von den Linken. "Wir sind sehr zufrieden mit unserem Abschneiden", sagte sie. Die SPD sei mit ihrer Strategie gescheitert, sich vorher auf eine große Koalition festzulegen. "Ich hoffe, dass es noch zu Gesprächen kommt", betonte Spaniol. Die Verluste der Linken im Vergleich zur Wahl 2009 seien auch der niedrigeren Wahlbeteiligung geschuldet.

Gedulden musste sich gestern Christian Gläser von der CDU. Am Ende reichte es bei einem achten Listenplatz allerdings nicht für den Landtag. Das hatte er jedoch schon vor den Ergebnissen realistisch gesehen. Er hoffe, sagte er bereits vor den Hochrechnungen, dass er erster Nachrücker werde, also sieben CDUler von der Wahlkreisliste Ost in den Landtag einzögen. Und genau so kam es dann auch - "das war das, was wir erwartet hatten", so Gläser.

Für vier weitere Saarpfälzer brachte der Wahlabend ebenfalls den Einzug in den saarländischen Landtag.

Eine sichere Sache war dies schon früh am Abend auch für "die Neue" von der Piratenpartei, Jasmin Maurer. Das Wahlergebnis hatte die Blieskastelerin im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen: Sie konnte es nicht selbst kommentieren, musste, so Piratenpressesprecher Ralf Petermann, nach einem Kreislaufkollaps zu Hause bleiben, war nicht zu sprechen.

Innenminister Stephan Toscani (CDU) sitzt ebenfalls wieder in Saarbrücken: "Der Mut von Annegret Kramp-Karrenbauer ist belohnt worden. Ihre Führungskraft hat überzeugt. Wir haben jetzt eine Grundlage und ein klares Votum für eine große Koalition", sagte er. Toscanis Parteifreund Günter Becker aus Niederwürzbach ist mit dem guten Ergebnis seiner Partei ebenfalls wieder im Landtag. "Ich war die ganze Zeit optimistisch," sagte er am Abend, "das Ergebnis ist sogar besser als erwartet."

Für die Sozialdemokraten wird auch der Kreis-Spitzenkandidat Stefan Pauluhn sein Landtagsmandat behalten. "Ich stehe hier mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wir haben das Ziel nicht erreicht, stärkste Kraft zu werden und den Ministerpräsidenten zu stellen. Aber landesweit haben wir sechs Prozent dazugewonnen", sagte er. Die Partei sei auf dem richtigen Weg, meinte der Walsheimer. Wo die Linke aber über den Lafontaine-Faktor über 15 Prozent bekomme und weitere Parteien wie die Piraten im linken Spektrum fischten, könne die Partei nicht an der CDU vorbeiziehen.

Mit genau fünf Prozent hat es für die Grünen zwar am Ende zu zwei Sitzen im Parlament gereicht. Der St. Ingberter Markus Schmitt ist jedoch nicht mehr im Landtag. Die FDP, die bei der vergangenen Wahl mit Christoph Hartmann und Georg Weisweiler gleich zwei Homburger Kandidaten und in der Folge Minister ins Landesparlament schicken konnte, spielte diesmal keine Rolle mehr. Mit landesweit 1,2 Prozent, in Homburg 1,5 Prozent, war von einem Einzug nicht einmal zu träumen. ust/red

Auf einen Blick

In Homburg, Bexbach und Kirkel wurde gestern so gewählt:

Homburg: CDU 35,2 Prozent, SPD 30,0 Prozent, Linke 14,4 Prozent, Grüne 5,5 Prozent, Piraten 8,8 Prozent und FDP 1,5 Prozent.

Bexbach: CDU 30,0 Prozent, SPD 35,7 Prozent, Linke 15,9 Prozent, Grüne 3,8 Prozent, Piraten 8,9 Prozent und FDP 1,5 Prozent.

Kirkel: CDU 30,6 Prozent, SPD 36,1 Prozent, Linke 12,3 Prozent, Grüne 6,2 Prozent, Piraten 9,1 Prozent und FDP 1,6 Prozent. red