Vom Brand bis zum Unfall - an allen Fronten im Einsatz"Wir sind im Saarland Vorreiter in vielen Bereichen"

Vom Brand bis zum Unfall - an allen Fronten im Einsatz"Wir sind im Saarland Vorreiter in vielen Bereichen"

Im Oktober wird Kreisbrandinspekteur Stefan Buchmann nach 14 Jahren wegen Erreichens der Altersgrenze aus seinem Amt scheiden. Im Gespräch mit SZ-Redakteur Christian Beckinger erläutert Buchmann, wie sich die Arbeit der Feuerwehren gewandelt hat und vor welchen Herausforderungen sie in Zukunft stehen.

Merzig-Wadern. Das Jahr 2011 hat den Feuerwehren im Landkreis Merzig-Wadern wieder viel Arbeit beschert. Dies geht aus dem Jahresbericht von Kreisbrandinspekteur Stefan Buchmann hervor, den dieser in Losheim im Beisein von Feuerwehr-Vertretern aus den Kreiskommunen und Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich vorstellte. Insgesamt 939 Einsätze listete der Kreisbrandinspekteur für das zurückliegende Jahr auf - das war zwar ein deutlicher Rückgang gegenüber 2010. Aber nach Einschätzung von Buchmann war es trotzdem "ein Jahr mit sehr vielen Einsätzen gegenüber den normalen Jahren mit im Schnitt 800 Einsätzen". Zudem mussten 2011 die beiden Werksfeuerwehren im Kreis, bei Saargummi in Büschfeld sowie bei Homanit in Niederlosheim, 43-Mal ausrücken. Buchmann machte deutlich, dass die Feuerwehr dabei oft nicht nur mit Sachschäden zu tun hat: "Bei den Einsätzen wurden insgesamt 80 Personen gerettet, zwölf Personen konnten nur noch tot geborgen werden." Dies sei eine Steigerung um sechs Personen gegenüber 2010, während die Zahl der Geretteten um vier höher lag als im Vorjahr.Weiterhin dominieren die technischen Einsätze die Arbeit der Feuerwehr, sie lagen mit 620 im vergangenen Jahr wieder deutlich vorn. Zur klassischen Brandbekämpfung rückten die Feuerwehren 229-Mal aus. Diese Relation gab es auch schon im Vorjahr. Zu den Gründen sagte Buchmann: "Die hohe Zahl der technischen Einsätze 2010 und 2011 wurde durch größere Unwetter hervorgerufen." Während 2010 die Feuerwehr dabei sehr häufig mit Folgen von Stürmen zu tun hatte, sorgten 2011 besonders Wasserschäden infolge von Unwettern für Arbeit.

Einen immer größeren Anteil hat zudem die so genannte nachbarschaftliche Hilfe, das heißt, Feuerwehr-Löschbezirke rücken zur Unterstützung benachbarter Orte aus. Das geschah 2011 361-Mal. Dazu der Kreisbrandinspekteur "Die vielen Einsätze nachbarlicher Löschhilfe werden teilweise verursacht durch die Probleme mit der Tagesbereitschaft, da tagsüber immer weniger Einsatzkräfte in den Löschbezirken zur Verfügung stehen" - und so bei Einsätzen oft mehrere Wehren alarmiert werden.

Erfreuliche Personalsituation

Insgesamt leisteten die Feuerwehrmänner und -frauen im Kreis im vergangenen Jahr nach den Worten des Kreisbrandinspekteurs rund 14 700 Einsatzstunden - ein Rückgang um 3400 Stunden gegenüber dem Jahr 2010.

Erfreulich hat sich aus Sicht von Buchmann der Personalbestand bei der Feuerwehr im Kreis entwickelt: Insgesamt 2094 Frauen und Männer sind bei den 73 Feuerwehr-Löschbezirken im Landkreis aktiv engagiert - das ist ein Plus von zwei Aktiven gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt die Feuerwehr in unserem Kreis personell auf hohem Niveau, unterstrich Buchmann: "17,8 Prozent aller aktiven Feuerwehrleute im Saarland sind im Kreis Merzig-Wadern zu Hause, bei lediglich 10,3 Prozent Anteil des Kreises an der Gesamtbevölkerung in unserem Land." Seit 2006 sei, gegenläufig zur negativen Bevölkerungsentwicklung, ein Anstieg der Personalstärke bei der Feuerwehr im Kreis zu verzeichnen: Von 2018 (2006) stieg die Zahl der Aktiven auf den Höchstwert von 2094 im vergangenen Jahr. Diese teilen sich auf in 1935 männliche Feuerwehr-Mitglieder und 159 weibliche. Bei den Wehrfrauen stelle der Kreis insgesamt 17 Prozent aller Aktiven im Land betonte Buchmann, allerdings habe es auch einen leichten Rückgang (minus fünf) der weiblichen Aktiven gegeben. "Auf je 50 Einwohner unseres Kreises kommt eine aktive Feuerwehrfrau oder ein Feuerwehrmann, im Saarland insgesamt ist dies bei je 85 Einwohnern der Fall."

Wichtiger Akteur des Ortslebens

Auch bei der Alterswehr sei die Wehr in Merzig-Wadern die stärkste im Saarland, wenn auch die Zahl von deren Mitgliedern um 22 Personen auf 670 zurückging. Buchmann mahnte eindringlich die politisch Verantwortlichen bei Kommunen, Land und Bund, der Feuerwehr auch in Zukunft die finanziellen Mittel bereitzustellen, die sie für ihre Arbeit benötigt. Die Feuerwehr übernehme zusätzlich zum gesetzlichen Auftrag des Brandschutzes in vielen Ortschaften "viele andere Aufgaben im Bereich Kultur und Vereinsleben" sowie Dienstleistungen, die teilweise außerhalb ihres eigentlichen Aufgabenbereiches lägen. Der Kreisbrandinspekteur: "Trotz aller finanziellen Engpässe in den Kommunen muss alles versucht werden, die Löschbezirke und ihre Einsatzfähigkeit zu erhalten. Wenn nämlich dieses ehrenamtliche Engagement zerfällt, wird dies in der Zukunft für die Kommunen und damit für unsere Gesellschaft sehr hohe Kosten verursachen." Wie hat sich die Arbeit der Feuerwehr in den vergangenen Jahren verändert?

Stefan Buchmann: Die Zahl der Einsätze hat sich in den letzten Jahren stark erhöht. Einmal durch Naturereignisse, aber auch durch eine Vielzahl von Einsätzen, die es früher nicht gab, zum Beispiel Türöffungen, Unterstützung für den Rettungsdienst, Einsätze mit Tieren, Amtshilfe und so weiter. Es fehlt aber auch in zunehmendem Maße an der klassischen Nachbarschaftshilfe: Früher half der Nachbar bei kleineren Ereignissen, heute wird die Feuerwehr gerufen.

Die Personalsituation der Feuerwehren im Kreis stellt sich positiv dar. Worin sehen Sie die Gründe?

Buchmann: Unsere gute Jugendarbeit über lange Jahre zahlt sich jetzt auch aus. Wir haben die stärkste Jugendwehr im Saarland und natürlich eine große Zahl von Übernahmen in die aktive Wehr. Wir werben auch für Quereinsteiger und haben hier die ersten Erfolge. Neben unseren guten Führungskräften, die dies nach außen transportieren müssen, sind dies alles Bausteine, die unseren jetzigen Erfolg ausmachen.

Welche besonderen Anforderungen werden heutzutage an einen Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau gestellt? Wo liegen hier die größten Probleme für den Dienst in der Feuerwehr?

Buchmann: Die Aktiven der freiwilligen Feuerwehren haben eine zeitaufwendige Ausbildung zu absolvieren und eine hohe Verantwortung. Hinzu kommen laufende Übungen, Einsätze, Gerätedienst und so weiter. Dies alles erfordert sehr viel Zeit. Durch unsere moderne Arbeitswelt und Freizeit ist es oft nicht möglich, diese Zeit aufzubringen. Auch sind die Arbeitsstellen der Aktiven nicht vor Ort, wie das früher doch häufiger der Fall war. Dies wirkt sich auch gravierend auf die Tagesbereitschaft bei den freiwilligen Feuerwehren aus.

Wir hatten in diesem Jahr schon in den ersten Monaten eine Reihe Aufsehen erregender Brände. Liegt die Zahl der Brandereignisse 2012 höher als im Vorjahr, oder täuscht dieser Eindruck?

Buchmann: Die Brände spielen sich im normalen Rahmen ab. 2011 waren es 37 weniger als 2010. Im Jahr 2003 hatten wir einen Spitzenwert von 346 Bränden, damals bedingt durch den trockenen Sommer.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die Feuerwehr in der Zukunft?

Buchmann: Die größte Herausforderung der Zukunft wird sein, eine ausreichende Zahl von Führungskräften zur Verfügung zu haben, die in der freiwilligen Feuerwehr ihren Dienst tun. Aber auch der flächendeckende Brandschutz und die Hilfeleistung wird eine Herausforderung werden, da bei abnehmender Bevölkerung nicht mehr so viele Aktive zur Verfügung stehen und die Hilfsfristen sich verlängern werden, unabhängig von den finanziellen Problemen der Kommunen.

Sie werden im Oktober nach 14 Jahren aus dem Amt scheiden. Wie ist das persönliche Fazit Ihrer Zeit als Kreisbrandinspekteur?

Buchmann: Man kann's nicht glauben, dass schon fast 14 Jahre vorbei sind. Ich habe mit meinen Wehrführern vieles auf den Weg gebracht. Wir sind im Saarland Vorreiter in vielen Bereichen. Die Zusammenarbeit der Feuerwehren im Kreis ist hervorragend und ich bin stolz, zu diesem Prozess beigetragen zu haben.Foto: SZ

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In seinem Jahresbericht ging Kreisbrandinspekteur Stefan Buchmann auch auf die Jugendfeuerwehr ein - und hatte dabei viel Positives zu berichten: "Bei den Jugendwehren konnten wir 2011 erfreulicherweise mit 819 Jugendlichen den Stand von 2010 halten." 71 Jugendliche konnten im vergangenen Jahr in die Aktivenwehr übernommen werden, das waren nur sieben weniger als 2010. Nur in fünf der 73 Löschbezirke des Kreises gebe es keine Jugendabteilung. "Wir haben seit 2010 die meisten Jugendlichen in den Jugendfeuerwehren von allen Landkreisen im Saarland, und das mit Abstand", sagte Buchmann.

Neben der Ausbildung in feuerwehrtechnischen Grundlagen spiele auch der soziale Aspekt in Form von Freizeitaktivitäten, Zeltlagern oder Ausflügen eine wichtige Rolle, unterstrich die Kreisjugendbeauftragte Heike März. Sie wird aus beruflichen Gründen ihr Amt bei der Feuerwehr aufgeben. Kreisbrandinspekteur Buchmann dankte März für ihre engagierte und erfolgreiche Arbeit, gab mit Blick auf die Zukunft aber auch zu bedenken: "Die geburtenschwachen Jahrgänge werden uns in der Zukunft viele Sorgen bereiten." cbe

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