Völklinger Klinik ist jetzt Lungenkrebszentrum

Völklinger Klinik ist jetzt Lungenkrebszentrum

Völklingen. Etwa 850 Menschen im Saarland erkranken jährlich an Lungenkrebs, 46 000 Menschen sind es bundesweit. Lungenkrebs ist damit die zweithäufigste Tumorerkrankung bei Männern und die dritthäufigste bei Frauen

Völklingen. Etwa 850 Menschen im Saarland erkranken jährlich an Lungenkrebs, 46 000 Menschen sind es bundesweit. Lungenkrebs ist damit die zweithäufigste Tumorerkrankung bei Männern und die dritthäufigste bei Frauen. Im Bemühen um eine optimale Versorgungsqualität, insbesondere bei Diagnostik und Behandlung von Lungenkrebspatienten, hat sich das Lungenzentrum Saar der SHG-Kliniken Völklingen nun nach den Vorgaben der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizieren lassen. Bundesweit gibt es aktuell 24 zertifizierte Lungenkrebszentren.

Saarland über Bundesschnitt

Zwar geht die Zahl der Neuerkrankungen bei Männern seit 1990 leicht zurück, die Tendenz insgesamt sei nach wie vor aber steigend, wie Professor Harald Schäfer, Chefarzt und Leiter des Lungenzentrums, anhand der Krebsstatistik gestern anlässlich eines Empfangs zur Zertifizierung aufzeigte. Beunruhigend sei, dass die Zahl bei Frauen weiterhin steigend sei. Der generelle Anstieg sei nicht zuletzt der demographischen Entwicklung geschuldet.

Für das Saarland hatte der Professor schlechte Nachrichten. "Im Saarland ist die Erkrankungshäufigkeit um 25 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt", sagte Schäfer. Die Gründe seien nicht klar. In einzelnen Fällen sei es durchaus berechtigt, die industrielle Struktur des Saarlandes als mögliche Ursache zu sehen. Schäfer führt die Erkrankung jedoch generell auf das Rauchverhalten zurück. Laut Krebsstatistik gingen die Erkrankungen bei bis zu 90 Prozent der Männer und bei bis zu 60 Prozent der Frauen auf den Tabakkonsum zurück. Die Überlebenschance bei Lungenkrebs liege im Durchschnitt bei 15 Prozent. "Das ist eine schlechte Prognose", meinte Schäfer.

Um das Risiko von Lungenkrebs zu verringern, forderte der Professor eine stärkere Prävention. Wobei er die Offensive des Gesundheitsministeriums beim Thema Raucherprävention lobte. Ähnlich wie bei Brust- oder Darmkrebs müsse auch zur Früherkennung von Lungenkrebs ein Screeningverfahren eingeführt werden. "Darüber sollten wir nachdenken", sagte er. Die Situation sei nach wie vor unbefriedigend und es seien auf allen Ebenen Anstrengungen notwendig, um die überaus schlechte Prognose dieser Erkrankung zu verbessern sowie Maßnahmen in der Primärprävention voranzubringen.

Das Lungenzentrum Saar habe immense Anstrengungen unternommen, um eine hochqualitative Versorgung zu gewährleisten. Kerngedanke des Lungenzentrums sei die umfassende Patientenversorgung mit Einbindung aller am Behandlungsprozess beteiligten Personen.

Seit 2009 um Siegel bemüht

Das Lungenzentrum besteht aus der Medizinischen Klinik II und der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Der Versorgungsschwerpunkt liegt, seit Gründung des Zentrums im Jahr 2007, bei Tumorerkrankungen im Brustraum, insbesondere bei der Diagnostik und Behandlung von Patienten mit Lungenkrebs. Schäfer nahm die Urkunde zur Zertifizierung von Astrid Gercke-Müller, als stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Deutschen Lungenstiftung, entgegen. Paul Quirin, der Vorsitzende des SHG-Aufsichtsrates, sprach von einem mühseligen Verfahren, das zum Qualitätssiegel führte. Seit 2009 habe man daran gearbeitet. "Qualitätsbestreben fordert ein ganzes Krankenhaus, wenn es Erfolg haben will", sagte er. Für "wichtig und richtig" hielt es Alfons Vogtel, der SHG-Geschäftsführer, dass das SHG-Klinikum in Völklingen bei der Bildung eines Lungenzentrums auf Qualität setze.

Mehr von Saarbrücker Zeitung