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„Viele überziehen zu früh im Training“

„Viele überziehen zu früh im Training“

Der Wochenspiegel-Firmenlauf geht am Donnerstag in seine zehnte Auflage. Professor Tim Meyer, Arzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, nimmt ebenfalls mit einem Team teil. Im Gespräch mit SZ-Redakteur Sascha Sprenger gibt er Tipps für Laufanfänger.



Am Donnerstag gehen wieder knapp 15 000 Läufer beim Firmenlauf in Dillingen auf die Strecke. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum solche Laufveranstaltungen so gut ankommen und auch Menschen anspricht, die ansonsten mit Sport nicht viel am Hut haben?

Professor Tim Meyer: Ich könnte mir vorstellen, dass viele Betriebe und Arbeitsteams den Firmenlauf zum Anlass nehmen, einmal etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen. Da sich das Ganze mit einem gesundheitsförderlichen Aspekt verbindet, wird es noch attraktiver. Außerdem haben wir in vielen Studien die Erfahrung gemacht, dass derartige Anlässe gern gewählt werden, um den "inneren Schweinehund" leichter zu überwinden. Immerhin verpflichtet man sich ja ein wenig gegenüber Kollegen, für den Firmenlauf über einige Wochen zu trainieren.

Für den einen sind fünf Kilometer nur ein lockerer Aufgalopp, für den anderen bereits eine große Distanz, die er normal nur mit dem Auto zurücklegt. Was raten Sie als Sportmediziner den Teilnehmern zur Vorbereitung auf den Lauf?

Meyer: Sicherlich sollte man nicht bei null starten, also ganz ohne Vorbereitung. Bei einer Strecke von fünf Kilometern meine ich auch, dass man sie vor dem Lauf schon ein paar Mal im Training bewältigt haben sollte. Ein vernünftiges Training dürfte kaum unter acht Wochen zu machen sein, wenn man zuvor gar nicht Sport getrieben hat. Und zumindest in den letzten Wochen vor dem Lauf sollte man versuchen, drei Einheiten pro Woche zu erreichen. Nur dann stellt sich auch so etwas wie ein Laufgefühl ein. Aber das Wichtigste ist die Sporttauglichkeit. Gerade Neu- und Wiedereinsteiger in den Sport sollten sich von ihrem Hausarzt, idealerweise einem Sportmediziner, bestätigen lassen, dass kein erhöhtes Risiko besteht.

Was sind denn klassische Fehler, die Laufanfänger immer wieder machen?

Meyer: Im Wesentlichen treten sie ohne ausreichende Vorbereitung an, oder sie überziehen zu früh im Training, weil sie zu ehrgeizig sind oder meinen, unmittelbar wieder früher erbrachte sportliche Leistungen zu erbringen, obwohl viele Jahre Pause dazwischen lagen. Hier helfen oft schon wenige sachliche Worte mit Freunden, die etwas Lauferfahrung besitzen.

Was und wie viel sollten Läufer während eines Fünf-Kilometer-Laufes trinken? Sollten Läufer dabei eher auf natriumarmes Wasser achten oder wäre ein hoher Natriumgehalt besser?

Meyer: Während eines Fünf-Kilometer-Laufes ist nicht allzu viel Zeit, sodass die Flüssigkeitsaufnahme beschränkt ist. Eine größere Menge in kurzer Zeit kann auch zu Magenproblemen führen. Es scheint pragmatisch, in kleineren Portionen nicht mehr als 0,5 Liter zu sich zu nehmen. Die Getränke sollten eher elektrolytreich und damit auch natriumreich sein. Eine geringe Menge an Kohlenhydraten schadet auch nicht, selbst wenn die Laufzeit fast zu kurz ist, um sie wirksam werden zu lassen. Ein niedriger Natriumgehalt wird für Patienten mit Bluthochdruck empfohlen, ist aber während sportlicher Belastungen eher kontraproduktiv.

Welche Speisen sind für Läufer ideal? Obst, vielleicht Kekse oder Müsliriegel?

Meyer: Man kann sicherlich ohne feste Speisen einen Fünf-Kilometer-Lauf überstehen. Neben der Flüssigkeitsaufnahme bieten viele Hersteller kleine Riegel und Ähnliches an. Trockene Kekse werden auch meist gut vertragen. Die Verträglichkeit steht überhaupt an erster Stelle. Insofern bieten sich saure Früchte in der Regel nicht an.

Bevor man zu laufen beginnt, kann man gut und gerne den ein oder anderen Euro ausgeben. Wo lohnt es sich aus Ihrer Sicht wirklich, auf gutes Material zu achten?

Meyer: Ein Laufanfänger, der ohne Einschränkungen sporttauglich ist, benötigt zu Beginn mit Sicherheit keine Spezialausrüstung und auch keine leistungssportliche Diagnostik. Wichtig ist bequeme und das Schwitzen ermöglichende Kleidung, die ein "natürliches" Laufen nicht einschränkt. Bei den Schuhen sollte man sich durchaus beraten lassen, aber ein Anfänger benötigt gewiss keine Laufschuhe, die über 100 Euro kosten.

Auch Sie haben mit dem Team der Universität bereits am Firmenlauf teilgenommen. Wie haben Sie den Lauf und das ganze Drumherum empfunden?

Meyer: Es war sehr stimmungsvoll, auch unser Team vom Institut für Sport- und Präventivmedizin hat das sehr positiv empfunden. Aus meiner Sicht wirklich ein schönes Erlebnis für alle. Als ehemaliger Wettkampfläufer wollte ich natürlich innerhalb unserer Mannschaft die beste Zeit laufen. Das ist mir leider nicht gelungen.