1. Saarland

"Viele Leute wollen sich nicht binden" Selbst die Seitenwände liegen auf Eis

"Viele Leute wollen sich nicht binden" Selbst die Seitenwände liegen auf Eis

Herr Breder, welche Sportarten kommen unter dem Dach des Eis- und Rollsportverbandes zusammen? Rolf-Dieter Breder: Wir haben sowohl im Eissport als auch im Rollsport die Sparte Kunstlauf. Dann gibt es den ehemaligen Rollschnelllauf, der nun Speedskating heißt. Dazu kommen noch vier Hockey-Arten auf Rollschuhen oder Inline-Skates

Herr Breder, welche Sportarten kommen unter dem Dach des Eis- und Rollsportverbandes zusammen?

Rolf-Dieter Breder: Wir haben sowohl im Eissport als auch im Rollsport die Sparte Kunstlauf. Dann gibt es den ehemaligen Rollschnelllauf, der nun Speedskating heißt. Dazu kommen noch vier Hockey-Arten auf Rollschuhen oder Inline-Skates. Eisschnelllauf und Short Track haben wir im Moment nicht besetzt. Dazu hätten wir auch keine Gelegenheit, weil beides mit nur einer kleinen Bahn nicht machbar wäre. Außerdem gibt es hier auch keinen Bedarf. Das war früher anders, als es noch die Eisbahn in Saarbrücken gab.

Was hat sich durch die Schließung der Eishalle in Saarbrücken geändert?

Breder: Danach ist die Zahl der Mitglieder des 1. ERC Saarbrücken auf ein Zehntel geschrumpft. Außerdem ging das breite Publikum verloren und damit auch die Leute, die für den Eissport und weiterhin für den Rollsport akquiriert werden konnten. Früher haben einige Saarländer in Zweibrücken trainiert. Dort ist der ERC Homburg-Zweibrücken ansässig, der für Rheinland-Pfalz startet. Doch die Leute mussten dort aus Platzgründen zu ungünstigen Zeiten wie beispielsweise sonntags um 6 Uhr trainieren. Manche sind für das Training auf dem Eis sogar nach Mannheim gefahren.

Sigrid Müllenbach: Der Rücklauf wirkte sich dann auch auf den Rollkunstlauf aus, weil viele unserer Läufer im Sommer auf die Rollen umgestiegen sind. Das war wegen der Nähe zur Anlage am Ludwigsberg ganz praktisch.

Wo kann man im Saarland überhaupt Eis- oder Rollsport ausüben?

Breder: In Dillingen gibt es eine Eiskunstlaufbahn, in Homburg eine Rollkunstlauf-Bahn mit Flutlicht und eine dazu gehörende Schnelllauf-Bahn mit erhöhten Kurven. In Saarbrücken haben wir eine überdachte Kunstlaufbahn am Ludwigsparkstadion und im St. Wendeler Wendelinuspark einen Skatepark.

Wie hat sich das Vereins- und das Verbandsleben Ihrer Sportarten verändert?

Breder: Es hat sich beim Schnelllauf wegen der Stadtmarathons und Stadtläufe getrennt: Bei diesen Läufen kann man Geld gewinnen, und deshalb wanderten viele Sportler aus den Vereinen ab. Um an einem solchen Stadtlauf teilzunehmen, muss man meistens nicht Mitglied in einem Verein sein.

Sind Ihre Sportarten besonders anfällig für die Auswirkungen der allgemeinen Individualisierung?

Breder: Viele Leute wollen sich nicht an einen Verein binden, und die kann man auch nicht organisieren. Das Problem gibt es nicht nur bei uns im Saarland, das ist bundesweit so.

Müllenbach: Das ist einfach ein Trend, der aktuell vorherrscht. Und es betrifft nicht nur uns.

War das früher besser?

Breder: Früher waren die Leute bereit, größere Strecken auf sich zu nehmen. Das hat sich mittlerweile gelegt. Viele Eltern sind auch nicht mehr bereit, ihre Kinder für das Schnelllauf-Training quer durchs Saarland zu fahren.

Die Benzinkosten steigen, und das muss man auch einsehen.

Hat man es damals verpasst, sich frühzeitig besser aufzustellen?

Breder: Nein, das glaube ich nicht. Wir konnten unsere Sportart früher auch in Schulen präsentieren. Aber die Resonanz für einen Vereinseintritt war gleich null. Es bleibt einfach das Problem, dass sich die Leute nicht mehr organisieren lassen. Ein weiteres Hindernis ist auch: Den Rollkunstlauf kennt zum Beispiel fast niemand. Und wir haben Schwierigkeiten, publik zu machen, dass es in Saarbrücken einen Verein gibt, der das anbietet.

Müllenbach: Was das Eislaufen angeht, kann ich nur sagen, dass sich die Vereine sehr wohl auch über den Publikumsfaktor hinaus darum bemüht haben, neue Mitglieder zu gewinnen. Zum Beispiel wurde zusammen mit der Landesanstalt für Pädagogik und Medien (LPM) und dem Bildungsministerium ein Programm entwickelt, das Lehrer dazu qualifiziert, mit ihrer Klasse in einer Eishalle trainieren zu dürfen. In den Sommermonaten versucht man, die Sportlerinnen und Sportler zu halten, in dem man Trockentraining oder Athletiktraining anbietet.

Spielt auch eine Rolle, dass die Rollsportarten nicht olympisch sind?

Breder: Ja, das spielt eine große Rolle. Wenn man man schaut, dass bei anderen Sportarten die vorderen Plätze schon Geld einbringen können und über Großvereine auch mit Sponsoren ausgestattet sind. An solche Sponsoren kommen wir überhaupt nicht ran. Würden wir jetzt als neue Disziplin zu den Olympischen Spielen stoßen, gäbe es die Hoffnung, dass sich mehrere Sponsoren engagieren würden. Wir bemühen uns von Seiten des Deutschen Rollsport- und Inlineverbandes und des Europäischen Rollsportverbandes seit Jahren, endlich olympisch zu werden. Aber bisher leider vergebens.

Welche Auswirkungen hatte das Aufkommen von Inlineskates für Ihre Rollsportarten?

Breder: Da muss man unterscheiden zwischen den Sportlern, die bei Wettbewerben mitlaufen, und den Freizeitläufern. Von Letzteren sind einige langfristig dabei geblieben, und einige gingen auch in die Vereine. Diejenigen, die früher schon Rennen mit Rollschuhen gefahren sind, mussten nach einer vierjährigen Übergangszeit quasi zwangsweise auf Inliner umsteigen, um an den nationalen und internationalen Wettbewerben teilnehmen zu können. Man dürfte Rollschuhe zwar immer noch benutzen, aber die Inliner sind einfach bequemer und deshalb beliebter.

Ist Ihr Verband derzeit finanziell gut aufgestellt?

Breder: Wir können uns eigentlich noch nicht beschweren.

Was wünschen Sie sich dann noch für Ihren Verband?

Breder: Eine anständige, geschlossene Bahn oder Halle für die Rollkunstläufer. Dann könnte man hier auch mal internationale Wettbewerbe wie Europa- oder Weltmeisterschaften austragen.

Warum sollten sich jüngere oder ältere Menschen ausgerechnet für Ihren Sport entscheiden?

Breder: Wir haben eine gesunde Sportart, bei der man alle Muskeln bewegt und sich in Disziplin üben muss. Spät- oder Folgeschäden kennen wir beim Schnelllauf überhaupt nicht. Beim leistungsmäßig betriebenen Kunstlauf ist das etwas anderes, aber die Vorteile von Inlinern liegen auf der Hand - auch als Fortbewegungsmittel. Wenn sich die Inline-Skater auch noch in einem Verein organisieren würden, hätten sie noch viel mehr davon. Der frühere Schwimmer und heutige Sportfunktionär Klaus Steinbach hat vor zehn Jahren einmal gesagt, dass er Radfahren für den gesündesten Sport hielte. Als er dann einmal auf Inlinern gefahren ist, fand er das besser, weil man dabei nicht so tief fallen kann.

Müllenbach: Die Sportarten sind gesundheitlich gesehen gut dafür geeignet, auch im hohen Alter noch Sport zu treiben.

serv-online.de

Saarbrücken. Winterzeit ist Eislaufzeit. Für viele ist das der Startschuss, sich die Schlittschuhe zu schnappen und auf eine Eislaufbahn zu gehen. Doch für die Saaarbrücker ist das allerdings nicht ganz einfach. Denn seit sieben Jahren ist die ehemalige Eislaufhalle in der Nähe der Saarlandhalle nun schon geschlossen. Besonders der Saarländische Eis- und Rollsportverband leidet unter den fehlenden Gegebenheiten.

"Nach der Schließung ist die Zahl der Mitglieder des 1. ERC Saarbrücken auf ein Zehntel geschrumpft", erläutert Rolf-Dieter Breder, der Vorsitzende des Saarländischen Eis- und Rollsportverbandes (SERV). "Außerdem ging das breite Publikum verloren und damit auch die Leute, die für den Eissport und weiterhin für den Rollsport akquiriert werden konnten." Da die Dillinger Eishalle privat und nicht für jedermann in der Nähe liegt, reicht diese dem Verband zum Trainieren allein nicht aus. "Eine Landeshauptstadt ohne Eishalle, das ist traurig", beklagt Breder. Eine Eröffnung einer neuen Sportstätte sieht er aber als unwahrscheinlich an, da es enorme Auflagen zu erfüllen gäbe.

Immerhin gibt es noch die Rollschuhbahn in Saarbrücken an der Saarlandhalle. Jedoch sind die Trainingszeiten dort immer stark vom Wetter abhängig. Ist es schlecht, so kann dort nicht trainiert werden. Deshalb hat der Eis- und Rollsportverband den Wunsch, an mindestens zwei Seiten Wände hochzuziehen, um den Trainingsbetrieb auch dann aufrecht zu erhalten. Ein entsprechender Antrag liegt der Stadt Saarbrücken vor.

Eine Hürde gilt es allerdings noch zu überwinden. Die Rollschuhbahn liegt unmittelbar neben dem Stadion am Ludwigspark, welches in nicht allzu ferner Zukunft umgebaut werden soll. Somit wäre zusätzlich die Rollschuhbahn davon betroffen.

Aber der derzeitige Stand in Sachen Stadionumbau ist auch noch kein verlässlicher. Die Machbarkeitsstudie liegt inzwischen vor. Auch haben die Stadt Saarbrücken und die Landesregierung auf deren Grundlage dem Neubau des Ludwigsparks eine Absage erteilt und eine Sanierung im Bestand angekündigt. Eine Zusage für die Seitenwände ist dies aber nicht. Zunächst einmal müssen nun die Pläne für die Sanierung her. Solange die aber noch nicht vorliegen, ist auch nicht klar, ob die Rollschuhbahn weichen muss, um zum Beispiel Park- oder Stellplätze für Ü-Wagen der Fernsehanstalten zu bauen. Und unter diesen Umständen liegt der Antrag auf die Einrichtung der Seitenwänden erst einmal auf Eis. Wie lange? Das weiß derzeit niemand. khe Foto: Wieck

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"Eine Landes-

hauptstadt ohne Eishalle,

das ist traurig."

Rolf-Dieter Breder, Vorsitzender

des Eis- und Rollsportverbandes