Verwirrung um Oettingers Aussagen zum Atomkraftwerk Cattenom

Saarbrücken · Über den Verlauf eines Gesprächs zwischen EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) und der saarländischen EU-Bevollmächtigten Helma Kuhn-Theis (CDU) über das Atomkraftwerk Cattenom herrscht in einem zentralen Punkt Unklarheit. Kuhn-Theis hatte nach ihrer Rückkehr aus Brüssel berichtet, Oettinger habe signalisiert, dass er es für möglich halte, dass Cattenom binnen neun Jahren vom Netz geht.

Auf SZ-Anfrage erklärte Oettingers Sprecherin jedoch, der EU-Kommissar habe sich nicht zur Schließung von Cattenom geäußert. Er habe unterstrichen, dass jeder EU-Mitgliedstaat selbst entscheiden müsse, ob er die Betriebsdauer eines AKW verlängere.

Kuhn-Theis blieb gestern bei ihrer Darstellung. Der Leiter der Saar-Vertretung in Brüssel, Stefan Feiler, bestätigte ihre Version: "Die Regierung Hollande hat letztes Jahr ein Konzept vorgelegt, wonach sie in den nächsten zehn Jahren ihren Anteil der Kernernergie von derzeit 75 auf 50 Prozent reduzieren will. Daraus hat Herr Oettinger die Schlussfolgerung geäußert, dass - wenn ein Drittel der Kernkraftwerke abgeschaltet wird - Cattenom als eines der älteren möglicherweise dazu gehört. Das hat er so gesagt, dafür verbriefe ich mich."