1. Saarland

Verwaistes Schulhaus als Zeuge der örtlichen Geschichte

Verwaistes Schulhaus als Zeuge der örtlichen Geschichte

Niedergailbach. Als bisher schönste Volksschule des Saarlandes bezeichnete Kultusminister Dr. Emil Straus das neue Niedergailbacher Schulhaus. Das war am 14. September 1950. Heute steht das Gebäude, an das sich die Gemeinschaftshalle anschließt, größtenteils ungenutzt in der Dorfmitte

Niedergailbach. Als bisher schönste Volksschule des Saarlandes bezeichnete Kultusminister Dr. Emil Straus das neue Niedergailbacher Schulhaus. Das war am 14. September 1950. Heute steht das Gebäude, an das sich die Gemeinschaftshalle anschließt, größtenteils ungenutzt in der Dorfmitte. Bis vor wenigen Tagen hörte man noch einmal Kinderlachen, da war die Gersheimer Kindertagesstätte wegen eines Wasserschadens ins "Golddorf" ausgelagert. Momentan nutzt nur noch der Ortsrat den ehemaligen Büchereiraum für Sitzungen. Sonst passiert nichts mehr. Als erste Gemeinde des damaligen Homburger Landkreises hatte Niedergailbach nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Schulhaus bekommen. Es löste damals ein schon vor dem Weltkrieg als zu klein gewordenes, 1820 erbautes, Schulgebäude ab. Zudem war dieses in den letzten Kriegsmonaten total zerstört worden. So wurden die Kinder in den ersten Nachkriegsjahren im Gasthaus Rauch unterrichtet. Erst 1949 wurde mit dem Neubau begonnen. In der Blütezeit des Hauses befanden sich im Obergeschoss zwei Lehrsäle, ein Lehrmittelraum und der Sitzungsraum für den Gemeinderat. Auch hielt die Verwaltung wöchentlich "Bürostunden" ab. Die im Erdgeschoss installierte Schülerbrause musste Mitte der 1960er Jahren einem Bücherei- und Sitzungsraum weichen. Zudem wurde das bestehende Volksbad mit Brause- und Wannenbädern in den 1970er Jahren geschlossen. Die Volksschule verlor 1974 ihre Eigenständigkeit. Seither ist sie Teil der Grundschule in Reinheim, wurden jedoch noch Klassen in Niedergailbach als Dependance unterrichtet. 1976 wurde auch diese Auslagerung beendet, die Säle waren verwaist. Nachdem die Säle einige Jahre ungenutzt blieben, richtete sich die Katholische Jugend und der Männergesangverein die Räumlichkeiten für ihre Zwecke her. Doch auch das war nur eine Übergangslösung, denn nach einer umfassenden Renovierung diente das Haus ab dem Schuljahr 1988/89 wieder als Schulstätte. Die letzten Klassen, im Schuljahr 2002/03, wurden von Marliese Bruch und Theophile Rauch unterrichtet. In der jüngeren Geschichte war auch der Gersheimer Kindergarten während des Neubaus aufgenommen worden. Ortsvorsteher Otmar Gros bedauert, dass das Haus nicht hinreichend genutzt werde, dankte aber insbesondere Beate Vinzent dafür, dass sie trotz des "Leerstandes" im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft liebevoll für den Blumenschmuck sorgt. ott