Verurteilter Missbrauchstäter arbeitet weiter für Bistum Trier

Merzig. Ein ehemals vom Trierer Landgericht wegen Missbrauchs verurteilter Geistlicher arbeitet weiter in einer Kirchengemeinde als Kooperator. Opferverbände protestieren. Das Bistum Trier sieht dagegen kein Problem.Es sei kein einmaliger Vorgang, dass der 1995 verurteilte Priester wieder in einer Gemeinde eingesetzt wird, erklärt Bistums-Sprecher Stephan Kronenburg

Merzig. Ein ehemals vom Trierer Landgericht wegen Missbrauchs verurteilter Geistlicher arbeitet weiter in einer Kirchengemeinde als Kooperator. Opferverbände protestieren. Das Bistum Trier sieht dagegen kein Problem.Es sei kein einmaliger Vorgang, dass der 1995 verurteilte Priester wieder in einer Gemeinde eingesetzt wird, erklärt Bistums-Sprecher Stephan Kronenburg. "Der Punkt ist: Es gab ein forensisches Gutachten mit dem Ergebnis, dass der Priester noch in der Seelsorge arbeiten kann, aber nicht in der Kinder- und Jugendarbeit."

Der Priester war wegen sexuellen Missbrauchs von 15 Mädchen zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Nach SZ-Informationen arbeitet er inzwischen in einer Pfarrei im Großraum Merzig als Klinikseelsorger. Aushilfsweise feiert er auch Messen und spendet Sakramente.

Ein kirchlicher Bediensteter, der den Fall sehr genau kennt, wundert sich darüber, dass der katholische Priester auch wieder reguläre Gottesdienste feiern kann. "Wer schützt denn die jungen Messdienerinnen davor, alleine mit dem Pastor in der Sakristei zu sein", fragt der Kritiker der aus Angst vor dienstrechtlichen Konsequenzen anonym bleiben möchte. Die Sakristei sei schließlich ein "unkontrollierbarer Bereich".

Bistums-Sprecher Stephan Kronenburg weist diese Vorwürfe zurück. Zum einen sei der Pastor nicht in der Kinder- und Jugendarbeit tätig, erklärt er in einer Stellungnahme. "Kontakt zu Jugendlichen und Kindern gibt es natürlich überall", räumt der Bistums-Sprecher ein. Allerdings seien alle Verantwortlichen vor Ort informiert. Der zuständige Dechant bestätigt das. Er sei entsprechend der Leitlinien unterrichtet worden. Zudem sei "der Fall ja damals gerichts- und presseöffentlich gewesen", betonen sowohl das Bistum und als auch der Dechant. Und letzterer fügt hinzu: "Der Kooperator ist nicht alleine mit Kindern und Jugendlichen." Das treffe auch auf die Sakristei zu.

"Priester, die straffällig geworden sind, gehören nicht mehr in die Seelsorge", sagt dagegen die geistliche Leiterin der katholischen Jugendorganisation KSJ, Jutta Lehnert gegenüber dem "Trierer Volksfreund". Und sie fügt hinzu: "Null Toleranz, das sage auch der Papst." kat/stl