Verlässt der Hubschrauber des ADAC Christoph 16 den Winterberg?

Rettungshubschrauber : Verlässt „Christoph 16“ den Winterberg?

Damit der Hubschrauber seinen Einsatzradius besser ausschöpfen kann, könnte er in die Landesmitte verlegt werden. Es gibt bereits eine konkrete Idee.

Jedes Kind im Saarland kennt „Christoph 16“, den gelben Hubschrauber der ADAC-Luftrettung. Pro Jahr hebt er zwischen 1100 und 1700 Mal ab. Es könnten noch mehr Einsätze sein, wenn der Helikopter nicht direkt an der Grenze zu Frankreich stationiert wäre. Denn der Einsatzradius von 50 bis 70 Kilometer um den Saarbrücker Winterberg herum befindet sich zu fast einem Drittel auf französischem Hoheitsgebiet – und französische Leitstellen fordern „Christoph 16“ so gut wie nie an.

Der Standort im tiefsten Süden des Saarlandes hat zur Folge, dass für Notfalleinsätze im nordwestlichen Zipfel des Saarlandes, in der Gegend um Perl, regelmäßig ein Rettungshubschrauber vom Luxemburger Flughafen Findel aus einfliegen muss. Er wird von der Flugrettungsgesellschaft der Luxembourg Air Rescue extra für Einsätze im nördlichen Saarland und in der Südeifel vorgehalten.

Weil dies als nicht besonders wirtschaftlich angesehen wird, lässt das saarländische Innenministerium als Träger der Luftrettung derzeit untersuchen, ob „Christoph 16“ am richtigen Ort stationiert ist. Gemeinsam mit Rheinland-Pfalz hat das Ministerium ein Gutachten in Auftrag gegeben, das zunächst die Frage klären soll, ob es in der Region Saarland/Westpfalz Bedarf für einen weiteren Hubschrauber gibt (die SZ berichtete). Bestandteil dieser Analyse ist aber auch „eine Einschätzung der einsatztaktischen Lagegunst“ des derzeitigen Standortes von „Christoph 16“, wie das Innenministerium auf SZ-Anfrage mitteilte. Aussagen über „möglicherweise erforderliche Modifizierungen der bestehenden Luftrettungsstruktur“ könnten erst getroffen werden, wenn die Analyse vorliegt.

Fachleute aus dem Rettungsdienstbereich halten Folgendes für möglich: „Christoph 16“ könnte nach Norden in die Landesmitte verlagert werden und ein neuer, in der Westpfalz (beispielsweise Zweibrücken) stationierter Helikopter dann Einsätze im Bliesgau übernehmen.

Befürworter einer Verlagerung der Luftrettungsstation findet man vor allem bei den Krankenkassen, die den Betrieb des Hubschraubers finanzieren und sich eine bessere Auslastung wünschen – die wegen des eingeschränkten Einsatzradius derzeit kaum möglich ist.

„Wenn der Hubschrauber zentraler, beispielsweise in der Region Lebach, stationiert werden würde, könnte eine größere Abdeckung im Saarland erzielt werden“, heißt es bei der Krankenkasse AOK Rheinland-Pfalz/Saarland. „Dies würde gleichzeitig zu einer Verbesserung der Versorgungsqualität sowie der Verwendung der Mittel der Beitragszahler führen.“ Auch andere Krankenkassen fordern, die Luftrettung möglichst wirtschaftlich zu organisieren.

Die Luftrettung, so schreibt es das Gesetz vor, muss eigentlich kostendeckend arbeiten. Dazu handeln Krankenkassen mit dem Innenministerium als Träger der Luftrettung die Entgelte aus. In der Vergangenheit hätten aber oft keine kostendeckenden Lösungen gefunden werden können, heißt es bei der ADAC-Luftrettung. Man müsse eine Vielzahl flugbetrieblicher und medizinischer Regelungen und Vorschriften erfüllen, die teilweise hohe Kostensteigerungen verursachten.

Nach Ansicht der ADAC-Luftrettung würde „eine höhere Auslastung durch den adäquaten Einsatz des Rettungsmittels“ dessen Finanzierung erleichtern. In die Standort-Diskussion will man sich aber nicht einmischen. Darüber entscheide das saarländische Innenministerium. „Die ADAC-Luftrettung fungiert dort als reiner Leistungserbringer.“

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