1. Saarland

Vergessene Schätze aus alten Zeiten

Vergessene Schätze aus alten Zeiten

Türkismühle. "Untergegangene Industrien im Hochwald-Hunsrückraum? An einiges kann ich mich ja noch erinnern", mag sich mancher Bürger sagen und aus seinem Gedächtnis vielleicht die Dampfziegelei in Sötern-Waldbach, die Eisener Schwerspatgrube und die Ellweiler Uran-Anlage herauskramen

Türkismühle. "Untergegangene Industrien im Hochwald-Hunsrückraum? An einiges kann ich mich ja noch erinnern", mag sich mancher Bürger sagen und aus seinem Gedächtnis vielleicht die Dampfziegelei in Sötern-Waldbach, die Eisener Schwerspatgrube und die Ellweiler Uran-Anlage herauskramen. Womöglich haben Zeitgenossen auch schon davon gehört, dass es früher viele Mühlen gab, rund um Sitzerath einst die Nagelschmiede ihr Handwerk betrieben hatte und in Walhausen einmal Kupfer und Blei abgebaut wurde.Das alles ist jedoch nur ein Bruchteil von dem, was es an Industrien in unserer Region gegeben hat. In Helmut Weilers Buch kann sich der Leser ausführlich informieren. Er und sieben weitere Schreiber geben allerdings zu, dass sie sich, wie es im Vorwort heißt, auf wenige Themen beschränkt haben, vornehmlich auf die Gebiete der Landwirtschaft und des Bergbaus mit der Weiterverarbeitung der gefundenen Bodenschätze. Das heißt nichts anderes, als dass es in unserer Heimat einst noch viele andere Industrien gab. Den beschriebenen Industriezweigen zuliebe haben die Schreiber sogar die Hochwald- und Hunsrückregion verlassen, haben Abstecher ins Moselgebiet und in den Westrich gemacht sowie das Ostertal und das Bohnental mit Texten bedacht. Sogar die Tabakindustrie, das Bierbrauergewerbe und die frühere Blauzeugdruckerei in St. Wendel sind mit einbezogen worden.

Es fällt nicht leicht, aus der Fülle der gut recherchierten Beiträge die herauszugreifen, die zum Lesen anregen sollen. Interessant ist zum Beispiel, dass die von 1895 bis 1993 bestehende Dampfziegelei in Sötern-Waldbach - ihr Bild ziert übrigens die Titelseite des Buches - in der Nähe eine Konkurrenz hatte: die Schwarzenbacher Ziegelei, die 1939 ihre Produktion einstellte. An die Birkenfelder Ziegelei wurden die Besucher der Stadt immer dann erinnert, wenn sie in der Saarstraße unter der Drahtseilbahn hindurchfuhren, die den Lehm zu dem mit einer Dampfmaschine arbeitenden Betrieb beförderte. Durch Birkenfeld fuhr einst sogar eine Schmalspurbahn, welche vom Degussa-Werk (seine Hauptprodukte waren Holzkohle, Essigsäure und Holzgeist) in Brücken zum Bahnhof transportierte. Die Bahn wurde anfangs von Pferden gezogen, ab 1913 von einer Benzol-Lok.

Viktor Heck widmet der Mühlengeschichte ein großes Kapitel. Der Abschnitt "Baugewerbe" beschäftigt sich mit Steinen, Schiefer, Kalk und Fliesen. Dass sich viele Menschen früher durch Heimarbeit ihren Lebensunterhalt verdienten, wird an mehreren Beispielen dargestellt. Dazu gehörten zum Beispiel die Siebmacher, die Horn- und Holzdrechsler und die Nagelschmiede. Eine große Bedeutung hatte die Eisen- und Hüttenindustrie, weil die gesamte Region reich an verschiedenen Bodenschätzen war und es bis heute ist. Ausführlich geht zum Beispiel Reimund Benoist auf den Kohle- und Kalkabbau im Ostertal ein. Schmucksteine und Rötel sind in dem Buch ebenso wenig vergessen wie Nahrung, Kleidung und Genussmittel. Selbst dem Orgelbau sind drei Seiten gewidmet. Wichtig für die Leser sind die den Beschreibungen zugesellten technischen Abläufe in den Betrieben. Bei der Inhaltsangabe am Anfang des Buches wären die Seitenzahlen dem Leser eine Hilfe gewesen. So muss er auf das Stichwortverzeichnis am Ende zurückgreifen.

 Stollen im Kupfererzbergwerk Walhausen. Foto: Archiv Wolfgang Kilian, Walhausen
Stollen im Kupfererzbergwerk Walhausen. Foto: Archiv Wolfgang Kilian, Walhausen

"Untergegangene Industrien im Hochwald-Hunsrückraum", 170 Seiten, Verlag Burr, Otzenhausen, 17,50 Euro, erhältlich im Buchhandel und im Verlag Burr. ISBN 978-3-9813149-3-9.