1. Saarland

Verdi-Quartett dringt zu den seelischen Abgründen des Hörers

Verdi-Quartett dringt zu den seelischen Abgründen des Hörers

Saarbrücken. Ein geradezu in Watte verpackter Mozart war am Freitag das Einleitungs-Angebot des Verdi-Streichquartetts im 3. Saarbrücker Kammerkonzert in der Musikhochschule Saar. So weich und feinintoniert hört man das d-Moll-Quartett KV 421 nicht alle Tage

Saarbrücken. Ein geradezu in Watte verpackter Mozart war am Freitag das Einleitungs-Angebot des Verdi-Streichquartetts im 3. Saarbrücker Kammerkonzert in der Musikhochschule Saar. So weich und feinintoniert hört man das d-Moll-Quartett KV 421 nicht alle Tage. Susanne Rabenschlag (Violine), Matthias Ellinger (Violine), Karin Wolf (Bratsche) und Zoltan Paulich (Cello) bemühten sich, die deklamatorische Motivik und und die dissonanten Schroffheiten (Allegro und Menuett) zu glätten.Poetische Verzauberung war ihr Markenzeichen. Ständig waren sie auf der Suche nach den lyrischen und sanglichen Elementen der Mozart'schen Kunst. Eine sympathische Interpretation, die den musikalischen Alltagstrott durch Gefühlswärme angenehm veränderte.

Auch im e-Moll-Streichquartett ihres Namensgebers Giuseppe Verdi hielten sich die vier an dieses Schema. Was der Komponist im Allegro als "dolce" bezeichnet, war für sie das Stichwort zu Innigkeit und Beseligung. Raffinierte harmonische Finessen schmeichelten dem Ohr.

Echter romantischer Geist à la Mendelssohn paarte sich mit tänzerischer Grazie. Die sonoren Mittelstimmen kamen charakteristisch zu Wort. Feine Bratschen- und Cello-Soli hellten das polyphone Geflecht auf. Gelungen die abschließende Scherzo-Fuge, die mit Witz und Esprit das Ganze mit prickelnder Würze übergoss.

Zum Schluss Debussys g-Moll-Streichquartett op.10, dessen impressionistische Subtilitäten in der stimmigen Spielweise des Verdi-Ensembles bunt aufblühten. Die ungewöhnliche Rhythmik, die klangvolle Akkordik mit ihren gedämpften Dissonanzen oder die extravagante Melodik kamen erst so zu ihrer vom Komponisten beabsichtigten bewusstseinsverändernden Wirkung.

Denn gerade dieser innerliche Interpretationsansatz erleichterte es im psychologischen Sinne der Musik, zu den seelischen Abgründen des Hörers vorzudringen und die Grenzen des Transzendentalen zu durchbrechen. Eine wohlproportionierte Deutung, die mit Bravorufen und prasselndem Beifall belohnt wurde. pes