Verdacht auf Kindesmissbrauch am Uniklinikum Homburg während Operation

Kostenpflichtiger Inhalt: Missbrauch im OP-Bereich? : Neue Verdachtsfälle wegen Kindesmissbrauch in Homburger HNO-Klinik

Polizei und Staatsanwaltschaft beschlagnahmen bei einer Durchsuchung am Universitätsklinikum Akten von drei Kindern.

Nach Berichten über den möglichen sexuellen Missbrauchs eines damals sechs Jahre alten Mädchens im Bereich der OP-Zone in der Klinik für Hals-,Nasen-, und Ohrenkrankheiten (HNO) am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) im Jahr 2012 gibt es zwischenzeitlich weitere Verdachtsfälle. Dennis Zahedi, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken, bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung entsprechende Informationen. Polizei und Staatsanwaltschaft traten an diesem Mittwoch in der HNO-Klinik auf richterliche Anordnung zur Durchsuchung auf den Plan. Zudem wurde bei einer nicht näher bezeichneten Klinik in Rheinland-Pfalz durchsucht. Dort sollen Patientenakten gelagert gewesen sein.

Hintergrund ist der Fall eines Mädchens das im Juli 2012 in der HNO-Klinik operiert worden ist. Nach dem Eingriff fiel einem Mediziner eine frische, blutende Verletzung des Kindes im Intimbereich auf. Die Unterhose, die das Kind bis zur OP trug, wies allerdings keine Blutspuren auf. Noch im Operationssaal riefen die Ärzte eine Rechtsmedizinerin und eine Kinderärztin zur ersten Begutachtung. Nach SZ-Informationen wurde die Verletzung als verdächtig auf äußere Gewalteinwirkung eingestuft. Die Klinik erstattete damals aber keine Strafanzeige und riet angeblich auch den Eltern davon ab. Erst im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Vorfällen in der Spezialambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie, die in diesem Sommer bekannt wurden, meldete sich die Mutter bei der Polizei und schaltete die Opferanwältin Claudia Willger ein Die daraufhin eingeleiteten Ermittlungen laufen gegen Unbekannt.

Nach der Berichterstattung über diesen Fall meldeten sich die Eltern eines im Jahr 2014 in der Homburger HNO-Klinik operierten Jungen bei den Ermittlern. Pressestaatsanwalt Zahedi: „Die Kindesmutter stellte nach der Operation im Aufwachraum eine blutende Wunde im Afterbereich fest, als sie dem Kind ein Zäpfchen verabreichen wollte.“ Auch in diesem Fall wurden jetzt Patientenakten und weitere Unterlagen beschlagnahmt, teilweise in der Klinik in Rheinland-Pfalz.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft stießen die Ermittler bei der Durchsuchung im UKS auf einen möglichen dritten Missbrauchsfall. Deshalb wurde noch während der laufenden Durchsuchungen ein weiterer richterlicher Beschluss beantragt und nach Erlass durch das Amtsgericht Saarbrücken unmittelbar vollstreckt. Sichergestellt wurde, so Zahedi, „umfangreiches Beweismaterial“, wie Patientenakten und E-Mail-Verkehr. Weitere Angaben, insbesondere zu dem dritten Verdachtsfall, lehnte die Staatsanwaltschaft ab.

Der SPD-Politiker Jürgen Renner forderte in einer ersten Reaktion, den Auftrag des bereits eingesetzte Untersuchungsausschusses um diese Vorfälle zu erweitern.

Henrik Eitel (CDU), Chef der Staatskanzlei und des UKS-Aufsichtsrates, forderte ein neues Leitbild zum Umgang mit Verdachtsfällen an der Uniklinik. Dabei müssten Transparenz und Aufklärung gewährleistet sein. Eitel kündigte eine Sondersitzung des Aufsichtsrates an. Zudem lud die Staatskanzlei für Donnerstag den Vorstand des UKS und den Leiter der HNO-Klinik ein, um die aktuelle Sachlage zu erörtern.

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