1. Saarland

Verband für Energiehandel rät: Jetzt Heizöltank kaufen

Fachtagung in Saarbrücken : Verband für Energiehandel rät: Jetzt den Heizöltank auffüllen

Die Preise für Heizöl werden auf absehbare Zeit nicht sinken, sagt der Verband für Energiehandel Südwest-Mitte. 37 Prozent aller Wohnungen im Saarland werden mit Öl beheizt.

Die Hoffnung auf niedrigere Heizölpreise in diesem Jahr können Deutschlands Hausbesitzer wohl begraben. „Ich sehe derzeit keinen Spielraum für eine sinkende Preistendenz“, sagte gestern Hans-Jürgen Franke, Geschäftsführer des Verbandes für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH), zu dem auch das Saarland gehört. „Ich halte einen Literpreis von einem Euro für das Heizöl auf absehbare Zeit für unrealistisch“, so Franke.

So viel kostet Heizöl momentan

Der durchschnittliche Literpreis für den Brennstoff lag am Donnerstag im Saarland bei rund 1,40 Euro (inklusive Steuern) bezogen auf die Abnahme von 3000 Litern, bestätigte Alexander Lesch vom Brennstoffhändler Raimund Lesch KG in Illingen-Uchtelfangen. Verbandsexperte Franke rät angesichts der Unwägbarkeiten am Energiemarkt (Ukraine-Krise) den Verbrauchern jetzt zum Auffüllen ihrer Tanks für den Herbst/Winter. Zur Not könne man ja auch die benötigte Menge auf zwei Lieferungen aufteilen. Wer besonders finanziell liquide ist, der könne sich zum jetzigen Preis auch für bis zu drei Jahre eindecken.

Im Saarland, erklärt der Verband, werden 37 Prozent der Wohnungen mit Öl beheizt, das entspricht rund 110 200 Wohnungen, gefolgt von Erdgas mit rund 30 Prozent (Zentralheizungen und Etagenheizungen). Dahinter folgt die Fernwärme mit 12,5 Prozent, der Rest entfällt auf Einzelheizungen und sonstige Heizquellen.

Versorgungslage mit Heizöl trotz Embargo sicher

Trotz des EU-Embargos auf russisches Öl sei die Versorgungslage bei Heizöl sicher, meint Franke. Die nationale Erdölreserve des Bundes sichere die Versorgung mit Heizöl und Kraftstoffen für rund drei Monate. Die aktuelle Lage zeige, wie gefährlich die Abhängigkeit von einzelnen Rohstofflieferanten sei. Daher plädiert der Verband für eine Diversifizierung am Wärmemarkt: „Das ist auch hinsichtlich der technischen Umsetzung der Energiewende im Gebäudesektor sehr wichtig.“

Der Brennstoffhandel fordere seit Jahren eine technologieoffene Debatte über klimaneutrale Lösungen. Eine moderne Gebäudeheizung müsse künftig als Kombination aus Solarthermie oder strombetriebener Wärmepumpe und einem ölbetrieben Brennwertkessel bestehen, also hybride Heizsysteme. So könnten die Stärken zweier Systeme zugunsten der Klimaneutralität und der Versorgungssicherheit miteinander kombiniert werden. Hier plädiert der Brennstoffhandel für den Einsatz klimaneutraler, flüssiger Brennstoffe wie „E-Fuels“, die aber nicht im gleichen Maß wie fossile Öle zur Verfügung stehen. Dem sollten die Hausbesitzer mit verstärkter Dämmung und der Einbindung anderer erneuerbarer Energiequellen begegnen. Wer umrüsten muss und bisher mit Öl oder Gas heizte, für den wird es richtig teuer. Das stelle etliche Eigenheimbesitzer „vor große finanzielle und bauliche Herausforderungen“, warnt der Verband.

Sind Pelletheizungen eine Alternative?

Öl- oder Gaskessel neuester Technologie kosteten ab 12 000 Euro, für einen Holzpelletkessel müsste etwa das Doppelte hingeblättert werden. Zudem brauchen die Pellets Lagerraum. Im Saarland spielen Pelletheizungsanlagen mit knapp zwei Prozent Anteil keine große Rolle. Anhänger dieser Heizungsart müssen jetzt aber auch tief in die Tasche greifen: Der Tonnenpreis für die gepressten Holzabfall-Blöckchen marschiert auf die Schwelle von 500 Euro zu, derzeit liegt er bei etwa 450 Euro, von Juli bis Jahresende 2020 kosteten die Pellets etwa 230 Euro pro Tonne. Der Grund für den Preisanstieg, sagt Verbandspräsident Thomas Rundel, liege in der Knappheit von Holz und dessen Abfällen (Spänen) und des bei der Erzeugung teureren Energieaufwands.

Kritik übt der Verband an der nationalen Energiegesetzgebung. Die sei „immer unübersichtlicher“. So galt bisher der Einbau eins einfachen Ölwertbrennkessels in Bestandsgebäude bis Ende 2025 als problemlos. Durch eine noch laufende Novellierung des Gebäude-Energie-Gesetzes (GEG) soll die Frist auf 2024 vorgezogen werden. Ab dann sollen bei einem Kesseltausch mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien eingebunden werden. Wer seit mindestens 2002 im eigenen Haus wohne, für den entfällt diese Pflicht ebenso, wenn die Heizungsanlage nicht älter als 30 Jahre ist. Wer eine Anlage mit Niedertemperatur- und Brennwerttechnik hat, darf sie weiterbetreiben. In Deutschland heizen rund 20 Millionen Menschen ihre Wohnungen mit Öl.

Keine Kohle mehr für das Saarland?

Im Saarland, dem einstigen Steinkohleland, wird in vielen Häusern noch Kohle verbrannt. Die Zeit der Deputate sei längst vorbei, also müsse der Bedarf beim Brennstoffhandel gedeckt werden, erklärt der Händler Alexander Lesch. Die Kohle dafür kam zuletzt aus Russland – die Quelle ist aufgrund des Embargos versiegt. „Wir suchen neue Lieferquellen für unseren Kohlebedarf, vielleicht Polen. Nach dem Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus kommt ja aus Deutschland nichts mehr,“, sagt Lesch. Auch hier wird es teuer. Gab es zuletzt noch Preise von 400 Euro je Tonne, stiegen sie kürzlich bis auf 900 Euro je Tonne. In Kürze werde man wissen, woher die Heizungskohle komme.