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Gemeinsame Resolution
Verbände wollen Saarländern das Auto abgewöhnen

(Symbolbild).
(Symbolbild). FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd
Saarbrücken. Umweltschützer verlangen von Verkehrsministerin Anke Rehlinger per Resolution mehr Einsatz für klimafreundliche Mobilität. Von Fatima Abbas
Fatima Abbas

Ein Zusammenschluss saarländischer Umwelt- und Verkehrsverbände verlangt von der hiesigen Politik deutlich mehr Engagement für die Verkehrswende. „Die Landesregierung muss mit Vorbildwirkung vorangehen“, heißt es in einer gemeinsamen Resolution des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), des Bundes für Umwelt und Naturtschutz (BUND), des Naturschutzbundes Nabu und des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Sie wollen ihren Forderungskatalog Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) heute übergeben. In dem Dokument „Verkehrswende Saarland. Jetzt!“ pochen die Verbände auf eine Abkehr vom „Saarland-Autoland“. Nötig seien mehr Rad- und Fußverkehr, ein Schienennetz mit neuen Direktverbindungen, neue Tarife für Busse und Bahnen sowie ein Mobilitätsgesetz nach dem Vorbild von Berlin.


Derzeit liegt der Radfahreranteil im Saarland laut ADFC bei zwei Prozent – dies sei der niedrigste Wert aller Bundesländer. „Über Jahrzehnte ist wenig gemacht worden“, kritisiert ADFC-Landeschef Thomas Fläschner. Das Radwegenetz sei weiterhin sehr lückenhaft. Die Landesregierung müsse Städten und Gemeinden Fachpersonal zur Verfügung stellen, um Fördergelder für den Netzausbau besser nutzen zu können. Bereits für das Jahr 2019 verlangen die Verbände unter anderem eine kostenlose Radmitnahme auf allen saarländischen Schienenstrecken und ein größeres Nahverkehrsangebot. Als mittelfristiges Ziel bis 2024 fordern sie, die Lücke bei der Stromversorgung auf der Nahe-Strecke zu schließen und Direktverbindungen nach Straßburg, Köln und Stuttgart auszubauen.

Außerdem seien Bus und Bahn viel zu teuer. „Die Preise sind asozial“, wettert Werner Ried, stellvertretender Landesvorsitzender des VCD. Das Saarland habe das kleinteiligste Wabensystem in ganz Deutschland, was vor allem auf dem Land für ungerechte Tarife sorge. Es würden zum Teil Waben berechnet, wo es gar keine Haltestellen gebe. Ried spricht von „idiotischen Strukturen“ und „Schikanenwaben“. Seit anderthalb Jahren verspreche die Verkehrsministerin eine Überarbeitung. Bisher sei jedoch nichts geschehen. „Wer in der Lage ist, den Flughafen mit Millionen zu subventionieren, der muss auch etwas für den Nahverkehr übrig haben.“ Stattdessen herrsche im Ministerium „Seelenfrieden durch Tatenlosigkeit“.



In einer ersten Stellungnahme äußerte das Ministerium Unverständnis für die Kritik. „Die saarländische Verkehrswende ist in Gang“, hieß es auf SZ-Anfrage. Den Verbänden müsse bewusst sein, dass man nicht „über Nacht“ die „Dominanz des Autoverkehrs brechen“ könne. Noch in diesem Jahr würden sich Arbeitsgruppen mit den Schwerpunkten Barrierefreiheit, ländlicher Raum, grenzüberschreitender Verkehr und Digitalisierung befassen. Auch die Lücken im Radwegenetz habe man längst in Angriff genommen. Die Resolution enthalte „Forderungen, die finanziell eher unrealistisch“ seien. Zum Beispiel seien Bahnstrecken „extrem teuer“, wenn „sie kaum einer nutzt“, so das Ministerium.