VdK-Landeschef Armin Lang sieht wichtige Zusammenhänge Warum das Saarland dringend neue Bündnisse zwischen Wirtschafts- und Sozialpolitik braucht

Wirtschafts- und Sozialpolitik sind in den Augen von VdK-Landeschef Armin Lang kein Gegensatz, sondern zwei Seiten einer Medaille.

VdK-Chef: Saarland braucht Bündnisse zwischen Wirtschafts- und Sozialpolitik
Foto: dpa/Jens Kalaene

Das aktuelle Drama um eine bedarfsgerechte Kindergrundsicherung hat einmal mehr offengelegt: Nichtstun, halbherziges Handeln oder gar falschen Zielen folgen ist langfristig viel teurer als die Sicherung sachgerechter Zukunftsinvestitionen in Lebens-, Gesundheits-, Arbeits- und Ausbildungsbedingungen.

 Armin Lang ist Landesvorsitzender des Sozialverbandes VdK Saarland.

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Jedes vierte Kind im Saarland ist armutsgefährdet

Auf Initiative der Diakonie hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW die Zusammenhänge zwischen Kinderarmut und ihren Auswirkungen auf Gesundheit, Bildung und soziale Teilhabe untersucht. Das Ergebnis ist erschütternd: Die gesellschaftlichen Kosten durch Kinderarmut betragen jährlich über 100 Milliarden Euro! Jedes fünfte Kind in Deutschland und fast jedes vierte Kind im Saarland ist arm oder armutsgefährdet. Bundesweit sind das rund drei Millionen Kinder und Jugendliche und im Saarland weit über 30 000!

In dieser dauerhaften Verelendung liegt die wichtigste Ursache für das vielfältige Schulscheitern, die Ausbildungsabbrüche, die viel zu frühen chronischen Erkrankungen und die Integrationsprobleme junger Menschen. Gleichzeitig wird über Fachkräftemangel geklagt. Ein wichtiger Lösungsansatz ist offenkundig: Kinderarmut beenden!

Kurskorrekturen - und zwar jetzt!

Auch an anderen Beispielen kann aufgezeigt werden, dass wir dringend weitere Kurskorrekturen brauchen:

  • Wir brauchen mehr aktive Arbeitsmarktpolitik mit passenden Qualifizierungs- und Nachqualifizierungsangeboten. Das gilt ganz besonders für langzeitarbeitslose Menschen, für Menschen mit Behinderungen und für besonders förderungsbedürftige junge Menschen beim Berufsstart.
  • Das „Chancenaufenthaltsrecht“ für in Deutschland schon länger lebende integrierte Migranten muss zur offensiven Ansprache und zur kontinuierlichen Qualifizierung dieser Menschen genutzt werden.
  • Auch mehr Investitionen in Gesundheit und Pflege sind jetzt dringend geboten. Nur gesunde Arbeitskräfte können in Unternehmen und Verwaltungen produktiv wirken und sich beim Zusammenhalt unserer Gesellschaft als „helfende Hände“ engagieren. Die Gesundheits- und Pflegeinfrastruktur wird zunehmend zum Standortfaktor, weil die älter werdende Gesellschaft wohnungsnahe, passende und auch bezahlbare Angebote braucht.

Sozialpolitik und Wirtschaftspolitik sind zwei Seiten einer Medaille

An diesen wenigen Beispielen wird deutlich: Eine gute Wirtschafts- und eine offensive Sozialpolitik dürfen nicht gegeneinander in Stellung gebracht werden. Sie sind immer zwei Seiten einer Medaille.

Deshalb brauchen wir schnellstens neue Bündnisse zwischen nachhaltig und zukunftsorientiert denkenden und handelnden Menschen in der Wirtschaft und in der sozialen Infrastruktur, die Denkblockaden in den politischen Entscheidungsstrukturen überwinden und offensiv eine Gesellschaft mit würdigem Leben für alle Menschen gestalten.

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