Unterwegs auf der Kunstroute

Wadern. Ein bisschen Politik, ein paar Geheimnisse aus seiner georgischen Heimat und jede Menge Gelächter: So schnell wie Igor Michajlow die Themen wechselt, so rasant tauscht er die Kreide aus, mit der er das Porträt seines Gegenübers auf Papier bringt

Wadern. Ein bisschen Politik, ein paar Geheimnisse aus seiner georgischen Heimat und jede Menge Gelächter: So schnell wie Igor Michajlow die Themen wechselt, so rasant tauscht er die Kreide aus, mit der er das Porträt seines Gegenübers auf Papier bringt. Dicht an dicht drängen sich die Zuschauer auf dem Waderner Marktplatz um den leuchtend gelben Pavillon, unter dem der Künstler für die vierte Waderner Kunstroute sein Freiluft-Atelier aufgebaut hat. Neben dem Kasten mit den zig Farben hat er seine Tasse mit Kaffee deponiert - ein Schluck, und weiter geht's."Eine Viertelstunde braucht er, bis er ein Bild fertig hat", verrät Michajlows nächstes Modell den herbeiströmenden Flaneuren. Und der fixe Maler hält Wort. Den paar kleinen Korrekturen mit dem Finger folgt ein Schwall Haarspray zum Fixieren. "Chanel Nummer 5", lacht der Mann aus Tbilissi, der sich Saarbrücken als Wahlheimat ausgesucht hat. "Ich habe mich schon ein paar Mal bei der KuWa beteiligt. In diesem Jahr wollte ich mal aktiv was machen", lacht er und lässt für ein weiteres Modell die Kreide über Papier tanzen. Vor drei Jahren hat die Stadt Wadern und die Galerie Multi Koppes den "Hauch von Montmartre" erstmals durch die Stadt wehen lassen - eine Idee, die auf Anhieb eine große Resonanz fand. "Wir holen die Kunst aus dem Elfenbeinturm und zeigen die Werke im alltäglichen Umfeld", umreißen die Initiatoren Jörg und Ron Koppes ihr Ziel. Ob in Kleider- oder Schuhgeschäften, in Cafés oder in der Buchhandlung: 20 unterschiedliche Arbeiten werden präsentiert - von Aquarell bis Acryl, von Keramik bis Speckstein. Das Blumenhaus Klatschmohn am Marktplatz wird zur Galerie für Mechthild Schneider. Faszinierende Winterimpressionen aus der Nähe von Oberlöstern paart die Fotografin, Trägerin des Monika-von-Boch-Preises, mit zauberhaften Ansichten aus der Normandie. "Ich widme mich dem Meer und mehr", sagt sie über ihre Motive.

"Meine Auftragsarbeiten haben meist eine fernöstliche Note - mit Bambus", verrät Natsuko Horinouchi, die ihre Arbeit bei Tafeldeko in unmittelbarer Nähe des Öttinger Schlösschens ausstellt. "In meiner Freizeit arbeite ich gerne mit Tusche und Guache ", meint die Japanerin, geboren in Tokio. Vor ein paar Jahren hat es sie ins sächsische Plauen verschlagen. "Es ist das erste Mal, dass ich im Saarland bin. Es ist sehr schön hier, und es gibt viele nette Leute." Über die Internetplattform Crossart seien die Gastgeber auf sie und ihre Arbeiten aufmerksam geworden", erzählt sie - ebenso wie auf Nicola Maier-Menzel aus Düren bei Köln. "Die moderne Technik macht das möglich", lacht die Malerin, die ihre Impressionen im Restaurant Zum Kurfürsten aufgehängt hat. Ihr Interesse an Menschen, Kultur und Umwelt bringt sie nach ihren Worten in den unterschiedlichen Motiven und Farben zum Ausdruck. "Ich komme gerne wieder, denn es ist sehr schön hier." Auf Schwarz, Weiß und hin und wieder ein leuchtendes Rot hat sich Barbara Ihle kapriziert. "Scherenschnitt macht eine Konzentration auf das Wesentliche unerlässlich", beschreibt die Meisterin ihres Faches die Arbeit. Ob Clowns, der Carneval in Venedig, Popsänger, das Frauenbein mit dem knatschroten Pumps: Sie interpretiert diese trationelle Kunst in klassischer und moderner Form. "Ich mache sehr viele Entwürfe", verrät die Fachlehrerin für Kunst und Werken, die seit langem mit ihrem Mann in Wadern wohnt. Zum wiederholten Male präsentiert sie bei der KuWa ihre filigranen Arbeiten - diesmal bei Martin Regert Hairdesign - und hat viele Bewunderer.

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