1. Saarland

"Unsere Existenz steht auf dem Spiel"

"Unsere Existenz steht auf dem Spiel"

Sulzbach. An einer Hand abzählen konnte man gestern die Patienten der orthopädischen Gemeinschaftspraxis Dres. Gombert, Caspary, Würker in Sulzbach. Nur absolute Notfälle und Leute, die das Praxis-Team nicht mehr abbestellen konnte, weil ihr Termin schon vor fünf, sechs Wochen vereinbart war, wurden hier noch behandelt. Einer von ihnen: Egon Neuner aus Merzig

Sulzbach. An einer Hand abzählen konnte man gestern die Patienten der orthopädischen Gemeinschaftspraxis Dres. Gombert, Caspary, Würker in Sulzbach. Nur absolute Notfälle und Leute, die das Praxis-Team nicht mehr abbestellen konnte, weil ihr Termin schon vor fünf, sechs Wochen vereinbart war, wurden hier noch behandelt. Einer von ihnen: Egon Neuner aus Merzig.

Mit der bundesweiten Streik-Aktion der Orthopäden am Mittwoch erklärte er sich solidarisch. Sein Sohn sei selbst Arzt und vor zweieinhalb Jahren nach Schweden ausgewandert, erklärte der 71-jährige Patient. Weil der Junior die Auswirkungen der Gesundheitspolitik nicht mehr habe hinnehmen können und wollen. Dass er seinen Koffer packte und Deutschland den Rücken kehrte, das habe er bis heute nicht bereut.

In der Sulzbacher Gemeinschaftspraxis hielt gestern Orthopäde Dr. Reinhard Gombert die Stellung - für einige wenige Notfälle, wie gesagt. Im Gegensatz zu dem in Schweden aufgeblühten Mediziner jedoch schob und schiebt er sozusagen einen dicken Hals. Weil, wie er meint, die neuerliche Honorarreform seine Existenz und die seiner Fachkollegen beziehungsweise Mitarbeiterinnen bedroht. Im Übrigen spreche er auch für seine Kollegen Hess, Scholz und Zimmer in Dudweiler und Friedrichsthal. Praxismanagerin Carmen Zimmer - sie hat den Überblick über die Finanzen - hört zu, nickt und sagt: "Ich will morgen noch meinen Job haben. Und übermorgen auch noch."

Elf Arzthelferinnen und zwei Reinigungskräfte beschäftigt die Sulzbacher Gemeinschaftspraxis. Doch wie lange noch, das ist die Frage, sagt Reinhard Gombert. Er und seine Mitstreiter würden schon ernsthaft über Entlassungen nachdenken. Und dieses Jahr erstmals keinen Azubi einstellen. Es sei halt nicht mehr drin.

Pro Kassenpatient durchschnittlich 30 Euro im Quartal erhalte man neuerdings als Vergütung - auch wenn der Patient mehrmals im Quartal der ärztlichen Behandlung bedürfe. Das sei ein Ding der Unmöglichkeit. Dabei müsse man sich mal vor Augen führen, dass allein die Kosten der Praxis (Gehälter, Miete, Nebenkosten etc.) mehr als 50 Prozent der Einnahmen ausmachten. Für die ärztliche Streikaktion am Mittwoch, so der Sulzbacher Mediziner, hätten die Patienten durchweg Verständnis gezeigt. Weil ihnen wohl auch klar sei, dass sich ihre Versorgungssituation erheblich verschlechtert, wenn Arztpraxen in ihrer Nähe in den Ruin getrieben würden. Am Ende bedeute dies längere Wege und auch längere Wartezeiten für einen Termin.