Uniklinik in Homburg verbessert den Schutz von Kindern

Nach Missbrauchsskandal : Uniklinik will Schutz von Kindern verbessern

Als Reaktion auf den mutmaßlichen Missbrauchsskandal legt die Uniklinik in Homburg ein neues Kinderschutzkonzept vor.

Die Zahl der vom mutmaßlichen Missbrauchsskandal am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) Betroffenen steigt. Der 2016 verstorbene Assistenzarzt hat nach internen UKS-Recherchen bis 2014 mehr als 300 kleine Patienten in der Ausscheidungsambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt. Die Akten von 34 Fällen hatte die Staatsanwaltschaft im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens beschlagnahmt. Die Erziehungsberechtigten und teilweise auch die Betroffenen selbst wurden erst vor wenigen Wochen von der Klinikspitze darüber informiert. Zudem wurden weitere 280  behandelte Personen angeschrieben. Weitere Betroffene haben sich, so die Klinik, nach den Medienberichten gemeldet. Aktuell sind, so heißt es in einer Mitteilung des UKS-Vorstandsvorsitzenden Professor Dr.  Wolfgang Reith, 58 Rückmeldungen eingegangen. In 44 Fällen wurden bislang Gespräche an der Klinik geführt oder sind kurzfristig geplant. Reith: „Dabei handelt es sich primär um Akteneinsichten, die unter anderem von ausgewählten Ärzten der Klinik begleitet werden, die auf Wunsch und nach Möglichkeit inhaltliche/medizinische Fragen erläutern.“ Den Betroffenen werden  Hilfs- und Beratungsangebote unterbreitet.

Als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal hat die Uniklinik nach Reiths Angaben zwischenzeitlich ein neues Kinderschutzkonzept erarbeitet. Dies sei ein „wichtiger Baustein im Aufarbeitungsprozess der Missbrauchsverdachtsfälle.“ Das Konzept soll „derartigen Übergriffen“ vorbeugen und dem Personal der Klinik „Handlungssicherheit im Umgang mit schwierigen Situationen geben“. Neue Mitarbeiter der Uniklinik müssen zudem ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen, falls sie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Reith verweist auf einen zusätzlichen Verhaltenskodex und eine freiwillige Selbstauskunft des Personals. Damit werde Neueinstellungen „direkt aufgezeigt, welche Bedeutung das Schutzkonzept hat“. Diese Vorgehensweise wirkt nach Auffassung des UKS „abschreckend auf potentielle Täter“. Für bestimmte Arbeitsplätze soll zudem künftig bei Behandlungen „das Mehraugenprinzip bei der Behandlung“ festgeschrieben werden, was letztlich bedeutet, dass Eltern oder Mitarbeiter anwesend sein müssen.

Zwischenzeitlich hat der UKS-Vorstand auch eine externe Sachverständige verpflichtet, die die ursprünglich 34 Patientenakten erneut prüfen werde. Den von  Landesregierung  und Aufsichtsrat eingesetzten Sonderermittler, Ex-Kripochef Harald Schnur, werde das Klinikum „selbstverständlich bestmöglich unterstützen“.

Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU) betont   unterdessen die Notwendigkeit, die Wirksamkeit bestehender Kinderschutzkonzepte in Kliniken sowie Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und Behinderte zu prüfen. Er sagte gegenüber der SZ: „Wir brauchen einheitliche Standards, die auch ständig überprüft, überarbeitet und vor allem gelebt werden müssen.“ Die Kinderschutzkommission des Landes, die im August berufen werden soll, könnte hier eingeschaltet werden. Nach Kollings Angaben liegt bislang ein Antrag eines im Homburger Fall betroffenen Kindes auf Entschädigung nach dem Opferentschädigungsgesetz vor.

Dennis Lander, rechtspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Landtag, wirft der Landesregierung derweil „Aktionismus“ vor. Auch die Einsetzung eines Sonderermittlers und die mögliche Aberkennung der Arztzulassung des  Klinikdirektors Professor Dr. Alexander Gonthard könne nicht „vom völligen Versagen“ der Aufsicht über das landeseigene Uniklinikum hinwegtäuschen. Die Landesregierung sei frühzeitig über die Vorfälle informiert gewesen, denn die damalige Justizsstaatssekretärin Anke Morsch (SPD) sei von der Staatsanwaltschaft frühzeitig detailliert unterrichtet worden. Die Staatsanwaltschaft habe Morsch auch berichtet, dass weder sie, noch das UKS beabsichtige, die betroffenen Eltern einzuweihen. Morsch hatte zuletzt erklärt, sie sei „selbstverständlich davon ausgegangen“, dass die Eltern von UKS-Seite informiert werden. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, so Lander, ob Morsch als jetzige Präsidentin  des Finanzgerichts geeignet sei.

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