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Kleinblittersdorf/Saarbrücken
Und die Saarbahn ist dann mal weg

Am Bahnhof Kleinblittersdorf steigen viele Fahrgäste vom Bus in die Saarbahn um. Nicht immer gelingt das ohne Zeitverlust. Das zehrt mitunter an den Nerven der Kunden.
Am Bahnhof Kleinblittersdorf steigen viele Fahrgäste vom Bus in die Saarbahn um. Nicht immer gelingt das ohne Zeitverlust. Das zehrt mitunter an den Nerven der Kunden. FOTO: BECKER&BREDEL / bub
Kleinblittersdorf/Saarbrücken. Der Mangel an Busfahrern wirbelt in Saarbrücken Fahrpläne durcheinander. An der Oberen Saar kann es beim Umsteigen haken. Von Frank Kohler

Nur wenige Meter trennen den Bus vom Bahnhof Kleinblittersdorf. Aber die Saarbahn fährt ab. Die Busfahrgäste, die ja ihretwegen gekommen sind, blicken der Bahn fassungslos hinterher. So beschreibt Kundin Rebekka Nadig die Szene und versichert, die Busse in Kleinblittersdorf hätten eigentlich immer Verspätung, ob nun auf der Linie 501 ab und bis Homburg oder auf der 147, die die Kleinblittersdorfer Ortsteile verbindet.


Daher fahre kaum ein Berufstätiger mit der Saarbahn. Das Konzept, ein attraktives Verkehrsmittel zu schaffen, um vom Auto auf die umweltfreundlichere Bahn umzusteigen, habe leider absolut nicht funktioniert. Die ständigen Verspätungen der Saarbahn oder „die katastrophal schlechten Anschlüsse“ hätten sich natürlich herumgesprochen, „und somit nehmen immer weniger Leute Bus und Bahn“. Zudem seien die hohen Preise ebenso abschreckend wie das unfaire Wabensystem.

Für einen Kilometer mehr – von Auersmacher nach Sitterswald – seien 3,10 Euro zu entrichten, 0,70 Euro mehr als nur von Kleinblittersdorf bis Auersmacher. Wer an der Oberen Saar Bus und Bahn nehmen muss oder aus Gründen des Umweltschutzes sogar nehmen möchte, habe dies teuer zu bezahlen und viel Zeit mitzubringen.



Mit dem Auto dauere es 15 Minuten bis Saarbrücken, mit Bus und Bahn nach Nadigs Rechnung bestenfalls 35 Minuten, sehr häufig aber bis zu einer Stunde, wenn die Anschluss-Saarbahn wieder mal weg ist. Und auf dem Heimweg sei es oft ein Glücksspiel, „ob der Bus auf die verspätete Saarbahn wartet“. Nadigs Fazit: „Es ist ein Wagnis und Glücksspiel, hier zu versuchen, pünktlich in Saarbrücken anzukommen oder wie geplant heimzukommen – und das jeden Tag.“

Für Saarbahn-Sprecherin Ulrike Reimann steht eines fest: „Jeder Fahrtausfall und jede Verspätung sind ärgerlich. Denn sie stressen die Fahrer genauso wie unsere Kunden.“ Von dauerhaften Verspätungen bei der Saarbahn kann nach Reimanns Worten nicht die Rede sein. Und nur wenige Fahrten fallen demnach ganz aus. „Wenn, dann wegen Unfällen und technischen Störungen auf den Gleisen oder wie zuletzt wegen der Unwetter, aber es gibt fast keine Ausfälle wegen Personalmangel.“

Zu wenige Busfahrer gibt es dagegen durchaus bei der Saarbahn GmbH, sagt Reimann. „Nicht nur die privaten Busunternehmen, auch wir haben derzeit einen großen Personalmangel zu beklagen.“ Das Unternehmen habe bereits zusätzliche Fahrer eingestellt. Und am 1. Juli fangen 13 weitere an.

Auch sinken die Fahrgastzahlen, anders als von Nadig vermutet, bei der Saarbahn GmbH keineswegs. Sie seien im vergangenen Jahr um 0,5 Prozent auf rund 43 Millionen gestiegen. 30 Millionen Kunden hätten 2017 die Busse, 13 Millionen die Saarbahn genutzt. Auf die preistreibenden Waben-Grenzen angesprochen, erinnert Reimann an die Möglichkeit, seit dem 1. Juli 2017 mit Kurzstreckenkarten die Fahrpreise auch an den Wabengrenzen zu senken.

Ohne Probleme läuft der Nahverkehrsalltag aber auch an der Oberen Saar nicht. Reimann erklärt, warum. So lassen sich Saarbahn-Abfahrtzeiten keineswegs kurzfristig ändern, wenn es zum Beispiel auf den Buslinien Baustellen und deswegen Verzögerungen gibt.

Die Saarbahn ist nämlich an der Oberen Saar auf der Eisenbahnstrecke unterwegs. Daher müsse die Saarbahn GmbH ihre Pläne schon bis Ende April für das darauf folgende Fahrplanjahr bei der Deutschen Bahn einreichen, sagt Reimann. Die Buslinien 147 und 501 betreibe die Saarbahn nicht. Die Busse sollten ihre Zeiten an die Bahn anpassen und nicht umgekehrt, um den Anschluss sicherzustellen.

Busunternehmer Walfried Munz sagt, genau das passiere sowieso. Er fordert als Geschäftsführer der Bliestalverkehr GbR Verständnis für die Fahrer. Das Gemeinschaftsunternehmen betreibt die Buslinien 501 und 147. Und es gibt Munz zufolge nicht viele Beschwerden. Er sagt, gerade weil die Fahrer auf der 147 durchaus warten, wenn die Saarbahn später dran ist, komme es schon einmal zu Verspätungen auf dieser Buslinie.

„Wir geben uns wirklich Mühe. Aber wir haben uns wie jeder andere an die Verkehrsregeln zu halten“, sagt der Busunternehmer. Daher ließen sich Verspätungen jedenfalls nicht beliebig aufholen. Bei der langen Linie 501 seien zum Beispiel die Dauerbaustellen das Problem. Eine zwinge die Busfahrer auf Umwegen sogar bis nach Frankreich. „Und was machen Sie, wenn vor Ihnen einer zehn Minuten lang ablädt und Sie nicht vorbeikommen?“

Außerdem erinnert Munz an die Folgen des jüngsten Unwetters für die Gemeinde Kleinblittersdorf. So habe Bliestal-Verkehr zum Beispiel mit einem Pendelbus auf die Straßensperrung zwischen Sitterswald und Bliesransbach reagiert. Dort hatten die Regenmassen die Landstraße unterspült. Trotz allem seien die Busse gefahren, hätten die Kinder ihre Schulen erreicht. Nicht zuletzt dank der Fahrer des Verkehrsunternehmens.